Folienlager zum Schutz gegen Borkenkäfer
Folienlagerung von Baumstämmen: Waldschutzwirksam ist nur jene Variante, bei der die Folie um das Borkenkäfer-befallene Holz luftdicht verschweißt wird. Dann wird den Schädlingen der Sauerstoff entzogen.
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Kurioses gegen den Borkenkäfer

09. Juli 2022

Originelle Borkenkäfer-Bekämpfungsverfahren: Alle Methoden erscheinen interessant, die Herleitung klingt meist plausibel. Aber viele haben dann doch einen Pferdefuß.

Bei der Bekämpfung von Borkenkäfern gibt es immer wieder Ansätze, die auf den ersten Blick interessant anmuten, jedoch in der Umsetzung schwierig zu handhaben sind.

Dazu gehört auch der „Elektrische Stuhl“ für den Borkenkäfer: Diese Technik arbeitet mit der Wirkkraft der elektrischen Leitfähigkeit, um so Borkenkäfer abzutöten. Das Problem ist allerdings, dass bei einer Anwendung in Sekundenbruchteilen auch irreversible Schäden an lebenden Bäumen auftreten können (Verbrennungen, Überhitzung, Austrocknung von Leitungsbahnen). Befallene Fichten müssten überdies vorher identifiziert werden – die Befallssuche wäre also trotzdem unumgänglich.

Mikrowellenstrahlen schaden auch dem Baum

Die Mikrowellenstrahlung als Bekämpfungsmethode bezieht sich in erster Linie auf Schädlingsvernichtung in Kulturgütern wie Statuen oder Möbel. Mikrowellenenergie wird an Wasser- und Fettmolekülen in Wärme umgewandelt. Bei einer Anwendung zur Borkenkäferbekämpfung am stehenden Stamm würden unter der Rinde sitzende Käfer – aber eben auch die Leitungsbahnen bzw. das Kambialgewebe des Baumes – stark erhitzt werden.

Im Stamm wären irreversible Schäden am lebenden Gewebe zu erwarten. Auch eine einstellbare Eindringtiefe der Mikrowellen bis knapp unter die Rinde würde zu Schäden führen. Denn durch bereits vorhandene Einbohrlöcher können Pilze eindringen. Bei frischem Käferbefall ist der Baum aufgrund des hohen Pheromonspiegels sehr fängisch. Darüber hinaus ist auch durch das beim Befall austretende Bohrmehl ein hoher Pheromonpegel vorhanden. Es ist daher zu erwarten, dass nach der Behandlung der Befall am betreffenden Baum durch umherfliegende Käfer weitergeht.

Sterilisation von Buchdrucker-Männchen

Das Verfahren der Sterilisation ist schon länger bekannt. Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, den männlichen Teil einer Insektenpopulation zu sterilisieren, unter anderem durch (radiologische) Bestrahlung oder Chemikalien. In Amerika wurde eine derartige Lösung gefunden, um das Fortschreiten einer Population von Fruchtfliegen zu verhindern – was aber nur für diese konkrete Population wirkt.

Beim Borkenkäfer, besonders dem Buchdrucker, trifft diese Methode der Bekämpfung aber nicht den Kern des Problems, da die massenhaft auszusetzenden behandelten Käfer trotzdem Bäume befallen. Zudem werden diese durch die Pheromonabsonderung unzählige weitere Käfer anlocken; und unter den angelockten werden wiederum auch fertile Käfer sein.

Eine Besonderheit liegt in der Biologie des Buchdruckers: Das Weibchen kann sich mit mehreren Männchen paaren. Um einen Effekt zu erzielen, müssten die Weibchen mit genügend unfruchtbaren Männchen kopulieren. Es müssten unzählige Buchdrucker gezüchtet und ausgesetzt werden und das nicht nur einmal, sondern mehrere Generationen im Jahr und das wiederholt über mehrere Jahre.

Attract and Kill: Was können Fangsysteme?

Manche Lockstoff-Fangsysteme beruhen auf einer „Attract & Kill-Strategie“ (z. B. Fangholzhaufen oder Trinet P – Achtung bei letzterem: Zulassung ist ausgelaufen!). Sie können im Zusammenhang mit einer integrierten Bekämpfungsstrategie dazu beitragen, hohe Käferdichten durch Massenfang örtlich und zeitlich begrenzt abzusenken.

Bei Massenvermehrungen ist diese Methode jedoch nicht zielführend, da durch die Vielzahl der benötigten Fangsysteme und Pheromonquellen ein Vermischungseffekt eintritt, der den notwendigen, zielgerichteten Anflug an das einzelne System erschwert. Zudem müssen Flächen, auf denen Fangsysteme installiert werden sollen, gründlichst geräumt sein; ein Sicherheitsabstand zu benachbarten Beständen wäre einzuhalten (mind. 30 m).

Extrem wichtig wären wöchentliche Kontrollen auf Stehendbefall im Umfeld. Eine rasche Aufarbeitungslogistik und Abfuhr bei Frischbefall und Fanghölzern muss gewährleistet sein. Fangsysteme ersetzen damit keinesfalls die Notwendigkeit der terrestrischen Befallssuche und können das Befallsrisiko bei fehlerhafter Anwendung sogar erhöhen!

