Holzenergie

Mal wieder: Unqualifizierte Kritik an Pellets und Holzenergie

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Die in Edinburgh lebende deutsche Autorin Almuth Ernsting blickt kritisch auf die Umstellung von Kohlekraftwerken auf Pellets. Was in Deutschland derzeit geprüft wird ist in Dänemark und Großbritannien schon gang und gäbe. Deutschland solle darauf verzichten, fordert Ernsting, denn die Verbrennung von Holzpellets schade den Wäldern und dem Klima. Wie das?

Großbritannien und Dänemark steigen aus der Kohle schneller aus als Deutschland. Großbritannien habe sich verpflichtet, die Kohleverbrennung in Kraftwerken 2025 zu beenden. Doch schon sei die Menge der in Kraftwerken verbrannten Kohle von über 50 Mio. t im Jahr 2010 auf 6 Mio. t im Jahr 2019 reduziert. Dänemark habe sich nicht nur verpflichtet, die Kohleverbrennung zu beenden, sondern auch den Verbrauch von fossilem Gas bis 2030 zu halbieren. Das Land verbrenne derzeit weniger als ein Viertel der 1990 verwendeten Kohlemenge. Das größte Energieunternehmen des Landes, Ørsted, wolle im Jahr 2023 aus der Kohle aussteigen.

Kohleausstieg in Großbritannien und Dänemark

Was Ernsting an dem eigentlich positiven Kohleausstieg in den beiden Ländern stört, ist der Import großer Mengen Holzpellets. In Großbritannien verbrenne das einst größte Kohlekraftwerk des Landes im nordenglischen Drax heute mehr Holz als jede andere Anlage auf der Welt und mehr als die jährliche Holzproduktion Großbritanniens. Die Prozesswärme in dem Kraftwerk werde nicht genutzt, was zu einem Wirkungsgrad von nur 40 % führe. Dafür erhalte das Pelletkraftwerk jeden Tag 2,36 Mio. Pfund (2,64 Mio. €) an Subventionen. Die dänischen umgestellten Kohlekraftwerke seien zwar hocheffizient, profitierten aber auch von Subventionen.

Ernsting prangert dann den Kahlschlag in den Wäldern an der US-Ostküste durch den weltweit größten Pelletproduzenten Enviva an, der die Artenvielfalt dort gefährde. Außerdem habe der Holzeinschlag in den baltischen Staaten, von wo Drax und Ørsted ebenfalls Holz beziehen, einen Rekordstand erreicht.

Pläne in Deutschland

Für Deutschland gibt es Pläne, etwa das Kraftwerk Wilhelmshaven von Onyx oder das Kraftwerk Rostock von KNG auf die Verbrennung von Holzpellets umzustellen. Allein die Anlage in Wilhelmshaven würde das Äquivalent von fast der gesamten deutschen Holzpelletproduktion verbrennen, warnt Ernsting. In einem anderen Artikel von Biofuelwatch, eine NGO, für die Ernsting schreibt, wird diese Menge mit 2,9 Mio. t jährlich beziffert. Die Pelletproduktion in Deutschland für 2020 wird auf etwa 3 Mio. t geschätzt.

Die Muttergesellschaft von Onyx, Riverstone Holdings, ist einer der größten Anteilseigner von Enviva. Enviva hat seinen Investoren Anfang des Jahres mitgeteilt, dass der Kohleausstieg in Deutschland wahrscheinlich „eine beträchtliche Nachfrage nach Biomasse in Deutschland auslösen wird“ – eine Nachfrage, die Enviva durch Partnerschaften mit deutschen Pelletproduzenten zu decken hofft. Für Onyx wäre das Geschäft mit den Pellets freilich eine doppelt profitable Sache. Die Muttergesellschaft Riverstone ist einer der größten Anteilseigner von Enviva.

Nicht klimaneutral?

