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Bei der Umsetzung ihrer Ziele steht die deutsche Säge- und Holzindustrie für eine umweltverträgliche und wertschöpfende Nutzung des Werkstoffs und Bioenergieträgers Holz.

Landesregierung Thüringen folgt falschem Wildnis-Versprechen

Die deutsche Holzindustrie kritisiert Flächenstilllegung Wirtschaftswald Possen

Drei Jahre hat es gedauert, bis sich die rot-rot-grüne Regierung Thüringens auf eine gemeinsame Natur- und Artenschutzstrategie verständigte. Doch das Ergebnis ist keinesfalls ausgereift. Stattdessen folgt die Landesregierung einem falschen Wildnis-Versprechen.

Über 26.000 ha (5 %) des Waldes in Thüringen werden bis 2029 von der nachhaltigen Bewirtschaftung ausgeschlossen. Dem Ringen um die Flächen fiel mit dem Possen bei Sondershausen auch ein wichtiger Wirtschaftswald zum Opfer. Künftig sollen ein 1.000 ha großer Natur- und 500 ha Erholungswald dort Wildnis imitieren. Die deutsche Holzindustrie kritisiert Flächenstilllegungen dieser Art scharf. Denn anders als von Naturschutzorganisationen suggeriert, führen Bewirtschaftungsverbote weder zu einer Erhöhung der Artenvielfalt noch dienen sie dem Umweltschutz. Im Gegenteil: Durch die Schaffung eines sogenannten „Naturwaldes“ werden die unverzichtbaren Potenziale der Wald- und Holznutzung für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz verschenkt. Gleichzeitig gefährdet die Reduktion des Waldes auf eine Touristenattraktion die regionale Wirtschaft und damit viele der 30.000 Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette Holz in Thüringen. Denn in den meisten der deutschen Nationalparks und Wildnis-Kulissen blieb der erhoffte Besucheransturm aus.

Stilllegungen fördern umweltproblematische Importe

Die betroffenen Unternehmen vor Ort sehen in der Gebietsentscheidung eine kurzsichtige Klientelpolitik zu Lasten des ländlichen Raums: „Ich bin enttäuscht darüber, dass die grüne Umweltministerin Anja Siegesmund sich durchgesetzt hat. Dieses Nutzungsverbot fördert Importe von Holz und Holzprodukten aus anderen Teilen der Welt, in denen weniger strenge Umwelt- und Naturschutzgesetze gelten und zum Teil sogar Raubbau begangen wird. Während die Grünen ihren Wählern vor der eigenen Haustür ein ‚reines Ökogewissen‘ verschaffen, wird der Natur und dem Umweltschutz unterm Strich ein Bärendienst erwiesen“, beklagt Ralf Pollmeier, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Massivholz GmbH & Co. KG in Creuzburg. Anders als bei der jüngst gescheiterten Gebietsreform übergehe Siegesmund die Bürger in Sachen Naturschutz kategorisch.

Waldnutzung schafft Licht und Lebensraum

Rückendeckung bekommen die thüringischen Betriebe vom Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) aus Berlin. Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt bemängelt den dogmatischen Flächenschutz schon seit Jahren: „Studien zeigen, dass die Artenvielfalt in Wirtschaftswäldern jene von ‚Naturwäldern’ übersteigt. Der Grund: Erst die Bewirtschaftung sorgt für Lichtverhältnisse, in denen sich Strukturen, Lebensräume und Nischen für viele Arten ergeben.“

Für die nachhaltige Entwicklung im Wald ist ein Nutzungsverzicht somit nicht nur wirkungslos, sondern gefährdet darüber hinaus konkret die Klimaziele: „Die positiven Aspekte der Holzverwendung sind der Öffentlichkeit und offenbar auch der Politik nicht bewusst. Denn in Deutschland können die 126 Mio. t CO2 nur durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in Verbindung mit der Holzverwendung eingespart werden“, erklärt Schmidt. Das entspricht 14 % der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands.

Appell an die thüringische Landesregierung

Die Sägeindustrie appelliert an die thüringische Landesregierung, Alternativen zum Flächenschutz in Wirtschaftswäldern zu prüfen, um zielgerichtet und ressourceneffizient allen Nutzungsansprüchen gerecht werden. Eine Absage an die Multifunktionalität des Waldes hätte weitreichende Folgen für die gesellschaftliche Entwicklung.

DeSH

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