Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
Die Seitenstreifungen und Böschungen entlang von Forststraßen sind für viele Tier- und Pflanzenarten wichtig

Auch Forststraßen sind ein Lebenraum

Forststraße sind ein zweischneidiges Thema. Einerseits sind sie unabdingbar, wenn man in den Wälder im Zuge der geregelten Forstwirtschaft nachaltig Holz ernten will. Sie erleichtern die Holzernte auf kleineren Flächen, die Aufforstung und Schadholzaufarbeitung. Die Menschen nutzen sie in der Freizeit außerdem  gerne zum Wandern, Reiten oder Mountainbiken.

Große Skepsis bei Neubauten

Gleichzeitig sind Forststraßen wenig beliebt. Das mag daher rühren, dass man sie weltweit gesehen mit dem Raubbau in den letzten verbliebenen Urwälder verbindet. Erst schlagen die Holzkonzerne die Straße in den unberührten Wald, dann fällen sie rücksichtslos die wertvollen Bäume.

Bei uns gehen Naturschützer regelmäßig gegen Neubauten vor. Und sind sie einmal da, dann regen sich auch wieder alle auf, wenn der Holzttransport im Winter tiefe Fahrspuren hinterlässt und die Wanderer behindert. Nach den Waldschäden der letzten zwei Jahre war das natürlich stärker als in Normaljahren der Fall. Schließlich mussten die Käferholzmassen rasch aus dem Wald geschafft werden.

Lebensraum Forststraße

Doch Waldwege haben noch mehr positive Eigenschaften, als oben schon aufgezählt. Das zeigt eine aktuelle Studie der Österreichische Bundesforsten (ÖBf). Sie untersuchte die Fauna und Flora entlang von bereits länger bestehenden Forststraßen im Wirtschaftswald. Sie zeigte, dass an Wegrändern und Böschungen ein perfekt eingespieltes Ökosystem besteht. Viele gefährdete Insektenarten finden an den Böschungen mehr Licht und Wärme als im angrenzenden Wald. Amphibienarten nutzen kleine Pfützen in den Seitengräben. 172 verschiedene Tierarten, von denen 48 auf der Roten Liste stehen, sowie 70 teils regional gefährdete bzw. geschützte Pflanzenarten haben die ÖBf in ihrer Studie dokumentiert.

Bei entsprechender Gestaltung und Pflege sind die Randbereiche entlang von Forststraßen also auch ein wertvoller Lebensraum.

Wer ein wenig Geduld hat, trifft man auf ihnen übrigens auch seltenere Gattungen der Menschheit an: Waldarbeiter, Forstununternehmer oder Holzfahrer.

Oliver Gabriel

Auch interessant

von