ForstBranche

LV Lippe: Entwicklung der Versuchsflächen im Kalletal

Auf den ersten Blick scheinen die gegatterten Flächen auf dem Kirchberg normalen Försteralltag widerzuspiegeln: Junge Bäume stehen in Reih und Glied, hier gedeiht Nachwuchs. Doch bei näherem Hinschauen wird deutlich, dass es sich um Baumarten handelt, die man in Lippe nicht kennt und die seit der Pflanzung vor drei Jahren erstaunlich in die Höhe geschossen sind. Bei einem Ortstermin mit dem Bundeswaldbeauftragten Cajus Caesar, Vertretern des Landesbetriebes Wald und Holz NRW sowie des Landesverbandes Lippe wurde schnell klar: Hier kündigt sich eine vollkommen neue Waldgeneration an.

Eingeladen hatten dazu Dr. Norbert Asche, Projektverantwortlicher beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW, sowie der Landesverband Lippe mit Verbandsvorsteher Jörg Düning-Gast, Susanne Hoffman (stellv. Leiterin der Forstabteilung) und Frank Homuth (Leiter des Forstreviers Kalletal). Gewählt hatten sie dazu den Kirchberg bei Kalletal, eine von drei Versuchsflächen des Forschungsprojekts „Erhalt bzw. Steigerung der nachhaltigen Holzproduktion unter Nutzung ausgewählter Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen“, das 2017 vom Landesbetrieb Wald und Holz und vom Landesverband Lippe gemeinsam gestartet worden war. Finanziert wurde das Projekt zu 100 % aus Fördergeldern des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, die über die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) bewilligt wurden.

Neue Wege in der Baumartenwahl

Den wesentlichen Impuls hatte seinerzeit Casear gegeben: „Der Klimawandel zwingt Waldbesitzer und Forstwissenschaftler, beim Waldbau neue Wege zu gehen und Baumarten zu finden, die in unseren Regionen gut gedeihen und zugleich resistenter sind gegen Hitze, Dürre und Schädlingsbefall, wie sie aufgrund des Klimawandels prognostiziert werden. Ich habe deshalb angeregt, Versuchsflächen anzulegen mit Baumarten aus anderen Regionen, aber auch mit Baumarten, die wir aus Parklandschaften oder Alleen in Deutschland schon kennen, von denen wir aber nicht wissen, wie sie in einem Waldbestand gedeihen.“ Das Forschungsprojekt hat aus seiner Sicht Relevanz für die gesamte Bundesrepublik: „Die hier gewonnenen Forschungsdaten und Ergebnisse sind wichtig für Waldbesitzer in ganz Deutschland.“

Caesar ist selbst Förster beim Landesverband gewesen und hatte schon früh mit Baumarten aus anderen geografischen Regionen experimentiert: „Ich habe vor gut 30 Jahren hier auf dem Kirchberg Küstentanne – in Mischung mit Buche und Traubeneiche – versuchsweise gepflanzt; diese ist heute 30 m hoch und trotz der letzten beiden extremen Dürrejahre gut gediehen. Wir haben inzwischen eine dichten Teppich an Naturverjüngung, die wir als Setzlinge nutzen können.“ Neben dem Kirchberg wurden zwei weitere Versuchsflächen – eine im Leistruper Wald bei Detmold, eine in Arnsberg beim Landesbetrieb, angelegt. Zwischen neun und elf Baumarten wurden auf diesen Flächen gepflanzt: Atlaszeder, Küstentanne, Araukarie, Westliche Hemlocktanne, Küstenmammutbaum, Gebirgsmammutbaum, Sicheltanne, Baumhasel, Esskastanie, Orientbuche und Platane.

Ergebnisse nach drei Jahren

Die Ergebnisse nach drei Jahren beeindrucken, insbesondere auf dem Kirchberg: „Die Böden hier sind sehr nährstoffarm, der Wind ist stark, und trotzdem sind die jungen Pflanzen hervorragend gewachsen. Küstentanne und Gebirgsmammutbaum haben dabei ein erwartbares Wachstum vorgelegt, überrascht haben uns Hemlocktanne und Esskastanie“, sagte Asche. „Sie sind heute bis zu vier Meter hoch – und das trotz der Trockenheit in den Jahren 2018, 2019 und 2020.“ Als die Partner das Projekt gestartet haben, waren Dürre und Borkenkäfer noch kein Thema. Jetzt machen die Flächen Hoffnung, dass es gelingen kann, für unsere Kinder- und Enkelgenerationen einen neuen Wald zu begründen. „Wir brauchen vor allem Nadelhölzer, weil uns die Fichte wegbricht. Die hier angepflanzten Nadelbaumarten könnten diesen Ausfall kompensieren“, so Asche.

Für den Landesverband ist der Versuch eine wichtige Investition in die Zukunft: „Als größter öffentlicher Waldbesitzer in Lippe haben wir ein großes Interesse daran, unsere Wälder zu erhalten. Wie unglaublich schwierig das ist, haben die letzten drei Jahre gezeigt: Nach dem Sturm ‚Friederike‘ im Januar 2018 und den Dürresommern 2018 und 2019 mit Borkenkäferkalamitäten, haben wir den Großteil unserer Fichten verloren. Das Forschungsprojekt hilft uns ganz konkret, Alternativen zu finden, den Waldbau weiterzuentwickeln und so die Grundlage für die lippischen Wälder von Morgen zu legen“, betonte Düning-Gast.

Projektlaufzeit bis Ende 2020

Das Projekt läuft Ende 2020 aus, Asche wird dazu eine abschließende Publikation vorlegen. Die Versuchsflächen selbst werden weiter systematisch begleitet: „Die Ergebnisse sind ermutigend, wir würden uns freuen, wenn Hemlocktanne & Co. sich hier wohl fühlen und dafür sorgen, dass Lippe grün bleibt“, so die einhellige Meinung der Projektpartner.

Quelle: LV Lippe