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Bundesforstministerin Julia Klöckner setzt auf massive Wiederaufforstung, um auf den Klimawandel zu reagieren.

Massive Waldschäden erfordern bundesweites Handeln!

Bundesforstministerin Julia Klöckner hat die Forstminister der Union für den 1. August ins sächsische Moritzburg zu einem Waldgipfel eingeladen. Bei dem Treffen geht es um den Ist-Zustand der Wälder in Deutschland. Zuletzt hatte Klöckner sich für ein massives und unbürokratisches Wiederaufforstungsprogramm ausgesprochen. Doch reicht das aus, um den Wald in Deutschland zu erhalten?

Der Wald in Deutschland leidet massiv unter den Folgen der extremen Witterung der letzten eineinhalb Jahre. Die Folgen zeigen sich inzwischen deutlich: Erhebliche Schäden an Nadel-, aber auch an Laubbäumen, Ausfälle auf ganzer Fläche, Preisverfall am Holzmarkt – die Forstwirtschaft kämpft an allen Fronten mit den Folgen des Klimawandels. Und dabei steht die Branche wohl erst am Anfang. Allein um die bisherigen Schäden am Wald aufarbeiten zu können, werden erhebliche Investitionen nötig sein. Auch die Bundesregierung hat reagiert und rückt die Problematik verstärkt in den Fokus.

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat die Forstminister der Union für den 1. August zu einem Waldgipfel ins sächsische Moritzburg eingeladen, um den aktuellen Waldzustand in Deutschland zu besprechen und Lösungsmöglichkeiten zu erörtern. Am Nachmittag soll der Bundesforstministerin die „Moritzburger Erklärung“ als gemeinsames Statement überreicht werden. Das ist nur einer von mehreren Terminen, die Klöckner diese Woche wahrnimmt. So besuchte die Ministerin bereits am 31. Juli ein Waldgebiet bei Treuenbrietzen in Brandenburg, das durch einen massiven Waldbrand im Sommer 2018 stark geschädigt wurde, um sich ein Bild von den Langzeitfolgen des Feuers zu machen. Für den 2. August ist der Besuch Klöckners im Bundeslager der Waldjugend in Hauenstein (Rheinland-Pfalz) geplant. Noch im August will Klöckner zu einem Verbändegespräch und im September zum Nationalen Waldgipfel einladen. Zuletzt sprach sich die Bundesforstministerin für ein massives und unbürokratisches Wiederaufforstungsprogramm aus, um den Folgen des Klimawandels für den Wald zu begegnen. Für dieses Aufforstungsprogramm und die anschließende Pflege sind Schätzungen zufolge mindestens 500 Mio. € nötig.

Initiative greift zu kurz

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) begrüßt den Vorstoß von Bundesministerin Klöckner grundsätzlich. Dieser greife jedoch zu kurz. Der Bundesvorsitzende des BDF, Ulrich Dohle, erklärte hierzu: „Auf meiner Urlaubssommertour durch Deutschlands Wälder konnte ich den katastrophalen Zustand unseres Waldes hautnah erleben. Von Mecklenburg, über den Harz, ins Sauerland und bis zur Schwäbischen Alb sieht man sterbende Bäume aller Art. Sowohl in Nationalparken und normal bewirtschafteten Wäldern. Fichten, Kiefern, Buchen, Eichen – alle wesentlichen Baumarten sind betroffen. Es ist eine nationale Katastrophe. Das bestätigen die Forstleute aller Bundesländer.“ Seine Forderung: „Um dieser Katastrophe adäquat zu begegnen, benötigen wir einen nationalen Waldgipfel mit allen Beteiligten aller Bundesländer. Wir brauchen eine laufend aktualisierte Einschätzung des wahren Ausmaßes der Schäden. Die bisherigen Zahlen kratzen nur an der untersten Kante. Jeden Tag werden die Zahlen in den Ländern nach oben korrigiert. Nur bundesweit bleiben sie gleich. Auf dieser Basis können keine guten Entscheidungen getroffen werden.“ Neben den neuen Plänen zur großflächigen Aufforstung neuer Wälder gegen den Klimawandel müsste daher zunächst der bisher bestehende Wald gerettet und wieder aufgeforstet werden. Neben großen finanziellen Mitteln sofort und die nächsten Jahre wird aus Sicht des BDF eine spürbare Aufstockung des Personals, ein Stopp aller Stellenabbaupläne und die Verkleinerung der Organisationseinheiten benötigt. Kleinere Waldbesitzende müssten unkompliziert beraten und betreut werden können. Nicht zuletzt mahnte der BDF, die Baumartenwahl wieder stärker ins Zentrum der Betrachtung zu rücken. Die bisherigen Gewissheiten stünden auf dem Prüfstand. Eine größere Vielfalt auch unter Berücksichtigung nicht heimischer Arten sei unerlässlich, um den Wald an die fortschreitenden Umweltveränderungen anzupassen.

Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette

Auch die Holzindustrie begrüßte die Initiative der Bundesregierung. Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e. V. (DeSH) hält aber bundesweite Maßnahmen für unerlässlich. DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt betonte: „Die Wetterextreme häufen sich zunehmend und die Schaddimensionen übersteigen inzwischen vielerorts die Kapazitäten von Waldbesitzern, Forst- und Holzwirtschaft. Regionale Maßnahmen reichen allein nicht mehr aus, um Waldregionen zu retten. Die Erhaltung dieser Natur- und Wirtschafträume ist vor dem Hintergrund des Klimawandels allerdings unverzichtbar.“ Vor allem müssten alle Maßnahmen die gesamte Wertschöpfungskette Wald und Holz mit einbeziehen und dürften nicht am Waldrand enden. Schmidt: „Wir brauchen auch Initiativen zur Stärkung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und Holznutzung. Das Klimaschutzpotenzial entfaltet sich nämlich erst durch diese Verbindung.“ Insbesondere der Holzbau könne diesbezüglich einen entscheidenden Beitrag leisten. Um ganzheitlich die Weichen für die kommenden Jahre zu stellen, regte der Verband daher ebenfalls einen bundesweiten Waldgipfel unter Einbeziehung aller Interessengruppen an.

Folgen verfehlter Waldwirtschaft?

Der WWF Deutschland hingegen nahm die Einladung zum sächsischen Waldgipfel von Bundesministerin Klöckner zum Anlass für einen „Weckruf für die Waldwirtschaft“. Dr. Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland, kommentierte: „Die aktuelle Waldkrise ist die Folge einer jahrzehntelang verfehlten Waldwirtschaft und Forstpolitik, die sich zu sehr an der schnellen Holzproduktion orientiert. Das Ergebnis sind riesige Nadelbaum-Monokulturen, die den Wald zusätzlich zur allgemeinen Klimaerhitzung austrocknen und anfällig sind für Brände, Stürme und Borkenkäfer. Dafür erhalten wir jetzt die Rechnung. Ein reines Aufforstungsprogramm, das den Status-quo erhält, würde nur an den Symptomen kratzen, aber keines der Probleme lösen. Was wir brauchen ist die Wende zu einer naturnahen Waldwirtschaft.“ Zu einer naturnahen Waldwirtschaft gehört ihrer Meinung nach auch, dass die jetzt teilweise ebenfalls geschädigten Laubwälder nicht geräumt werden. Stattdessen sollte das entstehende Totholz erhalten bleiben und der natürlichen Waldverjüngung durch nachwachsende Bäume freien Lauf gelassen werden. Sowohl der Erhalt von Totholz als auch die Waldverjüngung binde Kohlenstoff und mildere lokale Klimaextreme ab, so Winter. Sie forderte Bundes- und Landespolitik auf, dafür Anreize zu schaffen und die Umwandlung in naturnahe Mischwälder zu fördern. Gleichzeitig solle der Staat in seinen eigenen Wäldern viel stärker mit gutem Beispiel vorangehen.

Red./PM

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