Forstpolitik

LULUCF: EU-Politik, Klimaziele und Waldbewirtschaftung

Bearbeitet von Carolin Föste

Am letzten Mittwoch, den 8. Juni, hat das EU-Parlament über den Entwurf der LULUCF-Verordnung (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) abgestimmt. Im Rahmen des „Fit for 55“-Pakets sollen darin CO2-Speicherungsziele der Land- und Forstwirtschaft festgehalten werden. Was ändert sich auf dem Weg zu den Klimazielen für die Waldbewirtschaftung?

Um bis 2030 die EU-Klimaziele zu erreichen und dem Klimawandel erfolgreich entgegenzuwirken, tagte das Europäische Parlament zuletzt zur Abstimmung von acht Legislativvorschlägen. Die Ziele betreffen vor allem die Minderung der Treibhausgasemissionen und umfassen neben Fragen der Mobilität und des Emissionshandels auch die Land- und Forstwirtschaft – genauer: Land use, land use change and forestry, kurz: LULUCF.

Klimaziele betreffen die Waldbewirtschaftung

„Das Europäische Parlament geht mit einer starken Position für den Schutz unserer Wälder als natürliche CO2-Speicher in die Verhandlungen. Wir haben den Vorschlag der EU-Kommission deutlich verstärkt und schaffen gleichzeitig klimafreundliche Anreize für Land- und Forstwirtschaft. Klare Zielvorgaben für das Einsparen von Treibhausgasemissionen, auch für Ackerland, Grünland und Feuchtgebiete, sind aktiver Klimaschutz. Mit strengen Vorgaben und Maßnahmen zur Wiederherstellung degradierter Flächen, zur Waldbewirtschaftung, zur Aufforstung und zum Stopp der Entwaldung unterstützen wir nachhaltige Landnutzung und Biodiversität“, sagte Ville Niinistö, Grünen/EFA-Mitglied und Berichterstatter des Europäischen Parlaments im Umweltausschuss und im Industrieausschuss zu der Abstimmung.

Das Ziel der Europäischen Kommission, die CO2-Emissionen und -Speicherung aus Acker- und Waldbau in einem Sektor zu vereinen, wurde in der vergangenen Abstimmung durch das EU-Parlament abgelehnt.

Positive Stimmen aus der Forstwirtschaft

Die Entscheidung, die Forst- und Landwirtschaft nicht gleich zu behandeln, trifft seit der Abstimmung auf viel Zuspruch. Dazu äußerten sich bereits Verbände, wie die Familienbetriebe Land und Forst (FabLF), der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e. V. (AGDW – Die Waldeigentümer).

Die AGDW erklärt, Waldbesitzende warnen schon jetzt vor dem aus ihren Augen zu hohen Minderungsziel von 310 Mio. t CO2-Äquivalenten. Führen die Klimaziele zu Nutzungseinschränkungen, gefährde das die „Kohlenstoffpumpe Wald“. AGDW-Hauptgeschäftsführerin Dr. Irene Seling: „Die ehrgeizigen Klimaziele auf EU-Ebene sind richtig und wichtig, sie dürfen jedoch nicht auf Kosten des Waldes und der 16 Mio. europäischen Waldbesitzenden gehen.“

Klimaziele brauchen langfristige Kohlenstoffspeicher

Portrait von Denny Ohnesorge
Hauptgeschäftsführer des HDH, Dr. Denny Ohnesorge
Foto: A. Aschenbach

So äußerte sich auch Dr. Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Holzindustrie (HDH): „Der notwendige Ehrgeiz bei politischen Zielsetzungen für den Klimaschutz in Europa darf nicht dazu führen, dass für vitale, klimafreundliche Branchen die Lebensgrundlage entfällt. Realitätsferne EU-Vorgaben für den Wald als Klimasenke, wie sie das Europäische Parlament anstrebt, würden die deutsche Holzindustrie mit ihren wichtigen Klimaschutz-Erzeugnissen in ihrer Existenz gefährden. Dies muss in den weiteren Verhandlungen in Brüssel abgewendet werden. Denn nur bewirtschaftete Wälder bringen für den Erhalt unserer Lebensgrundlage die höchsten Klimaschutzleistungen. Nun kommt es darauf an, dass Ministerrat, Europaparlament und Europäische Kommission bei diesem und weiteren für den Wald wichtigen Dossiers Entscheidungen treffen, die dem Nutzen der Holzwirtschaft für den Klimaschutz gerecht werden.“

Nach den Abstimmungen folgen Verhandlungen mit dem Ministerrat und der Kommission. Damit sind die bisherigen Ergebnisse noch nicht endgültig beschlossen.

Quellen: AGDW, HDH, Grünen/EFA