Waldschutz

Landesjagdbericht 2019/20: Niedersachsens Jäger erlegen mehr Neozoen

Bearbeitet von Jörg Fischer

Gebietsfremde Arten – sogenannte Neozoen – breiten sich in Niedersachsen weiter aus. Weiser dafür sind unter anderem die jährlich erhobenen Jagdstrecken. Diese wurden im aktuellen Landesjagdbericht 2019/20 für Niedersachsen zusammengefasst.

Sowohl bei Waschbär, Marderhund und Nutria, als auch bei der Nilgans stiegen die Strecken im Vergleich zum Vorjahr teilweise deutlich an: Am höchsten ist dieser Anstieg mit einem Plus von knapp 36 % auf 20.414 beim Waschbär, gefolgt von Nutria mit fast 28 % auf 41.369, Marderhund mit gut 26 % auf 4.715 und der Nilgans mit knapp 10 % auf 7.900.

Beim Schwarzwild gab es im Jagdjahr 2019/2020 eine Rekordstrecke zu verzeichnen: 70.481 Wildschweine kamen in Niedersachsen zur Strecke – eine Zunahme von gut 26 % gegenüber dem Vorjahr. „Ein Rekordergebnis, das wir vermutlich im laufenden Jagdjahr nicht werden wiederholen können – durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auch zahlreiche Drückjagden ausgefallen. Insbesondere in den Monaten November und Dezember wird aber auf diesen Gesellschaftsjagden ein Großteil der Jagdstrecke, nicht nur beim Schwarzwild, erzielt“, erklärte Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e. V.

Unterschiedliche Entwicklungen gab es im Jagdjahr 2019/2020 bei den anderen Schalenwildarten: Während die Jagdstrecken bei Muffel- und Rotwild sanken, gab es bei Reh- und Damwild eine leichte Zunahme.

Positive Trends bei den Besätzen Feldhase und Co setzen sich fort

Die positiven Entwicklungen des vergangenen Jahres bei Niederwildarten wie Hase und Fasan setzten sich weiter fort: Die günstigen Witterungsbedingungen mit den trockenen und warmen Frühlingsmonaten in den Jahren 2018, 2019 und auch 2020 haben den Besätzen flächendeckend gutgetan. Auch die vielerorts stattfindenden lebensraumverbessernden Maßnahmen und Projekte in den Jägerschaften tragen zu dieser Entwicklung bei – ebenso wie die konsequente Bejagung der natürlichen Fressfeinde wie zum Beispiel Fuchs, Marder und Dachs, deren Jagdstrecke ebenfalls angestiegen ist.

Einzigartige Projekte mit Vorbildcharakter

Niedersachsen ist bundesweit führend den Ansatz „Wildpflanzen zur Energiegewinnung“ wissenschaftlich zu fundieren und deren Chancen und Potenziale transparent zu machen. Zwei Forschungsprojekte der Landesjägerschaft und des 3N Kompetenzzentrums, die vom Land Niedersachsen mit je 150.000 € finanziell gefördert wurden, belegen den hohen ökologischen Mehrwert für die Artenvielfalt. Deren Anbau verbessert die Biodiversität auf landwirtschaftlichen Nutzflächen durch die mehrjährige Vielfalt an Pflanzenarten: „Mit ihren unterschiedlichen Blühzeitpunkten bieten sie fast während der gesamten Vegetationsperiode Insekten, Bienen, Feldvögeln und anderen Wildtieren einen dauerhaften Lebens-, Nahrungs- und Rückzugsraum und sorgen für eine dauerhafte Flächenbegrünung – ein deutlicher Vorteil gegenüber Mais“, so LJN-Präsident Dammann-Tamke. Neben der Steigerung der Artenvielfalt ist die Vermeidung von Stickstoffausträgen im Boden und damit die Steigerung der Boden- und Grundwasserqualität ein weiterer positiver Effekt des Wildpflanzenanbaus.

Aus dem Bereich der Wildtierforschung wird das Projekt zur Erfassung der übersommernden Gänse in Niedersachsen erstmals ausführlich im diesjährigen Landesjagdbericht veröffentlicht. Seit dem Jahr 2014 führt die Landesjägerschaft Niedersachsen in Kooperation mit dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (ITAW) dieses Monitoring durch, um die Brutvorkommen und Bestandsgrößen von Grau-, Nil- und Kanadagans im Sommer zu ermitteln. Es ist eine wichtige Ergänzung zu den bereits länger bestehenden Erfassungsprogrammen des Rastbestandes dieser Arten im Winter. Neben dem Aufbau werden auch die bisherigen Ergebnisse dieses Monitoring-Programms skizziert.

In einem weiteren Schwerpunktthema stellen die Niedersächsischen Landesforsten ihr Versuchsprojekt zum Fang von Schwarzwild im Rahmen der ASP-Prävention vor.

Den diesjährigen Landesjagdbericht für Niedersachsen können Sie hier herunterladen. Weitere Informationen sowie die Landesjagberichte der Vorjahre finden Sie auf der Seite des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Quelle: ML (PM)