Holzernte

Ein Laufwagen für die Rostocker Heide

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Das Stadtforstamt Roststock und die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde haben auf Nassflächen an der Ostseeküste einen Kurzstreckenseilkran bei der Holzernte erprobt. Im Zuge der Versuchseinsätze ist sogar ein neuer Laufwagen mit elektrischem Seilausstoß entstanden.

Da eine bodengebundene Holzernte mit Harvester, Forwarder oder Seilschlepper im Rostocker Wald auf Nassflächen ausscheidet, bleibt  als Option für die Holzbringung meist nur der Seilkran. Es gibt zwar bereits Seilkräne für die Rückung im ebenen Gelände, man denke da nur an die alpenländischen Hersteller solcher Maschinen, doch sie sind sehr groß und deutlich teurer als der Preisrahmen, der den Wissenschaftlern um Professor Michael Mussong von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde und dem Forstamt Rostock vorschwebte. Ein Kurzstreckenseilkran mit einer Tragseillänge von etwas über 150 m würde reichen, wenn man die Nutzlast auf rund 1 t pro Fahrt begrenzen könnte. Im Projekt fiel die Wahl  auf den KSK-3 der Firma Ritter Maschinenbau.

Erste Versuchseinsätze zeigten aber rasch die Schwachpunkte des Verfahrens: Zum einen entpuppte sich das Ausziehen des Seiles für den Anhängemann als unzumutbare Schwerstarbeit. Zum anderen war der Laufwagen verrutschte der Laufwagen beim Beiziehen oft auf dem Tragseil.

Ein neuer Laufwagen sollte her, und zwei Mann sollten ihn leicht tragen können. Die am Markt erhältlichen Geräte mit Tragseilklemmung sind mit Eigengewichten ab 300 kg viel zu schwer. Gemeinsam mit einer örtlichen Landmaschinenschlosserei gelang es aber, einen einsatztauglichen Laufwagen zu bauen, der den Anforderungen entspricht. Das Gerät wiegt zur Zeit rund 90 kg. Die Tragseilklemmung erfolgt hydraulisch, die Energie dazu liefert die Bewegung des Laufwagens am Tragseil.

Eine weitere Besonderheit: Das Zugseil wird elektrisch ausgestoßen. Damit steigt die Trassenlänge bei zumutbarer Belastung für die Bediener von 80 m auf rund 150 m bei einer Breite von zweimal 30 m oder auch mehr.

Damit kann gegenüber dem alten Laufwagen der doppelte Einzugsbereich für eine Trasse realisiert werden. Der Holzanfall pro Trasse steigt dadurch und die Kosten sinken, weil die Rüstzeiten auf eine größere Holzmenge verteilt werden können.

Die Rechte für den Prototypen, der auf den Namen „SLW Flying Horse“ hört, hat inzwischen Maik Schmidt aus Kloster Wulfshagen übernommen. Er leitet das Unternehmen Baumpflege Wurzelwerk und kann sich vorstellen, in Zukunft mit dem Seilkran auch Holzernteaufträge im Stadtforstamt Rostock zu übernehmen.

Die Entwickler bezeichnen ihr „Rostocker Verfahren“ eine Holzerntemethode in der Ebene, die bei Rückeentfernungen von mehr als 100 m Kurzholz und Stammholzabschnitte aus motormanueller Fällung – gegebenenfalls auf Rauhbeugen vorkonzentriert – zu einer Rückegasse oder einem Waldfahrweg seilt.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Forst & Technik 6/2021 – oder in unserer neuen digitalen Ausgabe.

Anton Friedrich