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Kritik am Vorgehen zum Schutz der biologischen Vielfalt

Das „Übereinkommen über die biologische Vielfalt“, das 1992 in Rio de Janeiro von den Vereinten Nationen ausgehandelt wurde, gilt als eines der erfolgreichsten internationalen Abkommen. Denn immerhin verpflichteten sich insgesamt 191 Unterzeichnerstaaten dazu, die biologische Vielfalt zu schützen, nachhaltig mit ihren Bestandteilen umzugehen und Vorteile, die aus der Nutzung genetischer Ressourcen hervorgehen, gerecht zu verteilen. Doch 14 Wissenschaftler aus 8 verschiedenen Ländern haben nun in einem Artikel in der renommierten Fachzeitschrift „Science“ das Vorhaben für gescheitert erklärt. Einziger deutscher Vertreter ist der Ökologe Prof. Dr. Wolfgang Weisser von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Ausgerechnet im „Internationalen Jahr der Artenvielfalt“ kommen die Autoren zu dem Schluss, dass bei der Umsetzung des Vorhabens viel zu unorganisiert und unkonkret vorgegangen wurde. „Der Vertrag ist einfach zu unverbindlich gewesen“, begründet Prof. Weisser das Scheitern. „Solange an ein Nichterfüllen keine Sanktionen geknüpft sind, verfolgen Staaten die Ziele solcher Abkommen nicht mit letzter Konsequenz.“ Deutschland etwa hat erst 2007 eine Biodiversitätsstrategie vorgelegt.

Gleichzeitig fordern die Autoren, aus den Fehlern zu lernen, um neue Zielsetzungen weitaus zweckdienlicher anzulegen. Schließlich wollen die Vertragsunterzeichner auf ihrer Konferenz vom 18. bis 29. Oktober 2010 in Nagoya (Japan) 20 neue – weitaus konkretere – Ziele für 2020 vereinbaren. Wichtigster Maßstab bei deren Erarbeitung sollte laut „Science“ die Orientierung an den sogenannten Ökosystemdienstleistungen sein. Das sind Leistungen, die die Natur erbringt und die vom Menschen genutzt werden. Ohne sie könnten Menschen auf der Erde nicht existieren. Das beinhaltet sowohl die Versorgung mit Wasser oder Nahrung, als auch die Klimaregulierung oder kulturelle Aspekte wie Erholung oder ästhetisches Vergnügen. Die Vereinten Nationen veröffentlichten 2005 eine Studie, in der sie diese Dienstleistungen genauer definierten und feststellten, dass 60 % dieser Ökosystemdienstleistungen gerade zerstört werden. „Es wäre also nur sinnvoll, das Erhalten der biologischen Vielfalt mit dem Bewahren dieser Dienstleistungssysteme zu verbinden“, sagt der Jenaer Ökologe. „Zumal durch den Begriff Dienstleistung eine Art Währung eingeführt wurde, mit der sich etwa der Wert einzelner Flächen besser bemessen lässt.“ Außerdem fordern die Autoren, genauer zu differenzieren, wo energischer eingeschritten werden muss. „Ziele müssen nach Prioritäten geordnet und realistisch umsetzbar sein.“

idw/uni jena

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