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Maikäferbekämpfung in Hessen: Nachkontrollergebnisse liegen vor

Maikäferbekämpfung in Hessen: Nachkontrollergebnisse liegen vor

Nach der Bekämpfung der Waldmaikäfer in den Wäldern der Stadt Pfungstadt bei Darmstadt im Mai dieses Jahres wurden Proben von Walderdbeeren sowie von Blättern genommen. Die Analysenergebnisse dieser Nachkontrolluntersuchungen liegen nun vor, meldete die Stadt Pfungstadt am 20. Juli. Danach konnte in keiner Probe der Wirkstoff Dimethoat/Omethoat festgestellt werden. Der Landesbetrieb Hessen-Forst stellt daraufhin auf seiner Homepage richtig, dass die vom NABU Hessen geäußerten Vorhaltungen zur Eindämmung der Waldmaikäferplage im hessischen Ried unzutreffend seien. Für den NABU Hessen bleibt der Gifteinsatz im Pfungstädter Wald nach wie vor unverantwortlich und sinnlos.

Die Stadt Pfungstadt hat in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Gießen (Pflanzenschutzdienst Hessen) am 2. Juli 2010 in Gebieten des Stadtwaldes Pfungstadt, in denen der Waldmaikäfer zweimal mit Dimethoat bekämpft wurde (3. und 27. Mai 2010) Proben von Walderdbeeren ( Himbeeren, Himbeeren) und Waldkräutern (Brennessel, Johanniskraut) sowie von Blättern genommen. Diese wurden im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (Standort Kassel) auf Rückstände von Dimethoat/ Omethoat untersucht. Die Stadt Pfungstadt teilte am 20. Juli  mit, dass die Analysenergebnisse dieser Nachkontrolluntersuchungen nun vorliegen. In keiner Probe konnte Dimethoat/Omethoat vom Landesbetrieb Hessisches Landeslabor in Kassel festgestellt werden. Somit bestehen keine Bedenken hinsichtlich des Verzehrs von Waldbeeren oder Waldkräutern  mehr. Wie bereits mehrfach erläutert, handelte es sich bei den vom BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) gelisteten Auflagen um vorsorglich erteilte Regelungen mit hinweisendem Charakter, die nunmehr relativiert werden können.
 
NABU Hessen: Gifteinsatz im Wald bleibt unverantwortlich

Der Gifteinsatz im Pfungstädter Wald ist für den NABU Hessen nach wie vor unverantwortlich und sinnlos. Auf der Internetseite des Naturschutzverbandes wurde am 20. Juli veröffentlicht: „Auch wenn nach den heute bekannt gegebenen Untersuchungen der Stadt Beeren und Blätter zum Glück keine Giftrückstände mehr aufweisen, bleiben die ökologischen Schäden für die Tierwelt bestehen“, bewertet Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen, die Giftbilanz des Pfungstädter Bürgermeisters. Alle Aussagen über einem möglichen Erfolg des Einsatzes der Giftkeule seien zudem völlig spekulativ. Gesicherte Ergebnisse, so Eppler, seien erst im letzten Engerlings-Stadium in drei Jahren möglich.
Angesichts der Tatsache, dass der angekündigte Massenauftritt des Maikäfers nicht stattgefunden habe, zeige sich, so Eppler, dass der Gifteinsatz völlig unnötig gewesen sei. Sowohl die kalte Witterung zur Maikäfer-Flugzeit im Mai als auch die Trockenheit im Juni und Juli habe den Käfern und ihren Eiern im Boden stark zugesetzt. „Die Stadt Pfungstadt hat Mensch und Natur unsinnige Risiken aufgebürdet. Der Bürgermeister sollte nun die notwendigen Konsequenzen ziehen und jeden weiteren Gifteinsatz für die Zukunft untersagen“, fordert Eppler. Die Bürger der Stadt wollten nicht in einem vergifteten Forst, sondern in einem naturnahen artenreichen Wald Erholung suchen.
Der NABU Hessen bemängelt zudem, dass es keine Untersuchungen zu den Schädigungen der Tiere im Pfungstädter Wald gebe. Das Breitbandgift habe Schmetterlinge, Wildbienen, Vögel und Fledermäuse in Mitleidenschaft gezogen. Bislang seien weder kurz- noch langfristige Schäden erforscht worden. Für den Gifteinsatz im Pfungstädter Wald gelte nach wie vor, dass die Risiken den vermeintlichen Nutzen weit überwögen.
Aufklärung zu den zahlreichen Verletzungen der Genehmigungsauflagen erwartet der NABU Hessen von den laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Auch am heutigen Tage habe es wieder Zeugenbefragungen gegeben, so Eppler.
 
 
Hessen-Forst: Unterstellungen des NABU Hessen sind haltlos
Der Landesbetrieb Hessen-Forst stellt richtig, dass die vom NABU Hessen geäußerten Vorhaltungen zur Eindämmung der Waldmaikäferplage im hessischen Ried unzutreffend sind.
Hessen-Forst hat frühzeitig im Sommer 2009 alle Waldeigentümer im Hessischen Ried auf die Risiken einer weiteren ungestörten Eiablage des Wald-Maikäfers mit dem nachfolgenden unterirdischen Wurzelfraß der Engerlinge hingewiesen. Entsprechende Schäden sind bereits oberirdisch sichtbar, auch an Altbäumen sowie auf Waldböden, die nie Grundwasseranschluß hatten. Wie erwartet, war insbesondere im Nordbereich des Maikäfervorkommens im Raum Darmstadt trotz der kühlen Temperaturen im Mai ein starker Flug mit Kahlfraß beobachtet worden.
Die Stadt Pfungstadt hat als Waldeigentümerin in eigener Zuständigkeit eine Entscheidung für eine Maikäferbekämpfung getroffen, der Landesbetrieb hat als beauftragter Dienstleister an der Umsetzung mitgewirkt.
Hessen-Forst bewirtschaftet und pflegt die anvertrauten Wälder nachhaltig. Die Integration von ökologischen und sozialen Aspekten in die Waldbewirtschaftung ist selbstverständlich. Eine multifunktionale Forstwirtschaft stellt sicher, dass die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen gleichermassen erfüllt werden und der nachwachsende und klimafreundliche Rohstoff Holz zur Verfügung steht.
Stadt Pfungstadt, NABU Hessen, Hessen-Forst
Durch Engerlingfraß verdorrte Buchen. Durchschnittlich neun Engerlinge/qm im dritten Larvenstadium gab es im Frühsommer 2009 auf den von Maikäfern besiedelten Bereichen des Hhessischen Ried. Am 13. August 2009 informierte Hessen-Forst im Hessischchen Ried zur Maikäfer-Problematik. Wie die Feinwurzeln auch von älteren Bäumen von den Engerlingen abgefressen werden wurde anhand einer umgezogenen Buche gezeigt. Bilder aus AFZ-DerWald 6/2010.

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