Waldbau

„Kyrill“ forcierte Waldumbau in Thüringen

Bearbeitet von Carolin Föste

Vor 15 Jahren fegte Orkan „Kyrill“ mit über 170 km/h über Deutschlands Wälder hinweg und hinterließ in einer Nacht allein in Thüringen rund 3,5 Mio. Fm Schadholz. Wie geht der Waldumbau in Thüringen seither voran?

Ein Zehntel des 35 Mio. Fm umfassenden, bundesdeutschen Schadholzanfalls lagen nach dem Orkan in Thüringen am Boden. Rund 12.000 ha Wald wurden zerstört, insbesondere im mittleren Thüringer Wald und im Schiefergebirge. Damit zählte der Freistaat neben Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz zu den bundesweiten Schadensschwerpunkten.

Um gegen derartige Schadereignisse und deren Folgen für die heimischen Forste künftig besser gewappnet zu sein, werde der Waldumbau seither hin zu klima- und sturmstabilen sowie standortgerechten Mischwäldern forciert, berichtet ThüringenForst.

Waldumbau in Thüringen heilt Wunden

„Im Staatswald wurden hierzu waldbauliche Anpassungsstrategien erprobt, das forstliche Risikomanagement ausgebaut und der Umbau hin zu klimastabilen und standortgerechten Mischwäldern mit hohem Laubholzanteil forciert“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.

Bereits nach zwei Jahren habe man die Wunden, die „Kyrill“ in die heimischen Wälder gerissen hatte, großteilig saniert. Nach der Beräumung der Schadflächen, zu der monatelang Forstunternehmer aus ganz Europa in Thüringen tätig waren, erfolgte eine Wiederbewaldung mit Mischwaldstrategie. Ausgedehnte Walddickungen seien heute die letzten Zeugen der damaligen Katastrophenbewältigung in Thüringen.

Die Wälder wurden neu gemischt

Wo möglich, sei die natürliche Vermehrungskraft des Waldes genutzt und gezielt gefördert worden. Aber nicht nur die Mischungen mit vier bis fünf Baumarten wurden angestrebt, auch deren stabile Strukturierung geriet verstärkt in den Fokus der Forstleute. Baumarten verschiedener Wuchskraft wurden gemischt, Pionierwälder aus Birken und Weiden in die Bewirtschaftung mit einbezogen und auch die Biodiversität der neuen Waldstrukturen gefördert. „Inzwischen gibt es in Thüringen deutlich mehr Mischwälder und weniger sturmanfällige Fichtenbestände“, ergänzt Gebhardt.

Der Waldumbau in Thüringen trägt Früchte

Über alle Eigentumsformen seien in Thüringens Wäldern rund 6.300 ha Schadfläche, 4.700 ha verlichtete Bestände und viele verstreut liegende Einzelbrüche und -würfe entstanden. Diese Flächen waren Ausgangspunkt für eine neue Baumgeneration, die Thüringens Wälder mehr und mehr ein neues Gesicht geben: Jünger, gemischter, strukturierter, stabiler und klimaresilienter. In 2007 und 2008 pflanzte ThüringenForst 2,5 Mio. Jungbäumchen, davon rund 2 Mio. Laubbäume wie Eichen, Buchen, Eschen oder Ahorne.

Die jüngste Waldumbaudynamik, als Folge der klimabedingten Dürrejahre 2018 bis 2020, beginne also nicht bei null. Die Weichen wurden nach „Kyrill“ gestellt. Und das sei auch gut so. Denn die seither gesammelten Erfahrungen lassen Waldbesitzende und Forstleute souveräner an den Lösungen arbeiten, die eine nachhaltige, naturnahe Waldbewirtschaftung bietet.

Quelle: ThüringenForst