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Eine ganz normale Farbdose? Nicht ganz, denn per Daumen wird über den Druckknopf die Geoposition des Baumes erfasst

LogBuch

Die Firma Stihl finanziert mit LogBuch ein Start-up, das sich mit der Digitalisierung der Auszeichnung im Forst beschäftigt. Grundidee ist eine cloudbasierte Software, die neben den GPS-Koordinaten des ausgezeichneten Baumes auch Sprachnachrichten vom Smartphone in das GIS-System des Forstbetriebes integrieren kann.

Das ist genau das, was wir brauchen.“ So fasst Friedrich Hollmeier die Kommentare vieler Besucher auf den DLG-Waldtagen in Brilon und den KWF-Thementagen in Paaren im Glien zusammen. Auf beiden Messen stellte der Mann, der eigentlich Produktmanager für Profisägen bei der Firma Stihl ist, das Start-up-Unternehmen LogBuch aus Stuttgart vor. Sein Arbeitgeber finanziert dieses nicht nur, sondern hat ihn zusammen mit seinem Kollegen Benjamin Frey auch dafür freigestellt. Dritter im Bunde ist der Betriebswirtschaftler Marius Biedermann. Wie man bei einem von Stihl unterstützten Projekt erwarten kann, passt das Produkt bzw. die Dienstleistung von LogBuch in das Umfeld der motormanuellen Holzernte. Mit der angebotenen Hard- und Software können Revierleiter beim Auszeichnen im Wald nicht nur die GPS-Position des ausgezeichneten Baumes erfassen, sondern auch besondere Hinweise für Forstwirte – und auch für Forstmaschinenfahrer.

Erfassung der Geodaten

Ausgerüstet sind die Förster dafür mit einer Farbspraydose, mit der Gassenbäume, zu entnehmende Stämme oder auch Z-Bäume ganz normal markiert werden. Doch die Dose kann mehr, denn am Griff der Halterung befindet sich ein Druckkopf, mit dem zusätzlich die Erfassung der Geokoordinaten des Baumes ausgelöst wird. Der Förster drückt auf den Taster, der über Bluetooth den GNSS-Sensor aktiviert. Der Empfänger der Wahl ist bei LogBuch der GNSS-Sensor 10xx der Firma PPM. Er ist mit 130 g und den Maßen 110 × 30 × 50 mm für den mobilen Einsatz ausreichend handlich und leicht. Außerdem kann er alle Satellitensysteme wie GPS, Glonass, Galileo und Compass verarbeiten und erreicht bei der Positionsermittlung eine Genauigkeit von unter 1 m. Mit einem Stecksystem an der Unterseite eines Android-Smartphones befestigt, verstärkt dieser GNSS-Sensor den meist wenig präzisen Empfänger des Telefons, das über den USB-Anschluss mit ihm verbunden ist. Das Doppelpack trägt der Förster in der Jackenasche oder in einem Rucksack bei sich. Auch wenn man den beim Auszeichnen ausgestreckten Arm hinzu rechnet, weicht die Geoposition nach Auskunft von Hollmeier kaum mehr als ± 2 m von der Realität ab. Selbst an schwierigen Standorten mit schlechtem Empfang soll die Abweichung maximal 5 m betragen.

Passt in die Jackentasche oder in den Rucksack: das Doppelpack aus GNSS-Sensor und Samsung- Smartphone, auf das Informationen über jeden einzelnen Baum aufgesprochen werden können Foto: O. Gabriel

Sprachnachrichten

Die Ermittlung der Geodaten ist aber nur eine Funktion des LogBuch-Systems. Über ein Headset-Mikrofon kann der Förster zu jedem ausgezeichneten Baum weitere Informationen auf das Smartphone sprechen: zum Beispiel um welche Baumart es sich handelt, ob der Baum faul ist oder ob für die Fällung bestimme Werkzeuge nötig sind. Wenn er eine Kluppe dabei hat, kann er überdies den Brusthöhendurchmesser ergänzen. Die im Smartphone gespeicherten Daten überträgt der Förster später im Büro per WLAN in das webbasierte LogBuch-System, das die Informationen den einzelnen Geopunkten zuordnet und auf einer Open-Source-Karte darstellt. Die frei aufgesprochenen Nachrichten werden dabei in Text umgewandelt. In der Folge können die Daten als .gpx- oder .shp-Datei in das Geografische Informationssystem (GIS) des Forstbetriebes überführt werden. Bei den gängigen GI-Systemen ist das bereits erprobt. Genauso ist es denkbar, die Karte mit der Liste der ausgezeichneten Bäume und allen Infos an den Arbeitsauftrag anzuhängen. Wie Hollmeier erklärt, würde das die Qualität der Arbeitsaufträge deutlich verbessern. Die Karte würde ganz besonders dabei helfen, die Bäume im Gelände schneller zu finden. Praktisch ist das zum Beispiel bei Käferbäumen, die meist in kleinen Mengen nur verstreut anfallen, oder wenn die Verjüngung die Sicht im Wald behindert. Für die Zukunft denkt Hollmeier daran, auch eine Navigation in das System zu integrieren. Weil die Förster auch die Rückegassen markieren, liegen die notwendigen Informationen dafür bereits vor.

LogBuch wird im Dezember als Firma gegründet. Bis dahin wird auch das Preissystem für die Nutzung der LogBuch-Dienste feststehen. Die gestaffelten Nutzungsgebühren werden nach Vorstellung von Hollmeier für das Gesamtpaket bei 250 € pro Monat liegen. Das umfasst die Leasinggebühr für die Hardware inklusive Smartphone, GNSS-Sensor und Bluetooth-Headset sowie die Nutzung der Software, die aus einer Online-App und einer Mobil-App für das Smartphone besteht.

Entwickelt wird LogBuch von der Pioniergeist GmbH in Stuttgart, die das Start-up in ihrem Programm Activatr zusammen mit der Firma Stihl begleitet.

Oliver Gabriel

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