Kulturen

KWF-Thementage: Das komplette Programm

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) veranstaltet vom 31. März bis zum 2. April in Jessen (Elster) zum sechsten Mal seine KWF-Thementage. Mit Vorführungen, Vorträgen und Podiumsdiskussionen zeigt die Veranstaltung vor allem Lösungen für den klimagerechten Waldumbau und die Wiederbewaldung der Schadflächen auf.

Die Wiederbewaldung und der Waldumbau sind Themen, die derzeit alle Waldbesitzer und Forstleute beschäftigen. Wie soll es nach den Sturm-, Dürre- und Borkenkäferjahren und den 300.000 ha Schadflächen weitergehen? Wie lassen sich angesichts des Klimawandels klimastabile und ökologisch hochwertige Wälder begründen? Genau diesen Fragen widmen sich die KWF-Thementage, die das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) vom 31. März bis zum 2. April in Jessen (Sachsen-Anhalt) organisiert. „Wald der Zukunft – jetzt gestalten“ lautet ihr Motto.

Um die damit verknüpften Fragen zu beantworten, spannt das KWF entlang eines 4,5 km langen Rundwegs einen weiten Bogen – mit 19 neutral moderierten Praxisdemonstrationen, mit Foren und Podiumsdiskussionen. Dazu kommen Firmenpräsentationen und vier Themenschwerpunkte, wie das KWF seine Sonderschauen jetzt nennt:

  • Themenschwerpunkt 1: Klimaresilienter Wald und dessen Umsetzung.
  • Themenschwerpunkt 2: Einzelschutz – die Werte von morgen schützen.
  • Themenschwerpunkt 3: Waldbrandmanagement – Prävention und Intervention.
  • Themenschwerpunkt 4: Digitale Innovationen für die Wiederbewaldung.
Lageplan KWF-Thementage 2022
Lageplan der KWF-Thementage; Quelle: KWF

Exkursionspunkte 1 bis 4

Bei den 19 Vorführungen im Wald zeigen die Partner des KWF viele für den Aufbau zukunftsfähiger Wälder notwendige Arbeitsverfahren sowie die dafür nötigen Werkzeuge, Geräte und Maschinen. Die Besucher erfahren außerdem Kosten- und Leistungsdaten sowie wichtige Hinweise zu Arbeitssicherheit, Ergonomie und Umweltschutz.

E 1. Klimaangepasste Baumartenwahl in Sachsen-Anhalt. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) erläutert, mit welchem System sie klimaangepasste Baumarten für einen bestimmten Waldstandort auswählt. Sie stellt zudem vor, wie die Waldbesitzer Standortsinformationen und klimaangepasste Baumartenempfehlungen online abrufen können.

E 2. TheForestCleanup. Die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg stellt das Forschungsprojekt TheForestCleanup vor. Es beschäftigt sich mit der Entwicklung von Wuchshüllen aus nachwachsenden Rohstoffen und mit Konzepten zum Rückbau erdölbasierter Plastikprodukte.

E 3. Wuchshüllen und Containerpflanzen für die Douglasie. Die NW-FVA zeigt, dass sich Wuchshüllen negativ auf das Wachstum und die Stabilität der Douglasie auswirken. Sie stellt außerdem Versuchsergebnisse zur Verwendung von Containerpflanzen vor, die heute zunehmend anstelle von wurzelnackten Pflanzen bei der Kulturbegründung eingesetzt werden.

E 4. Ergonomie und Unfallschutz bei der Wiederbewaldung. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) greift die Gefährdungen bei der Wiederbewaldung sowie der Kultur- und Jungwuchspflege auf. Ein Beispiel ist das Tragen von Lasten auf Freiflächen. Um den daraus resultierenden Belastungen entgegenzuwirken, empfehlen die Experten für den Materialtransport unter anderem den Einsatz einer funkferngesteuerten Forstraupe der Firma Suffel.

Exkursionspunkte 5 bis 7

E 5. Walderneuerung in Brandenburg. Der Maschinenhof Doberlug des Landesbetriebes Forst Brandenburg stellt Bodenbearbeitungs-, Saat- und Pflanzverfahren vor. Im Einsatz ist unter anderem die Forstraupe Moritz – mit angebauten Pflug-, Fräs- und Sägeräten. Auch die neue Containerpflanzmaschine für den Moritz ist am Start. Von der Rückegasse aus bereitet ein Harvester mit angebautem Rechen Pflanzplätze vor.

