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Lohrer Forsttechniker holen Gold für Deutschland

Lohrer Forsttechniker holen Gold für Deutschland

Das „Team Germany“ gewann bei der Europameisterschaft der forstlichen Schulen in Estland. Mit zwei Goldmedaillen in der Gesamtwertung und im Forstparcours kehrte das Team der Bayerischen Technikerschule für Waldwirtschaft aus Lohr a. Main von den 14. Europameisterschaften der forstlichen Schulen zurück. Diese fanden Ende Mai in Luua, Estland statt. 
Mit Julian Schwender aus Gräfendorf hatte das Team der Forsttechnikerschule auch den herausragenden Wettkämpfer in seinen Reihen. Neben zwei Einzelwettbewerben gewann er souverän die Wertung bei den technischen Disziplinen.
Am Wettbewerb nahmen forstliche Schulen aus 17 Ländern Europas mit jeweils 4 Wettkämpfern im Alter zwischen 17 und 25 Jahren teil. Vertreten waren Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, Slowenien und Ungarn.
Das „Team Germany“ bildeten als Wettkämpfer Eric Kroll und Marco Oemkes aus Nordrhein-Westfalen, Maximilian Rapp aus Baden-Württemberg (Ersatzmann), Lukas Schultz aus Hessen und der Lokalmatador Julian Schwender aus Gräfendorf sowie der Fachlehrer Wolfgang Weis als Teamleiter. Die Forsttechniker Julian Bruhn und Jochen Grünberger fungierten in der Vorbereitung als Trainer und in Estland als Schiedsrichter. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit der Bayerischen Forstverwaltung, Peter Tretter, war erneut Mitglied der internationalen Head Jury, die einen fairen Wettkampf garantierte.
Der forstliche Wettkampf bestand aus einem technischen (fünf Motorsägendisziplinen analog den Waldarbeitsmeisterschaften) und einem fachpraktischen Teil, dem sogenannten Forstparcours. Am ersten Tag im Forstparcours waren 16 Aufgaben zu bewältigen. Dazu gehörten z.B. Alters- und Durchmesserbestimmungen an Bäumen, Volumen-, Vorrats- und Flächenermittlungen, Kenntnisse zu Bäumen, Wildtieren (u.a. der Braunbär), Holzarten und Schädlingen, aber auch der Umgang mit Erste-Hilfe-Situationen. Dabei waren die Wettkämpfer als gut zusammenarbeitendes und harmonisierendes Team gefordert. Mit nur einfachsten Hilfsmitteln ausgestattet, wie einem 1 m langen Relaskopstab, Schreibpapier und Bleistift, mussten die Aufgaben gelöst werden. Der Wettkampf fand in Moorgebieten und Auenwäldern statt. Als anspruchsvolle Transferaufgabe ist das erworbene Fachwissen unter unbekannten örtlichen Gegebenheiten anzuwenden, was ein hohes Einfühlungsvermögen verlangt. In diesem sumpfigen Gelände ist zudem eine absolute körperliche Fitness mitentscheidend gewesen, da der Forstparcours in einem vorgegebenen Zeitrahmen zu absolvieren. Die angehenden Forsttechniker zeigten hier unter schwierigsten Bedingungen ihr Können und setzten sich mit deutlichem Vorsprung vor Litauen durch. Die heimische Mannschaft aus Estland belegte den dritten Platz.
Auch in den Motorsägendisziplinen (Kettenwechsel, Kombinations- und Präzisionsschnitt, Fällung und Entasten) an den beiden nächsten Wettkampftagen lief es für das „Team Germany“ mit Platz drei und besonders für Julian Schwender prächtig. In der Einzelwertung dominierte er die technischen Disziplinen. Er siegte bei der punktgenauen Fällung von ca. 30 m hohen Fichten ebenso wie beim Kombinationsschnitt, wo zwei weitere Forsttechniker unter den ersten zehn landeten.
In der Gesamtwertung des Wettkampfes verwiesen die Lohrer Forsttechniker die ausrichtende Luua Metsanduskool aus Estland und die Fachschule Fürstenburg der Lohrer Partnerstadt Burgeis, Südtirol, auf die Plätze zwei und drei.
Vertiefung forstlicher Kontakte zu anderen europäischen Bildungsstätten
Alle Teilnehmer und Schiedsrichter waren von der hervorragenden Organisation und Gastfreundschaft der Estländer beeindruckt. Für die technischen Wettbewerbe hatten sie eine vierspurige Hauptstraße in Tartu, der zweitgrößten Stadt des Landes, gesperrt. Besucher aus der gesamten Region kamen zu dem Event. Neben politischer Prominenz waren eine Vielzahl weiterer hochrangiger Ehrengäste sowohl bei den Wettkämpfen als auch bei den Abendveranstaltungen anwesend.
Dem Lohrer Team bleibt v. a. das Kennenlernen vieler Teilnehmer anderer Nationen dauerhaft in Erinnerung. Die begleitenden Lehrkräfte und Schiedsrichter schätzen die Vertiefung forstlicher Kontakte zu anderen europäischen Bildungsstätten. Auf dieser Grundlage lässt sich in den nächsten Jahren der ein oder andere Studierendenaustausch durchführen.
„Seit 2004 nimmt jedes Jahr eine Lohrer Mannschaft an den Meisterschaften teil, allerdings noch nie so erfolgreich wie 2015. Das erzielte Ergebnis unterstreicht die hohe Qualität der forstlichen Ausbildung an der Bayerischen Technikerschule“, so der Kommentar des höchst zufriedenen Schulleiters Robert Staufer. Unterstützt wurde das deutsche Team in diesem Jahr mit Motorsägen, Material sowie Kleidung der Firmen Stihl, Husqvarna, BayWa und 3M. Die Stadt Lohr stellte Bäume zum Trainieren zur Verfügung.
Im nächsten Jahr findet die Europameisterschaft der forstlichen Schulen in den Niederlanden statt.
Bayerische Forstschule/Technikerschule für Waldwirtschaft

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