Kleinprozessor Kranman P25
Beiseilen des Stamms bis zum Prozessorarm
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Kurzer Prozess

01. Juli 2020

Es soll ja tatsächlich noch Landstriche geben, in denen der Wald nicht flächig vom Borkenkäfer gefressen wird, sondern wo man noch von Käferlöchern sprechen kann. Gerade wenn die Großtechnik aber schon auf Großbaustellen unterwegs ist, werden im Privatwald auch kleine Maschinen attraktiv.


 Stefan und Simon Burgard sind mit ihren Firmen BBS-Forsttechnik und SB-Forst seit einiger Zeit Importeure für die italienischen Balfor-Maschinen und für die schwedische Marke Kranman, die sich ausschließlich mit sehr kleinen Forstmaschinen befasst. Nebenbei besitzt Stefan in seiner Eifelheimat auch noch ein paar Hektar Wald. Leider gibt es auch hier einige Ecken, in denen der Buchdrucker sein Unwesen treibt. Auf der anderen Seite ist das eine willkommene Möglichkeit, die Geräte einmal in der Praxis einzusetzen und das auch dem Journalisten von der Forst & Technik direkt vorzuführen.

Den Kleinprozessor P 25 hat Kranman vor gut einem Jahr vorgestellt. Es gibt das Prozessoraggregat mit Schubentaster und Kappsäge auch einzeln als Wechselmodul für Rückewagen oder Kleinforwarder wie den Kranman Bison. Wir schauen uns heute aber den Selbstfahrer mit Achtradfahrwerk an. Zum vereinbarten Treffpunkt erscheint Burgard mit seinem Pickup, im Schlepptau einen Pkw-Transportanhänger, auf dem das 1 070 kg schwere Maschinchen ganz bequem Platz findet. Der 18-kW-Kubota-Diesel startet per Schlüsseldreh und das lange Gefährt krabbelt vom Hänger.

Der kleine Selbstfahrer passt locker auf einen Autotransporter
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Im Normalfall sind nur die hinteren Bogies per Kronenrad angetrieben, bei schwerem Gelände lassen sich jedoch die Vorderräder zuschalten. Mit einer Breite von 1,43 m könnte man in vielen Beständen sogar zwischen den Bäumen fahren, doch bei unserem heutigen Projekt ist eine ganz andere Arbeitsweise gefragt: In diesem typischen, völlig ungepflegten Fichten-Jungbestand hat sich ein Käfernest gebildet. Weil die Bäume so knüppeldicht stehen, lassen sie sich sowieso kaum zu Fall bringen. Burgards Mitarbeiter Marius lehnt sie deswegen bei der Fällung nur an und wir ziehen sie direkt mit der kleinen Seilwinde des P 25 vom Stock ab und bis auf den Prozessorarm. Die Winde kann bis zu 1,5 t aus maximal 30 m Entfernung beiholen. Das sollte eigentlich für alle Gassenabstände reichen.

Beiseilen des Stamms bis zum Prozessorarm
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Damit beim seitlichen Beizug das leichte Fahrgestell nicht umkippt, stützt man es mit dem Ausleger zum Boden hin ab. Dadurch ergibt sich auch die schiefe Ebene, über die der Stamm bis zu den Haltearmen hochgezogen wird. Dann noch kurz das Seil ausklinken und die Arbeit kann beginnen. Maximal 25 cm starke Durchmesser können die Entastungsmesser umschließen. Die Bedienung aller Funktionen erfolgt über eine breite Klaviatur von Hydraulikhebeln am Heck. Elektrische oder gar elektronische Funktionen finden sich hier keine. Das macht zwar allfällige Reparaturen einfach, setzt aber auch die Übungsschwelle relativ hoch: Bis man hier ohne Hinschauen flüssig arbeiten kann, dauert es eine Weile.

Um diese große Klaviatur richtig zu spielen braucht es einige Übung. Dafür steckt keinerlei Elektronik dahinter; alles lässt sich einfach reparieren.
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Das Arbeitsprinzip ist wie bei jedem Schubentaster: Haltearme schließen – Messer anlegen – Teleskop ausfahren und dabei entasten – Haltearme öffnen – beim Einfahren des Teleskops Stamm weiter zuführen – Haltearme wieder schließen …

Bis zu 25 cm starke Stämme lassen sich mit dem Kranman entasten und ablängen.
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Nach der gewünschten Zahl von Entastungshüben aktiviert man die Kappsäge und der Abschnitt fällt seitlich neben der Maschine zu Boden. Eine Längenmesseinrichtung gibt es dabei nicht. Nur durch Mitzählen beim Entasten – jeder vollständige Hub entspricht einem Meter Vorschub – lassen sich einigermaßen gleiche Längen erzielen. Muss man noch einmal zurücksetzen, weil die Messer an einer Krümmung oder einem starken Ast hängenbleiben, kommt man relativ schnell durcheinander. Burgard berichtet aber, dass einer seiner Kunden, der vor allem Zaunpfähle produziert, sich eine Vermessungsanlage hat nachrüsten lassen, die sogar berührungslos über Funk arbeitet.

Dürre Äste von Käferbäumen stellen sogar für ausgewachsene Erntemaschinen eine erhöhte Belastung dar, insofern verwundert es nicht, dass sich das kleine Aggregat mit einer maximalen Vorschubkraft von 3,1 t manchmal schwer tut bei starkastigen Randbäumen. Lassen wir jedoch noch grüne Stämme durchlaufen, sieht die Entastungsqualität recht anständig aus. Jetzt stellt sich dann nur noch die Frage der Rentabilität: Diese Methode des Entastens ist natürlich um ein Vielfaches schneller als der Forstwirt mit der Säge, jedoch weit entfernt von einem Rollenharvester. Für „richtige“ Maschinen ist jedoch der Mengenanfall in Kleinprivatwäldern häufig zu gering, oder die entsprechenden Unternehmer sind schlichtweg schon ausgebucht.

Bei Frischholz ist die Entastungsqualität ganz annehmbar.
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Bei dem skizzierten Arbeitsverfahren lässt sich insgesamt eine ordentliche Produktivität bei guter Bestandesschonung erreichen. Dafür kostet die Maschine wie hier abgebildet gut 25 000 € netto. Das Pendant ohne Fahrwerk, aber mit eigenem Hydraulikaggregat ist rund 9 000 € günstiger. Setzt man so eines auf einen kleinen Rückewagen, hat man zum Beschicken noch zusätzlich einen Kran zur Verfügung und kann das anfallende Holz im zweiten Schritt gleich noch an die Waldstraße bringen. Allerdings ist ein solches Gespann weniger gelände- und bestandesgängig als dieser schmale Knicklenker und auf der Umsetzfahrt sehr langsam unterwegs. Spätestens mit einer Kombination des 88 PS starken, aber letztlich als Zugmaschine zu leichten UTV mit kleinen Rückewägelchen wie auf dem Aufmacherfoto spielt für die meisten Anwender auch der Spaßfaktor eine entscheidende Rolle bei der Anschaffung.

In Skandinavien weit verbreitet, finden auch bei uns im Privatwald solche Kleinmaschinen immer mehr Anwendung
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Heinrich Höllerl