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„Warmup“ in Eberswalde

Auftakt zum 125-jährigen Jubiläum der Gründung des Internationalen Verbandes Forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO)

Die IUFRO (International Union of Forest Research Organizations) ist eine der ältesten internationalen wissenschaftlichen Organisationen der Welt. Sie wurde im September 1892 in Eberswalde von den forstwirtschaftlichen Forschungseinrichtungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gegründet. Bereits damals war man der Überzeugung, dass wissenschaftliche Forschung eine internationale Tätigkeit sein müsse. Das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) und das Thünen-Institut in Eberswalde sind als Nachfolgeeinrichtungen bis heute Mitglied der IUFRO.

Auftakt in Eberswalde zur Jubiläumsveranstaltung in Freiburg

Die Forstlichen Forschungseinrichtungen in Eberswalde (Thünen-Institut, Landeskompetenzzentrum Forst Eberswade und Hochschule für nachhaltige Entwicklung) begrüßten am 15. September 2017 eine erlesene Gästeschar von vier Kontinenten und langjährige IUFRO-Akteure und Wegbegleiter, darunter Prof. em. Walter Liese aus Hamburg (IUFRO-Präsident von 1977 bis 1981 und lange Zeit Vertreter Deutschlands im International Council), den jetzigen Präsidenten Michael Wingfield aus Pretoria und FVA-Chef Konstantin von Teuffel, dem Gastgeber des internationalen Kongresses zum 125-jährigen Jubiläum in Freiburg i. Br.

„Die heutige Veranstaltung soll ein Appetizer für die anstehende Konferenz sein“, so Andreas Bolte, Direktor des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde zur Begrüßung. Er ging auf den vorausschauenden Impuls ein, der 1892 von den Forschungsanstalten aus Preußen, der Schweiz und Österreich für die Internationalisierung der Forstwissenschaft ausging. So unternahm dann Peter Spathelf, Dekan des Fachbereichs Wald und Umwelt an der HNEE, mit den Gästen eine Zeitreise durch die Eberswalder Forstliche Forschung und Lehre.

Michael Wingfield, erstmals zu Gast am Gründungsort, zeigte sich beeindruckt und spannte den Bogen zur heutigen IUFRO mit über 15.000 freiwillig organisierten Wissenschaftlern in mehr als 120 Ländern und mit einem thematischen Spektrum der Aktivitäten in mehr als 250 wissenschaftlichen Einheiten.

Bericht eines Zeitzeugen

Den längsten direkten Kontakt zur IUFRO wird Walter Liese haben, der 1926 als Eberswalder Professoren-Sohn geboren wurde und selbst die wissenschaftliche Laufbahn einschlug. So überraschte er den jetzigen IUFRO-Präsidenten mit originalen Gründungsdokumenten von 1892 und berichtete ebenfalls mit historischen Dokumenten vor der Alten Forstakademie am Denkmal von IUFRO-Gründer Bernhard Danckelmann, dass diese Bronze bereits 1943 für die Rüstungsproduktion eingeschmolzen werden sollte. Couragierten Forstwissenschaftlern war es damals gelungen, das kriegstreiberische Regime davon abzubringen.

Doch die Verwicklungen um Danckelmann hörten auch nach Kriegsende nicht auf. Als das Denkmal den neuen Machthabern in der DDR nach vielen Jahren nicht mehr ins Konzept passte, musste er erneut weichen und wurde lange Zeit in den Forstbotanischen Garten verbannt, bevor er zur 100-Jahr-Feier der IUFRO wieder an seinen Platz kam. Davon hätte hautnah der Organisator diese Jubiläums, Prof. em. Hans-Friedrich Joachim (Jahrgang 1925), berichten können. Leider konnte er aus Altersgründen jetzt nicht dabei sein.

Dr. Jan Engel (LFE)

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