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Manuelle Plätzesaat von Buche

Manuelle Plätzesaat von Buche

Das die Saat neben den derzeit mehrheitlich im Wald angewandten Kulturverfahren, die sich überwiegend wurzelnackter Pflanzen bedienen, wieder an Bedeutung gewinnt, hat mehrere Gründe.

Die Saat von Baumarten ist diejenige, die unter den zur Verfügung stehenden Varianten der künstlichen Walderneuerung der natürlichen Verjüngung am nächsten kommt. Dabei ist die freie Wurzelentwicklung eines der stärksten Argumente für die Saat. Insbesondere in Hinblick auf die zu erwartenden klimatischen Veränderungen ist dieser Vorteil nicht unerheblich, da gut ausgebildete Wurzelsysteme nicht allein für die Versorgung des Baums wichtig sind, sondern dem Baum selbst und darüber hinaus dem Bestand insgesamt Stabilität geben. Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) bezüglich der Wurzelentwicklung auf Problemstandorten, sehr flachgründige hochmontane Standorte, zeigen, dass etwa 70 % der Naturverjüngung oder Saat – im Gegensatz zur Pflanzung – keine Wurzeldeformationen aufweisen. Somit kann die Plätzesaat auch auf empfindlichen Böden in schwer zugänglichen Lagen punkten.

Einfach und schnell

Allgemein besticht das Verfahren durch seine Einfachheit, durch den geringen Aufwand, der zur Ausführung betrieben werden muss. In einer Verfahrensbeschreibung des Landesbetrieb Wald und Holz NRW wird empfohlen, die infrage kommenden Bestände, hier 50- bis 60-jährige Fichten, vor dem Hintergrund der Bodengare, zwei bis drei Jahre im Voraus zu durchforsten. Die einzelnen Plätze, etwa 1,5 bis 2 m Abstand zu den verbliebenen Bäumen sind einzuhalten, werden dann mittels einer Wiedehopfhaue hergestellt. Mit der Haue wird die Humusschicht abgezogen, sodass 40 cm x 60 cm große Plätze entstehen. Anschließend wird der so freigelegte Mineralboden aufgelockert. Die einzelnen Plätze werden in einem Verband von 2 m x 2 m angelegt. In der Beschreibung des Landesbetriebs werden pro Hektar drei Horste mit jeweils 100 Plätzen vorbereitet. Natürlich ist dieser Wert stark von Faktoren wie Geländeverhältnisse oder Bestockungsgrad abhängig. Weiterhin kalkuliert die Empfehlung mit einer Saatgutaufwandmenge von 7,5 kg Bucheckern je Hektar in Abhängigkeit von der Keimkraft und dem Keimprozent. Nach dem Ausbringen der Bucheckern, werden diese mit einer 1 bis 2 cm dicken Erdschicht bedeckt. Geht die Saat gut an und die weitere Entwicklung verläuft ebenso reibungslos, wird die Buche künftig mit einem Anteil von 25 bis 30 % an der Baumartenzusammensetzung beteiligt sein.

Zeitlich kann die Saat sowohl im Herbst als auch im Frühjahr erfolgen, wobei der Buche das zeitige Frühjahr eher entgegenkommt. Dann ist der Boden bereits leicht erwärmt und vom ausgehenden Winter noch gut durchfeuchtet und bietet der Buche somit optimale Startbedingungen. Auch ist die Zeit vom Ablegen der Ecker bis zur Keimung eine wesentlich kürzerer im Vergleich zum Herbsttermin. Hier ist die Gefahr sehr viel höher, dass z.B. biotische Verluste, wie durch Mäuse verursachte Fraßverluste, auftreten.

In einem Versuch der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft wurden die Baumarten Fichte, Tanne, Lärche und Buche jeweils im Herbst und im Frühjahr ausgesät. In der Auswertung zeigte sich, dass der Keimerfolg im Frühjahr höchstsignifikant besser ausfiel als im Herbst. Zu berücksichtigen ist hierbei jedoch, dass die Untersuchungsergebnisse aus einem hochmontanen Bereich der bayerischen Kalkalpen stammen.

Insgesamt werden die Kulturkosten der Plätzesaat mit der Buche unter dem 50- bis 60-jährigen Fichtenschirm mit Gesamtkosten (Lohn- und Saatgutkosten) von gut 700 Euro pro ha angegeben. Im Rahmen der Erfolgskontrolle und der weiteren Entwicklung kann unter Umständen zur Vermeidung von Verbissschäden eine Gatterung oder bei kleineren Maßnahmen der Einzelschutz sinnvoll sein.

Letztlich wirbt dieses Verfahren mit der Einfachheit und der schnellen Umsetzbarkeit. Gleichfalls besticht es nicht weniger durch die Boden- und Bestandspfleglichkeit.

Jochen Reinstorf

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