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Windkraftanlagenbetreiber verzichtet auf Bau neuer Anlagen im Schreiadlergebiet

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Mecklenburg-Vorpommern begrüßt die Entscheidung des Betreibers, auf die Errichtung und den Betrieb von vier zusätzlichen Windkraftanlagen im Windeignungsgebiet Beseritz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zu verzichten.

Der NABU hatte gegen die bereits im April 2015 erteilte Genehmigung Klage erhoben, weil sich drei besetzte Horste des seltenen und durch Windräder gefährdeten Schreiadlers weniger als 3 km von den geplanten Anlagen befinden.
Kritik an der Rolle der Genehmigungsbehörden
Die fachlichen Empfehlungen der Länderarbeitsgemeinschaft der staatlichen Vogelschutzwarten sehen für Windkraftanlagen einen Mindestabstand von 6.000 m zu Horsten des Schreiadlers vor. Selbst die vom NABU als unzureichend kritisierte behördeninterne Beurteilungshilfe des Landesumweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern sieht einen Mindestabstand von 3.000 m und eine eingehende Risikoprüfung bei Horsten bis 6.000 m Abstand vor. Dennoch wurde für die geplanten Anlagen seitens des zuständigen Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburgische Seenplatte nicht einmal eine Umweltverträglichkeitsprüfung für notwendig erachtet.
Die aufgrund dieser Mängel sehr aussichtsreiche Klage des NABU hatte den Bau der Anlagen zunächst verzögert und schließlich zum Verzicht des Betreibers geführt.
„Nach Ansicht des NABU verstieß die Genehmigung klar gegen geltendes Artenschutzrecht und hätte nie erteilt werden dürfen“, sagte NABU-Landesvorsitzender Stefan Schwill. „Die vergeblichen Planungskosten des Investors hätten von vorneherein vermieden werden können, wenn die mangelnde Eignung des Standorts durch eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung sowie eine frühzeitige Einbeziehung von Naturschutzexperten bereits viel früher identifiziert worden wäre“, so Schwill weiter.
Auch die Tatsache, dass es sich in diesem Fall um einen Zubau zu sieben bereits bestehenden Windrädern gehandelt habe, ändere nichts an der artenschutzrechtlichen Beurteilung, weil jedes zusätzliche Windrad die Kollisionswahrscheinlichkeit der betroffenen Vögel erhöhe, und neue Turbinen zu einer verlängerten Nutzungsdauer des gesamten Windparks führten. Nach heutigen Maßstäben hätte auch die Genehmigung für die vorhandenen Bestandsanlagen niemals erteilt werden dürfen.
Signal an andere Investoren
Der NABU freut sich über die Entscheidung des Investors, auf den Bau der Anlagen in Beseritz zu verzichten. „Um den Windenergieplanern eine höhere Planungssicherheit zu ermöglichen und Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, appellieren wir an alle Planungsbehörden und Investoren, bereits bei der Ausweisung von Eignungsgebieten und der Standortwahl die fachlichen Empfehlungen zum Mindestabstand von windenergie-sensiblen Vorkommen geschützter Arten zu berücksichtigen“, so Lars Lachmann, Vogelschutzexperte beim NABU.
In diesem Sinne hoffe man für die Zukunft auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem betroffenen Betreiber und erwarte, dass dieses Beispiel ein wichtiges Signal an andere Investoren sende.
 
NABU Mecklenburg-Vorpommern/Red.

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