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Ltd. Forstdirektor a.D. Wolfgang Fleder verstorben

Wenige Wochen nach seinem 90sten Geburtstag ist Wolfgang Fleder am 8. Mai 2018 verstorben.

Der gebürtige Unterfranke absolvierte sein Forststudium von 1948 bis 1952 an der Ludwig-Maximilians-Universität München unter schwierigsten Nachkriegsbedingungen, im Trümmerfeld einer vom Krieg gezeichneten Stadt. Als Forstreferendar des Prüfungsjahrgangs 1956 führte es ihn vom Forstamt Bamberg-West über die Forstämter Bad Brückenau, Eltmann und Bodenmais an das seinerzeitige Regierungsforstamt Augsburg. Ab 1. September 1957 war Wolfgang Fleder Forstassessor am Forstamt Gemünden und gleich darauf wurde er an die Oberforstdirektion Würzburg versetzt, wo er neun Jahre lang Sektionsführer in den Bereichen Wegenetzplanung, Waldbau und in der Forsteinrichtung war. Im Jahr 1968 wurde er zum Amtsvorstand am Forstamt Bamberg-Ost ernannt.

Bereits drei Jahre später ging es wieder zurück nach Unterfranken: Als Wolfgang Fleder zum 1. März 1971 an die Oberforstdirektion Würzburg als Waldbaureferent versetzt wurde, war der Weg für eine langfristige und kontinuierliche Arbeit im unterfränkischen Waldbau vorgezeichnet. 22 Jahre lang war Wolfgang Fleder „der Herr der Spessart-Eichen“ mit einem weit über die Grenzen Unterfrankens hinaus bekannten Waldbaustil, der sich oftmals sehr angenehm vom Zeitgeist abhob.

Als ich Wolfgang Fleder Ende der 70er Jahre kennen lernte, war der leidenschaftliche Waldbauer bereits eine Institution. Seine Markenzeichen waren Laubholzfreundlichkeit mit einer ausgeprägten Vorliebe für die Lichtbaumart Eiche, ihre markante Verjüngung und kontinuierliche Pflege. Aber auch die Bestandspflege im Halbschatten nicht nur bei der Buche, sondern auch bei Douglasie, eine ausgeprägte Liebe zu allen seltenen Gehölzarten von der Walnuss über Eibe und Speierling bis hin zu seltenen Straucharten gehörten zu seinem Repertoire.

Den älteren Kollegen sind seine legendären Forsteinrichtungs-Abnahmen in lebhafter Erinnerung – mit engagierten fachlichen Streitgesprächen in den Staatswäldern zwischen Spessart und Steigerwald. Er hielt ständig Kontakt mit der Wissenschaft in München und Göttingen. So konnte er auch konträren Diskussionen stets mit aktuellen Argumenten und eigenem Erfahrungshintergrund souverän begegnen. Dies belegen seine zahlreichen Veröffentlichungen in der Fachpresse, bei denen er kritisches wissenschaftliches Hinterfragen und Kämpfernatur miteinander zu verbinden wusste. Seine waldbaulichen Konzepte für Eiche und Douglasie stehen heute noch vielfach Pate für waldbauliche Behandlungsmodelle. Eine besondere Vorliebe hegte er für das Forstsaatgut, wobei es ihm nicht nur um die besonders hochwertige Spessarteiche und die Grabfeld-Kirsche, sondern ganz allgemein um die Redlichkeit und langfristige Qualitätssicherung beim Saatgut- und Pflanzenhandel ging. Als langjähriges Mitglied in der Deutschen Gütevereinigung für forstliches Pflanz- und Saatgut (DKV) hatte er einen weit über die Grenzen Unterfrankens hinausreichenden Weitblick in diesen Fragen.

Gerade im Klimawandel gelten Eiche und Douglasie als Baumarten der Zukunft und die von Wolfgang Fleder mit so großer Leidenschaft vorangebrachte Eichensaat erlebt derzeit – so hoffen wir – eine Renaissance. Der von ihm in Unterfranken geprägte Eichen- und Douglasienwaldbau trägt bis heute und noch über viele Generationen hinweg seine Handschrift. Die in seiner Dienstzeit an der Forstdirektion zwischen 1971 und 1993 angelegten großen Eichensaatflächen sind heute 25 bis 40 Jahre alt, ein jugendliches Alter für Eichen, die im Spessart noch 200 Jahre Lebenszeit vor sich haben.

Wir verlieren mit Wolfgang Fleder eine Leitfigur, die eine ganze Epoche geprägt hat. Seine beruflichen Weggefährten werden den Verstorbenen, seine menschliche Art und seine Lebensleistung in bester Erinnerung behalten und ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.

Dr. Ludwig Albrecht, AELF Uffenheim

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