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Leitfaden für ökologisches Trassenmanagement

Der Ausbau des deutschen Stromnetzes ist in aller Munde. Über bestehende Trassen wird hingegen wenig diskutiert. Dabei prägt allein das Hoch- und Höchstspannungsnetz mit rund 62.000 km Gesamtlänge einen bedeutenden Teil der Landschaft. Wie Insekten, Vögel und Reptilien vom Lebensraum unter Stromnetzen profitieren können, zeigt ein am 30. Oktober vorgestellter Praxis-Leitfaden „Ökologisches Trassenmanagement“ der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe.

Laut Gesetz müssen hochwachsende Bäume, Hecken und Sträucher unter Freileitungen beseitigt werden, sobald sie die Stromversorgung gefährden könnten. Bislang findet der Naturschutz bei dieser vorgeschriebenen Trassenfreihaltung wenig Beachtung, etwa wenn Gehölze per Kahlschlag entfernt werden und so für viele im Wald lebende Arten plötzlich der Lebensraum fehlt. Hier bietet der Leitfaden anschauliche Beispiele, wie durch ein „Ökologisches Trassenmanagement“ dieser vorgeschriebene Freiraum naturschonender gestaltet werden kann. Das Vorhaben wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

„Stromtrassen werden bislang häufig nur als technische Bauwerke begriffen. Dabei können sie im Zusammenwirken von Netzbetreibern und Eigentümern zu wertvollen Lebensräumen für gefährdete Arten und Biotope entwickelt werden,“ so Christian Unselt, Vizepräsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und Vorsitzender der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Denn im Gegensatz zu den Leitungen selbst sind die Flächen, die von Leitungen gequert werden, in der Regel nicht Eigentum eines Netzbetreibers oder Energieversorgers.

Durch eine dauerhaft extensive Trassenfreihaltung können sich Lebensräume entwickeln, die in der intensiv genutzten Landschaft rar geworden sind – beispielsweise Zwergstrauchheiden oder stufig aufgebaute Waldränder. In ihnen finden seltene Insektenarten, Reptilien und Vögel Lebens- bzw. Rückzugsräume.

Erkenntnisse aus dem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

Als Eigentümerin von über 20.000 ha Naturschutzfläche untersucht die NABU-Stiftung seit Anfang 2017 im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens, welchen Einfluss Grundstückseigentümer zugunsten einer naturschonenden Trassenfreihaltung nehmen können. Der Praxis-Leitfaden macht diese Erkenntnisse nun nutzbar.

„Wir hoffen, dass diese Beispiele andere Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Netzbetreiber und Naturschutzbehörden ermutigt, mehr für den Naturschutz zu tun. Bei Waldflächen unter Stromleitungen, die im Besitz der öffentlichen Hand sind, sollte sich ein ökologisches Trassenmanagement als Standardbewirtschaftung etablieren“, so Unselt. Einzelne Stromnetzbetreiber haben ein Trassenmanagement, das Naturschutzbelange berücksichtigt, bereits zum festen Bestandteil ihrer Unternehmensphilosophie erklärt und setzen dieses erfolgreich in der Praxis um.

Der Fokus des neuen Leitfadens liegt auf bestehenden Freileitungen. Zahlreiche Bestandteile des Leitfadens sind aber auch für die Umsetzung eines ökologischen Managements bei Neubauvorhaben nutzbar.

Weiterführende Informationen unter www.stromtrassen.naturerbe.de

Download (PDF 4,3 MB): NABU Praxis-Leitfaden Trassenmanagement

NABU/Red.

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