Plätzeweise Bodenvorbereitung mit Preuss-Harvester

E 6. Forsteinrichtung und Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Vorprüfung. Der Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt stellt vor, wie er sicherstellt, dass die Forsteinrichtungswerke die Erhaltungsziele von FFH-Gebieten erfüllen.

E 7. Gasse 2.0: Praktische Lösungsansätze mit Hilfe digitaler Planung. Der Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt und das Fraunhofer-Institut erklären, wie man mit der Software Gasse 2.0 ein Rückegassennetz plant. Die Software erstellt zunächst ein digitales Geländemodell, ehe Algorithmen alle realisierbaren Gassennetzvarianten für einen konkreten Planungsfall bestimmen und auch bewerten.

Exkursionspunkte 8 bis 10

E 8. Manuelles Pflanzverfahren mit der Harzer Pflanzhaue. Die Niedersächsischen Landesforsten stellen das Pflanzverfahren mit der Harzer Pflanzhaue vor. Man kann mit ihr wurzelnackte Pflanzen bis 25 cm Wurzellänge und 25 cm Wurzelbreite in den Boden bringen.

E 9. Einsatz von Exoskeletten bei der Pflanzung. Die GEFFA-Stiftung (Gesellschaft für forstliche Arbeitswissenschaft) stellt Forschungsergebnisse zum Einsatz passiver Exoskelette bei der manuellen Pflanzung vor. Sie könnten die körperliche Belastung bei der Aufforstung der großen Schadflächen reduzieren, weil sie den Bewegungs- und Stützapparat der Waldarbeiter entlasten.

E 10. Einsatz von Hydrogelen bei der Pflanzung und von Holzfaser-Gelatine-Gemisch als Bodenverbesserer. Die Universität Freiburg stellt unter anderem Holzfasergele zur Unterstützung der Pflanzung auf trockenen Standorten sowie zur Unterdrückung der Begleitvegetation vor. Sie erhöhen die Wasseraufnahmekapazität und können das gespeicherte Wasser über einen längeren Zeitraum wieder abgeben.

Exkursionspunkte 11 bis 12

E 11. Nachanbau dienender Baumarten in kalamitätsgeschädigten Waldbeständen. Das Landeswaldzentrum Sachsen-Anhalt und das Betreuungsforstamt Annaburg zeigen bestandes- und bodenschonende Vorarbeiten für die Pflanzung in aufgelockerten Beständen. Dazu haben sie parallel zu den ehemaligen Pflugstreifen weitere Frässtreifen angelegt.

E 12. Mit Pferdekraft zum klimaresilienten Wald der Zukunft. Die Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ) stellt auf einer Kahlfläche und in einer Kiefernmonokultur Verfahren für die Waldverjüngung und Bestandesbegründung vor. Zum Einsatz kommen unter anderem der Eberswalder Forstpflug und ein Sägerät.

Exkursionspunkte 13 bis 16

E 13. Manuelle Pflanzverfahren – Effiziente Handpflanzverfahren. Das Forstliche Bildungszentrum Gehren gibt einen Überblick über die große Palette forstlicher Handpflanzgeräte: Neheimer Pflanzspaten, isiePro-Pflanzspaten, Hohlspaten nach Junack und Göttinger Fahrradlenker. Dazu kommen die Hartmann-Haue, Wiedehopf-Haue, Vario-Haue, Harzer-Haue und die Buchenbühler-Haue sowie der DrillFast-Pflanzlochbohrer und das Pottiputki-Pflanzrohr.

E 14. Waldumbau in Sachsen: Stand und Herausforderungen. Sachsenforst stellt sein Konzept zum Waldumbau in standortgerechte und klimaresiliente Mischwälder vor. Neben den Maßnahmen im Wald sind auch die Qualitätssicherung der Pflanzung und die „Entscheidungsmatrix Totholz“ ein Thema.

Pflanzeneinschlag

E 15. Waldauf- und -umbau per Saatdrohne und pelletiertem Forst-Saatgut. Die Firma Skyseed führt vor, wie man mit einer Drohne schnell und kosteneffizient Schadflächen wiederbewalden kann. Verwendet wird dafür pelletiertes Forstsaatgut. Der Fokus liegt auf Pioniergewächsen, die in der natürlichen Sukzession Gras und Brombeeren zurückdrängen können.

E 16. Hybridseminar zur Wiederbewaldung in Zeiten des Klimawandels mit digitaler Unterstützung. Das Forstliche Bildungszentrum Nordrhein-Westfalen stellt eine interaktive Plattform für den Wissenstransfer vor und ein hybrides Seminar zum Thema Wiederbewaldung. Es kombiniert Präsenzveranstaltungen mit internetbasiertem Lernen.

