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Mithilfe einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe wollen BN und BDF die naturnahe Waldwirtschaft und den Waldnaturschutz in Bayern stärken.

Landesweite Veranstaltungsreihe des BN und BDF

Im Rahmen eines Waldbegangs werben die Landesvorsitzenden des BUND Naturschutz in Bayern (BN), Richard Mergner, und des Bundes Deutscher Forstleute (BDF), Bernd Lauterbach, dafür, die naturnahe Waldwirtschaft und den Waldnaturschutz zu stärken. Beide Verbände wollen durch eine gemeinsame Veranstaltungsreihe den Wald in seinen verschiedenen Facetten mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Politik rücken.

In den Jahren 2019 und 2020 soll in jedem Landkreis mindestens eine Veranstaltung zu dem Themenkreis stattfinden. „Wir wollen im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe den Dialog zwischen Forstleuten, Naturschützern, Gesellschaft und Politik anstoßen und vertiefen“, so Mergner und Lauterbach. „Für uns Förster ist es wichtig, dass wir aus der Gesellschaft Akzeptanz für unsere Arbeit bekommen“, sagte Lauterbach. „Der BN engagiert sich seit seiner Gründung für die naturnahe Bewirtschaftung und für den Schutz der Wälder in Bayern“, ergänzte Richard Mergner. „Die Herausforderungen wie Klimawandel und Schutz der Artenvielfalt sind nur zu stemmen, wenn der Freistaat genügend personelle und finanzielle Ressourcen bereitstellt: bei den Bayerischen Staatsforsten sowie in der Forst- und Umweltverwaltung für den Umgang mit den Staatswäldern und für die Beratung und Förderung der anderen Waldbesitzer“, so die gemeinsame Erklärung von BN und BDF. Als Auftakt für die landesweite Veranstaltungsreihe fand ein Waldbegang im Forstbetrieb Coburg im Revier Hassenberg statt, das Bernd Lauterbach als Revierförster betreut.

Wälder in Bayern vor großen Herausforderungen

Aus Sicht des BN und des BDF stehen die Wälder in Bayern vor großen Herausforderungen. So führt der Klimawandel zu großen Problemen insbesondere für die Fichte und die Kiefer, die zwei häufigsten Nadelbaumarten in Bayern. In Südbayern und in den Mittelgebirgen werden immer mehr Fichtenwälder vom Borkenkäfer befallen und sterben ab. In Nordbayern droht in etlichen Gebieten die Kiefer auszufallen, weil sie die extreme Hitze und Trockenheit nicht mehr verträgt. Dies erfordere laut BN und BDF, dass die Anstrengungen bei Waldumbau der labilen Nadelwälder in naturnahe Mischwälder erhöht werden müssen. Am Beispiel eines Kiefern-Fichtenwaldes verdeutlichte Lauterbach im Revier Hassenberg, dass in vielen Wäldern Frankens ein aktives Eingreifen der Förster und Waldbesitzer in Form des Waldumbaus notwendig ist. „Das Ziel sind Wälder mit höheren Anteilen von klimatoleranten Baumarten wie Weißtanne oder auch Buche und Eiche“, betonte Lauterbach. Entscheidende Vorrausetzung für ein Gelingen dieser bayernweiten „Mammutaufgabe“ sei, dass die Reh-, Hirsch- und Gamsbestände so reguliert werden, dass die jungen Bäume der nächsten Waldgeneration ohne Zäune aufwachsen können.

Erhalt der Artenvielfalt ist zentrales Anliegen

Der Erhalt und der Schutz der Artenvielfalt in den Wäldern ist beiden Verbänden ebenso ein zentrales Anliegen. „Wir sind uns beide einig, dass wir hierfür bei der naturnahen Waldbewirtschaftung und bei den Naturwäldern Verbesserungen brauchen“, führten Lauterbach und Mergner an. Beispielhaft für eine naturnahe Waldwirtschaft erläuterte Lauterbach die vorsichtige Pflege in einem 120-jährigen Buchenbestand – auch unter Naturschutzgesichtspunkten wie dem Schutz von Biotopbäumen und Totholz. „Wir bekennen uns als BN klar zu einer nachhaltigen Nutzung des Rohstoffes Holz“, erklärte Mergner. „Wir werben als BN seit Jahren dafür, dass rotkerniges Buchenholz aus älteren Wirtschaftswäldern einen angemessenen Preis erzielt. Denn nur wenn die Bäume aus diesen Wäldern auf dem Holzmarkt einen angemessenen Preis erzielen, dürfen die Bäume überhaupt so alt werden“, sagte Ralf Straußberger, Waldreferent des BN.

Für den Schutz der Artenvielfalt in Wäldern sind auch nutzungsfreie Wälder notwendig. Dies verdeutlichte Lauterbach an einem Waldbestand im FFH-Gebiet „Veste Coburg, Bausenberger und Callenberger Forst“, der als sogenannter Klasse 1-Wald nicht mehr genutzt wird. Der Buchen-Eichenwald ist hier vor allem für die Fledermausarten Großes Mausohr, Bechstein- und Mopsfledermaus interessant, die hier viele Höhlen und Jagdhabitate finden. Über die notwendige Größe und die Verteilung der Naturwälder wird eine intensive Diskussion geführt. Deshalb werben BN und BDF dafür, hierzu einen offenen, fairen und transparenten Dialog zu führen, insbesondere weil es dazu unterschiedliche Positionen gibt.

BN/BDF/Red.

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