Soweit, so berechtigt die Kritik. Krude wird dann, wie bei Umweltorganisationen üblich, die Argumentation, warum das Verbrennen von Pellets nicht klimaneutral ist. Ganz klar: Die US-amerikanischen Holzerntemethoden muss man nicht mögen, schon gar nicht was Artenschutz betrifft. Rein klimatechnisch können diese Methoden trotzdem klimaneutral sein, und zwar wenn pro Flächeneinheit weniger Holz genutzt wird als nachwächst.

Ernsting behauptet, dass bei der Verbrennung von Holz mehr CO2 freigesetzt werde, als bei der Verbrennung von Kohle. Das ist richtig, wenn man es auf die Wärmeeinheit bezieht. Es wird aber falsch, wenn man berücksichtigt, dass jedes Stückchen Kohle, das seit 350 Mio. Jahren unter der Erde gelegen hat, und jetzt verbrannt wird, zu 100 % neu und zusätzlich als CO2 in der Atmosphäre landet. Die Bäume, die jetzt verbrannt werden – im schlimmsten Fall sind es Bäume, die extra für diesen Zweck gefällt werden – haben aber während der vergangenen Jahrzehnte bereits CO2 aufgenommen, und jetzt wird es wieder entlassen. Die Bilanz ist also Null.

Falsch gerechnet

Den gleichen argumentativen Fehler begeht sie wieder, wenn sie behauptet, es dauere Jahrzehnte, bis die Emissionen, die durch das Verbrennen von Pellets freigesetzt werden, von Bäumen wieder aufgenommen werden. Wenn man die gesamte Holzernte Deutschlands verbrennen würde (was bei weitem nicht der Fall ist), und diese Erntemenge entspräche dem jährlichen Zuwachs (was ebenfalls nicht der Fall ist, es wird weniger geerntet), dann würde es – Richtig! – genau ein Jahr dauern, bis diese Menge an CO2 wieder gebunden wäre. Nicht klimaneutral wird die Verbrennung von Biomasse erst, wenn mehr verbrannt wird als nachwächst

Ernsting verweist auf einen offenen Brief von 800 Wissenschaftlern, laut dem Pellets nicht klimaneutral seien, selbst wenn sie aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern kommen. Warum das so sein soll, darauf geht sie nicht ein. Es gibt sehr wohl Bedenken von Klimaforschern wegen der Kürze der Zeit, die uns noch bleibt, um den Klimawandel wirksam einzudämmen. Vor diesem Gesichtspunkt ist es besser, auf jede CO2-Emission, auch auf solche aus Holz, zu verzichten.

Unrealistische Argumentation

Vollends in Unrealistische driftet Ernstings Argumentation ab, wenn sie über den Begriff „minderwertiges Holz“ schwadroniert, das Pelletproduzenten nach eigenen Angaben ausschließlich einkaufen. Die Definition „minderwertig“ definiere sich ausschließlich über den Preis. Also sei Holz, das für Bioenergie verwendet wird, per se „minderwertig“. Das habe ein Bericht der Umweltorganisation Biofuelwatch gezeigt. Was die Autoren nicht hinbekommen haben war zu fragen, wieso irgendein Waldbesitzer auf dieser Welt sein Holz billiger verkaufen sollte, als es möglich ist. Daraus ergibt sich zwingend, dass nur das Holz energetisch verwertet wird, für das es nirgendwo mehr Geld gibt.

Hat man sich den Text vollständig durchgelesen, kommt man zu dem Schluss, dass die Autorin offenbar noch nie im Wald war, und Förstern, Waldarbeitern oder Forstunternehmern über die Schulter geschaut hat. Das sollte man aber unbedingt getan haben, bevor man sich anmaßt, zu wissen, was im Wald passiert. Es ist völlig klar, dass Pelletlieferungen über den Atlantik nicht das Optimum für die europäische Energiewende sind. Besser als weiter Kohle zu verbrennen sind sie aber allemal. Und die durchaus berechtigte Kritik an diesen Lieferungen mit einer kruden und völlig hergeholten Argumentation gegen Holzenergie allgemein zu vermischen, ist absolut unzulässig.

Für alle, die es interessiert: Hier der Originaltext in der deutschen Übersetzung.

Marc Kubatta-Große