Exkursionspunkte 17 bis 19

E 17. Fremdländische Baumarten: waldbauliche Möglichkeiten im Klimawandel. Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW stellt fremdländische Baumarten vor, die trupp- bis horstweise beigemischt die forstwirtschaftlichen Risiken verringern können. Auch Baumarten, die sich nicht eignen, werden genannt.

E 18. Flächenvorbereitung mit Silvafix und Baggergabelpflanzung. DieNiedersächsischen Landesforsten stellen ein rückegassenbasiertes Pflanzverfahren vor. Dabei zieht zunächst ein Bagger der 6- bis 20-t-Klasse mit dem Silvafix-Anbaugerät streifenweise oder flächig den Schlagabraum ab und bereitet bei Bedarf den Pflanzplatz vor. Ein Kettenbagger setzt anschließend mit Hilfe einer Pflanzgabel Laubhölzer, deren Wurzelwerk zu groß für manuelle Verfahren sind.

Baggergabelpflanzung

E 19. Laubholz-Grünästung zum Aufbau klimastabiler Wälder. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg stellt die Grünastung für Laubholzbestände vor, die zum Beispiel wegen des Pflanzenmangels nur weitständig begründet werden können.

Darre und Samenplantage

Zwei Exkursionspunkte liegen nicht auf dem Rundweg; sie müssen extra angefahren werden:

Landesdarre Annaburg. Die 1897 errichtete und im Wesentlichen unverändert gebliebene Landesdarre gehört zu den ältesten Klengen Deutschlands. Hier wird seit 1903 herkunftsgesichertes und Qualitäts-Saatgut gewonnen. Zudem erfassen die Mitarbeiter der Darre das Blühgeschehen der Waldbäume, erstellen Ernteprognosen und organisieren Saatguternten. Die Samendarre kann an allen drei Besuchstagen während der Öffnungszeiten der Thementage individuell besucht werden.

Landesdarre Annaburg

Anlage und Pflege von forstlichen Samenplantagen. Die 28 Samenplantagen Sachsen-Anhalts sind gezielt zusammengestellte Pflanzungen einer Baumart zur Produktion von hochwertigem und herkunftsgesichertem Saatgut. Sie dienen außerdem der Erhaltung bedrohter Populationen. Dieser Exkursionspunkt ist am Donnerstag und Freitag nur nach Voranmeldung einem kleinen Teilnehmerkreis möglich.

Foren und Podien der KWF-Thementage

Dem Motto der Thementage sind auch die Foren und Podiumsdiskussionen verbunden, die sich als Ergänzung zu den Exkursionsbildern verstehen. Sie finden in einem Zelt statt, das sich auf dem Rundweg befindet. Den Auftakt bildet ein Diskussionspodium zum Thema „Klimastabile Wälder erhalten und begründen im Kontext von Klimawandel, Green Deal und der demografischen Entwicklung in Deutschland“. Eine Übersicht über alle Themen gibt diese Tabelle.

Die Aussteller der KWF-Thementage

Zu den Thementagen gehören auch die Aussteller im Freigelände und im Messezelt. Vertreten sind dieses Jahr über 60 Firmen und Institutionen, die Produkte, Projekte und Lösungen für die Wiederbewaldung, den Waldumbau, die Waldbrandprävention usw. vorstellen. Hier ist eine Übersicht.

Eintrittskarten, Anfahrt und Covid-Auflagen

Eintrittskarten. Die Tageskarten kosten im Onlineverkauf unter www.kwf-thementage.de 50 €, ermäßigt 40 €. Mehrtageskarten kosten 70 €, ermäßigt 60 €. Vor Ort wird es nur ein stark begrenztes Kontingent an Karten geben, die außerdem 10 € mehr kosten. Nur Barzahlung.

Pandemiebestimmungen. Zu beachten ist, dass die KWF-Thementage zum Schutz vor Covid-19 als 2G-Veranstaltung durchgeführt werden! Einlass erhalten lediglich geimpfte und genesene Personen. Entsprechende Nachweise werden am Eingang kontrolliert. Es gilt die Pflicht zur Kontakterfassung sämtlicher Besucher.

Anfahrt. Der Veranstaltungsort liegt in der Annaburger Str. 6 in 06917 Jessen (Koordinaten: 51.782353, 12.980389). Ab dort der Beschilderung folgen.

Weitere Informationen unter: www.kwf-thementage.de

Oliver Gabriel