Forstpolitik

Lokale Beteiligung stärkt Waldaufbau-Projekte

Der WWF und der Internationale Verband Forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO) untersuchen in einer Studie, welche Faktoren zum Erfolg von Waldaufbau-Projekten beitragen. Vor allem die lokale Einbindung gehört zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren.

Jährlich verschwinden über 11 Mio. ha Waldfläche auf der Welt – das ist in etwa die Fläche Bulgariens. Neben dem Schutz von Wäldern ist es deshalb wichtig bisherige Programme zur Wiederherstellung der Waldlandschaften (Forest Landscape Restoration, FLR) zu beschleunigen und auszuweiten. Eine Studie des WWF und des Internationalen Verbands Forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO) zeigt, wie dies gelingen kann.

Gemeinsam für den Wald

Lokale Einbindung, starke politische Signale und langfristige Finanzierung sind wesentliche Erfolgsfaktoren. „Die Studie bestätigt die WWF-Vision: Nur gemeinsam können wir den Wald schützen. Für einen dauerhaften Erfolg braucht es aber auch Gelder im großen Stil. Die notwendige Langzeitfinanzierung ist aktuell nicht gewährleistet – hier sollte auch Deutschland dringend nachbessern“, kommentiert Dr. Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland.

Langfristiger Nutzen von Aufbau-Projekten enorm

In ihrer Studie nehmen WWF und IUFRO zehn Fallbeispiele genauer unter die Lupe und arbeiten mögliche Hebel heraus. Als weitere Erfolgsfaktoren sieht die Untersuchung unter anderem eine sektorübergreifende Zusammenarbeit, ein umfassendes Monitoring sowie eine gerechte Kosten-Nutzen-Verteilung unter den Beteiligten. Der langfristige Nutzen von FLR-Projekten überwiegt dabei deutlich die Kosten, wie folgende Rechnung hervorhebt: Die Kosten einer Steigerung des kenianischen Baumbestands um zehn Prozent schätzt die Studie auf circa 442 Mio. US-Dollar. Dem stehen bei Untätigkeit Kosten in Höhe von circa 1,55 Mrd. US-Dollar gegenüber. Das Beispiel Costa Rica bekräftigt, dass ein Abschied von intensiver Landnutzung gepaart mit finanziellen Anreizen sogar das Wirtschaftssystem ankurbeln kann. Der Staat entlohnt seit Ende der 90er-Jahre Landbesitzende, die ihre Wälder wiederaufforsten oder bestehende Waldflächen für den Ökotourismus attraktiver machen. Auf diese Weise wuchs der Anteil an Waldflächen in Costa Rica von 40,5 % im Jahr 1986 auf aktuell 59 %. Die Biodiversität des Landes ist zudem mittlerweile einer der Haupttreiber des Wirtschaftswachstums.

Alarmierende Erkenntnis

„Ungeachtet der mutmachenden Beispiele bringt die Studie aber auch Alarmierendes zutage: Nicht einmal in allen zehn Vorzeige-Projekten ist es gelungen, den alten Wald ganzheitlich zu schützen. Ein breit gefasster Waldschutz-Ansatz ist aber entscheidend, wenn wir die Abwärtskurve bei den Waldflächen nach oben biegen wollen. Dieser beinhaltet etwa die Ausweitung von Schutzgebieten, nachhaltigere Anbaumethoden und entwaldungsfreie Lieferketten“, betont Dr. Susanne Winter. Für Letzteres setzt sich der WWF und über 100 weitere Organisationen aktuell mit der Initiative „Together4Forests“ ein. Die Aktion appelliert an die EU, mittels einer starken gesetzlichen Regelung Wälder und andere natürliche Ökosysteme zu schützen und wiederherzustellen. Rund eine Millionen Menschen unterstützen mit ihren Unterschriften bereits den Appell. Zusammenfassend unterstreicht die Studie, dass es nicht den einen Königsweg gibt. Was zählt ist der jeweilige Kontext. Die Untersuchung gibt Staaten und Projektleitenden eine Vielzahl an Impulsen an die Hand, wie sie FLR-Projekte erfolgreich ankurbeln und ausweiten können.

 

Hintergrund:

In der Studie wurden folgende Länder/Gebiete eingehender betrachtet: Äthiopien, Bhutan, Costa Rica, Espirito Santo State (Brasilien), Georgien, Große Grüne Mauer der Sahara und der Sahel Initiative, Kenia, Kolumbien, Madagaskar und Vietnam. Für die Untersuchung wurden die einzelnen FLR-Projekte in drei Phasen untereilt: 1. Motivation, 2. Umsetzung, 3. Erhalt.

Quelle: WWF