Kleinschneiden von fängischem Holz

Das Kleinschneiden von befallenem Fichtenholz ist keine wirksame Bekämpfungsmethode. Denn das Holz bleibt in der Regel ausreichend lange frisch, sodass sich die Bruten fertig entwickeln können. Unbefallene, frische Abschnitte mit nur 20 cm Länge wurden schon durch Buchdrucker und Kupferstecher befallen. Nur gelegentlich kam es im geringen Maße auf der Freifläche bei starker Sonneneinstrahlung auf der oberen, der Sonne ausgesetzten Seite zum Ausfall der Brut.

Alle Empfehlungen hängen stark von den herrschenden Temperaturen, Feuchtebedingungen und Entwicklungsstadien der Bruten ab. Je intensiver die Sonneneinstrahlung, heißer und trockener es ist, desto eher sterben angelegte Bruten ab bzw. trocknet die Rinde auf ein nicht mehr fängisches Niveau ab.

Material hacken hilft nicht gegen den Kupferstecher

Wie ist die Hackung von befallenem Material aus Waldschutzsicht zu beurteilen, wenn das Hackgut im Wald verbleiben soll? Bei einer Untersuchungen der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) in Freiburg wurde von Buchdrucker und Kupferstecher befallenes Fichten-Stammholz Mitte August gehackt und auf mehreren Haufen aufgeschüttet und mit Folie abgedeckt. An zwei Stellen wurde es flächig verblasen.

Das Ergebnis war, dass Kupferstecher aus allen Behandlungsvarianten des Hackgutes in umfangreichen Mengen ausgeflogen sind. Es gibt sogar Hinweise, dass sich weiße Stadien der Kupferstecher im Hackgut fertig entwickeln konnten. Buchdrucker flogen hingegen nur noch in geringen Mengen aus.

Bei Befall des Stammholzes mit Kupferstecher ist es daher zu empfehlen, die Hackschnitzel möglichst schnell abzufahren oder auf Haufen von mindestens 2 m Höhe aufzuschütten und mit einer reißfesten Folie abzudecken. Ein hoher Feinanteil und hohe Holzfeuchte sollten in den Haufen dann zu einer Wärmeentwicklung auf über 56 °C führen, bei der Käfer und Bruten absterben.

Folienlagerung: Zu viele Käfer überleben

Grundsätzlich werden zwei Verfahren der Folienlagerung unterschieden. Zum einen gibt es die luftdichte Folienlagerung. Bei diesem Verfahren wird das Holzpolter komplett in Folie eingeschlagen und durch Verschweißen luftdicht versiegelt. Durch Gärungs- und Atmungsprozesse wird der Sauerstoff unter der Folie relativ schnell verbraucht. Dadurch würden auch Borkenkäfer absterben. Dieses Verfahren ist – solange die Folie intakt ist – nachweislich waldschutzwirksam.

Zum anderen gibt es die nicht luftdicht verpackte Folienlagerung. Bei diesem Verfahren wird das Holzpolter von oben abgedeckt, beispielsweise mit einer Silofolie oder auch stärkerem Material. Die Folie wird dabei an den Polterrändern beschwert, damit sie bodendicht abschließt.

Diese Art der Lagerung von befallenem Borkenkäferholz ist aber nicht waldschutzwirksam. Unter der schwarzen Folie werden auch an sonnenexponierten Lagen im Polter unter der Folie keine Temperaturen erreicht, die Borkenkäfer in einem relevanten Umfang zum Absterben bringen. Auch eine Verpilzung der Käfer findet nicht in nennenswertem Umfang statt. Zudem hat sich das Dichthalten der Folie in der Praxis als kaum durchführbar erwiesen, da schon kleinste Waldbärte zu Rissen führen.

Buchdrucker schaffen es aber auch aus eigener Kraft, sich durch die Folie zu bohren. Gleiches gilt für Mäuse. Ein vollständig besiedelter, klassischer Fixlängen-Polter (80 Stämme, BHD 30 cm, 5m lang) kann bis zu 14 l Buchdrucker beinhalten. Das entspricht mehr als 500 000 Käfern. Also selbst wenn man ein paar Hand voll toter Käfer unter der Folie finden würde, ändert das angesichts dieser großen Anzahl von Käfern nichts an der Einschätzung einer ungenügenden Waldschutzwirksamkeit.

Saubere Waldwirtschaft: ungebrochen gültig

Trotz vieler Ansätze zur Entwicklung neuer Bekämpfungsstrategien sind die einzig wirksamen Maßnahmen die der „sauberen Waldwirtschaft“ geblieben. Unter sauberer Waldwirtschaft versteht man, dass:

  • befallene Fichten eingeschlagen und aus dem Bestand abgefahren oder entrindet werden müssen.
  • im Wald liegendes bruttaugliches Material entfernt oder unschädlich gemacht werden muss (durch Mulchen, Hacken oder je nach Witterung Verbrennen).
  • Kronenteile und sonstige Resthölzer insbesondere bei hoher Kupferstecherdichte zu beseitigen sind.
  • Mithilfe der genannten Maßnahmen werden Käfer und die Käferbrut unschädlich gemacht, sowie ein Neubefall und eine weitere Vermehrung der Käfer verhindert. Allerdings sind sie zeit-, arbeits- und kostenaufwendig.

    Als letztes Mittel der Wahl ist ein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei Befall mit Buchdrucker oder Kupferstecher denkbar, um eine Ausbreitung des Befalls zu verhindern.

    Cornelia Triebenbacher, Andreas Hahn, LWF