Naturschutz, Landschaftspflege

Klimawald schlägt Wurzeln in Ehreshoven

Bearbeitet von Rainer Soppa

Zum Projektstart in Deutschland wurde in Ehreshoven bei Köln am 28. Mai 2021 der erste „Life Terra Klimawald” samt einer Informationstafel eingeweiht.

Oberforstdirektor a.D. Wulf Böhmcker (Waldgesellschaft der Riedesel Freiherren zu Eisenbach) vermittelte die Kooperation zwischen Life Terra und dem Stift Ehreshoven als erstem deutschen Projektpartner. Bei der Veranstaltung betonte der 92-Jährige: „Der Klimawandel wird weitergehen. Er wird nicht nur Wald, Land und unser Leben verändern, sondern unser aller Kraft und Einsicht fordern, für ein gutes Leben kommender Generationen.“

Die Stiftung Life Terra hat sich zum Ziel gesetzt, europaweit Bäume zu pflanzen und Wälder zu klimaresistenten Mischbeständen aufzuforsten. Dadurch sollen die Folgen des Klimawandels gemildert und zugleich die Nähe der Menschen zur Natur gefördert werden. Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich in möglichst großer Zahl an Pflanzaktionen zu beteiligen. Zentral ist die Idee des gemeinsamen Handels auf europäischer Ebene, sowohl nationen- als auch generationenübergreifend.

Als Gründer der Life-Terra-Stiftung betont Sven Kallen: „Unser Wunsch ist, dass das, was wir jetzt pflanzen, auch in einigen Jahrzehnten noch gedeiht und zur nachhaltigen Biodiversität beiträgt. Wir sind sehr dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen des Stiftes Ehreshoven, um zusammen innovative Projekte zu entwickeln und für die Zukunft aufzuforsten.“

Das Stift Ehreshoven stellt für dieses Projekt insgesamt etwa 25 ha seines forstwirtschaftlichen Betriebes zur Verfügung. 5 ha davon dienen als Versuchsfläche, um zukunftsfähige Baumarten südeuropäischer Provenienz zu testen.

Jörg Deselaers, Kurator des Stiftes Ehreshoven: „Wir unterstützen die Idee, hier vor Ort mit Pflanzen spanischer Herkunft aufzuforsten, die in einem Klima von „morgen“ entstanden sind. Sie können sich den zu erwartenden Klimaveränderungen in Deutschland hoffentlich gut anpassen. Außerdem motiviert uns der Gedanke, mithilfe der europäischen Bevölkerung 500 Mio. Baumsetzlinge – symbolisch einen pro Kopf – zu pflanzen, um länderübergreifend weiter zusammenzuwachsen und dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen.“

Hintergrund – Zustand des Waldes in Deutschland

Der besorgniserregende Zustand der deutschen Wälder – wie nicht zuletzt in der „Waldzustandserhebung 2020” des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft dargelegt – macht einen dringenden Handlungsbedarf deutlich. Man ist sich weitestgehend einig, dass deutsche Wälder diverser werden müssen, um zukunftsfähig zu bleiben. Einige Forstexperten befürworten, gebietsfremde Baumarten oder bereits heimische Arten aus anderen Herkunftsregionen zu testen. Diese Idee liegt dem Life Terra Klimawald zugrunde. Das Projekt dient somit dazu, Erkenntnisse bezüglich waldbaulicher Gestaltungspozentiale und Klimatoleranz zu gewinnen.

Pflanzung und Monitoring

Zum Ehreshovener Klimawald-Projekt gehören, zum einen, die auf 5 ha gepflanzten rund 19.000 Setzlinge spanischer Provenienz. Sie wurden von der Baumschule Viveros Fuenteamarga, S.L. geliefert. Zum anderen gibt es eine Referenzfläche mit Setzlingen aus deutschem Bestand der Heinsberger Forstbaumschulen M. Balzer-Sellmann. Die Bäume werden in den kommenden Jahren genau beobachtet, vermessen, fotografiert und ihr Wachstum dokumentiert. Die Non-Profit-Organisation One Tree Planted hat die Setzlinge mitfinanziert und damit das Projekt in Ehreshoven ermöglicht.

Folgenden Kriterien wurden im Auswahlprozess mitunter berücksichtigt:

  • Bodenbeschaffenheit und Orographie
  • Frühere und erwartete künftige Klimabedingungen (Niederschlags- und Temperatur-Durchschnitte und -extreme)
  • Vorhandene Baumarten in der Region / lokale waldbauliche Strukturen
  • Biodiversität
  • Klimaresistente Bäume, die bereits in Deutschland vorhanden sind und in meist kleineren Projekten getestet werden

Interesse des Landbesitzers (Biodiversität und Holzpozential)

Als akademische Partner von Life Terra überprüften die Universitäten von Barcelona und Wageningen mit Fachleuten für Waldökologie potenziell geeignete Baumarten. Beratungen wurden außerdem mit der örtlichen und der spanischen Baumschule geführt. Die Expertise des Regionalforstamt wurde eingeholt, sodass die endgültige Entscheidung beim Forstbesitzer lag. Folgende 16 Baumarten wachsen im Klimawald:

Feldahorn, Rosskastanie, Hänge-Birke, Hainbuche, Esskastanie, Atlas-Zeder, Libanon-Zeder, Haselnuss, Sichel-Tanne / Japanische Zeder, Stein-Eiche, Pyrenäen-Eiche, Stiel-Eiche, Rot-Eiche, Riesenmammutbaum, Küstenmammutbaum, Winter- oder Stein-Linde.

Die gepflanzte Bäume werden geolokalisiert, um Nachvollziehbarkeit und Transparenz zu ermöglichen. Auf der Web-App kann man bereits gepflanzte Bäumchen gegen eine Spende „adoptieren“ bzw. eine Baumpatenschaft verschenken. Der Standort und die Entwicklung der Baumbestände können langfristig begleitet werden.

Zukunft von Life Terra in Deutschland

Sabine Lieb, Life Terra Projektleiterin Deutschland: „Wir haben bereits Anfragen von verschiedenen deutschen Landbesitzenden, die am Konzept Klimawald interessiert sind und die Replikation auf Ihren Flächen prüfen. Für Life Terra ist es wichtig, die lokale Bevölkerung – inkl. Schulklassen – an Pflanzungen teilnehmen zu lassen, sobald dies COVID-bedingt möglich ist.

Quelle: Life Terra