Europäische Laubholzsäger sehen ihre größten Herausforderungen im Rohstoffmangel, vor allem induziert durch Rundholzexport, dem Fachkräftemangel und den steigenden Energiekosten.
Europäische Laubholzsäger sehen ihre größten Herausforderungen im Rohstoffmangel, vor allem induziert durch Rundholzexport, dem Fachkräftemangel und den steigenden Energiekosten.
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Laubholzkonferenz: Rohstoffsorgen, Krieg und Energie

16. November 2022
Am 28. Oktober fand in Lyon die ICH, die Internationale Laubholzkonferenz, statt. Sie wurde organisiert vom französischen Sägewerksverband FNB dem Europäischen Sägewerksverband (EOS) und der Europäischen Holzhandelsverband (ETTF).

Rund 100 Branchenteilnehmer kamen zusammen, , um Markttrends zu diskutieren. Der Schwerpunkt dabei lag auf der Verknappung des Rohstoffs Laubrundholz, deren Ursachen die Teilnehmer vor allem im Export nach China und dem Krieg in der Ukraine sehen. Dazu kommen die Auswirkungen der explodierenden Energiekosten für die Laubholzindustrie.

Maria Kiefer-Polz, Präsidentin der Sektion Laubholz im EOS, erwartet nach einem zweistelligen Anstieg im Jahr 2021 in diesem Jahr einen Produktionsrückgang von mindestens 3 %. Nach einem guten Jahr 2021 und erstem Halbjahr 2022 ließen die Nachfrage und die Produktion demnach in den letzten Monaten nach. Sie wurden damit an rückläufige Umsätze angepasst, sowohl auf den europäischen als auch auf den Überseemärkten.

Säger wollen Rundholzexport beschränken

Hohe Energiepreise machen insbesondere im energieintensiveren Buchensektor zu schaffen. Gebremst durch die hohe Inflation und steigende Hypothekenzinsen lässt die Verbrauchernachfrage nach. Die Lagerbestände in den Sägewerken sind hoch und viele Produzenten rechnen mit schwierigen Monaten. Arbeitskräftemangel verschärft die Lage in vielen EOS-Mitgliedsländern, ebenso wie der zunehmende Export von Eichenrundholz nach Asien und China.

Laut David Chavot, Geschäftsführer von Margaritelli Fountains werden 30 % der in Frankreich geernteten Eichen nach Asien exportiert, hauptsächlich nach China. Er fordert Gegenmaßnahmen gegen dieses Abfließen des Rohstoffs ohne Wertschöpfung in Frankreich. Als Folge seien die Eichensägewerke nur zu 80 % ausgelastet.

Schnittholzimport steigt

Der Import von Laubschnittholz aus gemäßigten Breiten in die EU27+UK ist laut ETTF-Laubholzpräsident Ad Wesselink in den ersten fünf Monaten 2022 dagegen im Vorjahresvergleich um 15 % gestiegen, vor allem Buche und Eiche. Auch Tropenholz werden mehr importiert. Aufgrund der kompletten Einstellung der Sägeaktivitäten in Russland und Belarus fehlen auf den europäischen Märkten 22.000 t Eiche. Hinzu kommen eine besorgniserregend hohe Inflation und erhöhte Logistikkosten, die den Holzhändlern das Leben schwer machen.

Zusammen mit Maria Kiefer-Polz äußerte Wesselink die Hoffnung, dass eine verstärkte Holzverwendung die erwartete Abschwächung des Baumarkts ausgleichen könnte.

Wir amerikanisches Holz verdrängt?

Michael Snow, der den Markt aus nordamerikanischer Perspektive beleuchtete, berichtete von einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China, wobei ein rapide rückläufiger Wohnungsmarkt direkte Auswirkungen auch auf den Verkauf von Möbeln habe. Die neue Verordnung über entwaldungsfreie Produkte, die derzeit auf EU-Ebene diskutiert wird, werde amerikanisches Laubholz aufgrund der damit verbundenen Kostenauswirkungen von den EU-Märkten verdrängen wird. Dies sei beispielsweise mit der Geolokalisierungsanforderung verbunden, die hohe Kosten verursache.

Parkett- und Möbelmarkt

Der europäische Parkettmarkt florierte 2021 mit einem Wachstum von 6,2 % gegenüber dem Vorjahr. Seit 2022 schrumpft er wieder aufgrund eines sinkenden Verbrauchervertrauens, hoher Energiepreise und Mangel an erschwinglichem Eichen- und Birkenholz sowie Sperrholz - hauptsächlich aus Russland. Die EU-Parketthersteller fordern zusammen mit anderen Verbänden von der EU nachdrücklich ein Instrument zur Begrenzung des Exports von Eichenrundholz nach außerhalb der EU. Aufgrund des Mangels an Eichen- und Birkensperrholz sucht die Parkettindustrie nach neuen nachhaltigen Ersatzprodukten.

Der europäische Möbelsektor teilt die Herausforderungen der Parkettindustrie und erwartet eine weitere Marktabschwächung im Jahr 2023 mit erhöhten Herausforderungen für die Beschaffung von Rohstoffen und voraussichtlich steigenden Preisen.

Forschung nach neuen Produkten nötig

Fazit der Laubholzkonferenz war, dass die Laubholzindustrie von dem positiven Umweltwert von Holzprodukten profitieren könne, der zunehmend von europäischen Politikern und Verbrauchern gleichermaßen anerkannt werde. Gleichzeitig müsse der Sektor neue Märkte und Möglichkeiten finden: Einige Laubholzarten werden zu wenig genutzt, und die Wälder werden potenziell mehr Arten liefern, die derzeit eher geringgeschätzt werden. In diesem Sinne werden Forschung und Entwicklung von Standards für neue Anwendungen von Laubholzprodukten in den kommenden Jahren für den Sektor von entscheidender Bedeutung sein.

Die nächste internationale Laubholzkonferenz findet 2024 in Wien, Österreich, statt.

Quelle: EOS