Ukraine Flagge aus Holz und Himmel
Wenn Russland aufgrund seines Kriegs gegen die Ukraine als Rundholzlieferant ausfällt, wird am Weltmarkt viel Holz fehlen. Insbesondere China könnte sich das dann in Europa holen.
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Krieg in der Ukraine: Auswirkungen auf die Forst- und Holzwirtschaft

01. März 2022

Am 24. Februar hat Russland die Ukraine überfallen. Abgesehen davon, dass dadurch das bisherige Sicherheitsgefüge in Europa auf den Kopf gestellt und zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg wieder ein Angriffskrieg geführt wird, hat diese Invasion konkrete wirtschaftliche Auswirkungen, auch auf die Forst- und Holzwirtschaft.

Eine Folge, die bereits vor dem Überfall sichtbar wurde, sind die hohen Energiepreise, insbesondere die für Erdgas, das Deutschland zu 55 % aus Russland bezieht. Sie betreffen die Gesamtwirtschaft. Der staatliche Gaskonzern Gazprom hat seit Monaten nur Mindestmengen geliefert und entgegen jeder wirtschaftlichen Vernunft nicht mit Spotlieferungen auf die hohen Preise reagiert. Auch die deutschen Gasspeicher, die leichtsinnigerweise teils an Gazprom verkauft wurden, sind nur zu rund 30 % gefüllt.

Engpässe durch hohe Energiepreise möglich

In der Forst- und Holzwirtschaft macht sich das durch stark gestiegene Treibstoff- und Energiepreise bemerkbar. Forstunternehmer fordern zu Recht höhere Sätze für Diesel. In der Säge- und Holzindustrie sind laut dem Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e. V. (DeSH) Preissteigerungen bis hin zu Lieferengpässen zu befürchten, insbesondere bei Unternehmen, die keine eigenen Biomasseheizkraftwerke betreiben

Der Außenhandel mit Russland spiele für die heimische Säge- und Holzindustrie laut Einschätzung des DeSH eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu anderen europäischen Nachbarstaaten. Generell werde der Ausfall von Russland und der Ukraine als zwei der weltweit größten Holzproduzenten zu einem Mangel an Rundholz führen, der kompensiert werden muss.

Weltweit wird Rundholz fehlen

Die ohnehin schon in Kraft befindlichen Exportverbote für Rundholz aus beiden Ländern – bei der Ukraine schon seit 2016 – dürften sich durch den Krieg verschärfen. Die österreichische HS Timber hat sie als Grund für die Schließung seines Sägewerks Radauti angeführt, das sich in Rumänien in Grenznähe zur Ukraine befindet. Ein Szenario ist, dass China seinen Holzhunger aufgrund ausbleibender Mengen aus Russland ab sofort stärker in Europa stillen wird.

Inoffiziell ist zu hören, dass die Umsetzung des russischen Exportverbots selbst Richtung Westen nur halbherzig erfolgt. Da Russlands Präsident Putin die Verbrüderung mit China sucht, kann man sich vorstellen, dass das Exportverbot in diese Richtung möglicherweise gar nicht umgesetzt wird. Die weitere Marktentwicklung bleibt also abzuwarten.

Russische Holzexporte

Ein massives Hindernis für den Handel mit Russland stellt in jedem Fall der Ausschluss russischer Banken aus dem SWIFT-System dar. Zahlungsverkehre werden dadurch erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht. So sieht der US-amerikanische Branchendienst Wood Resources International (WRI) den Welthandel in den kommenden Monaten beeinträchtigt. Lieferungen von Forstprodukten in aller Welt müssen gestoppt und umgeleitet werden. Der Handel mit Russland werde drastisch zurückgehen.

2021 war Russland mit einem Wert von 5,8 Mrd. US$ der größte Exporteur von Nadelschnittholz weltweit. Der Exportwert aller Forst- und Holzprodukte belief sich auf gut 12 Mrd. US$. Der Europäische Holzhandelsverband (ETTF) hält es für möglich, dass Forst- und Holzprodukte gar nicht unter die von der EU und den USA verhängten Sanktionen fallen, da sie insgesamt nur 2,4 % der russischen Exporte ausmachen.

Investitionen in Russland werden ausbleiben

Ein Argument für das zum 1. Januar 2022 in Kraft getretene Exportverbot für Rundholz aus Russland war, die Wertschöpfung im eigenen Land zu halten. Dazu wären jedoch Investitionen nötig, die jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit ausbleiben werden, zumal Technologieprodukte, zu denen auch Sägewerkstechnik zählen dürfte, nicht mehr importiert werden dürfen. So kann Russland weder sein Rundholz exportieren noch es verstärkt in eigenen Sägewerken verarbeiten und als Schnittholz exportieren. Das ist doppelt schädlich für den Weltmarkt

Es bleibt also festzuhalten, dass die mitteleuropäische Forst- und Holzwirtschaft nicht unmittelbar vom Krieg Russlands gegen die Ukraine betroffen ist. Höhere Energiekosten treffen die Gesamtwirtschaft. Hier zeigt sich, dass Deutschland unabhängiger von externen Energielieferanten werden muss. Der DeSH schlägt deshalb den Aufbau einer strategische Pelletsreserve vor, analog zu den strategischen Gasspeichern.

Ob und in welchem Maß Russland sein Exportverbot für Rundholz tatsächlich umsetzt, entscheidet darüber, wie sich der Weltmarkt für Holz entwickelt, und ob die Nachfrage aus China nach europäischem Holz möglicherweise drastisch steigt.

Marc Kubatta-Große
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