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Kostenexplosion im Nationalpark bestärkt Kritiker

Kostenexplosion im Nationalpark bestärkt Kritiker

Es schien fast so, als habe sich die Stimmung um den 2014 eingerichteten Nationalpark Nordschwarzwald beruhigt. Die Antwort des Umweltministeriums auf eine Landtagsanfrage der FDP zu den Kosten bringt jetzt die Kritiker des Nationalparks wieder auf die Palme. Zeit für eine kurze Zwischenbilanz.Knapp 600.000 € für das Borkenkäfer-Monitoring und über 37 Mio. € für das geplante Besucherzentrum „Ruhestein“ werden im Haushalt veranschlagt. Rund 10.000 ha umfasst der aus zwei Teilen bestehende Nationalpark, um den eine 500 m breite Pufferzone eingerichtet wurde, die angrenzende Waldbesitzer vor dem Borkenkäfer schützen soll. Hier kontrollieren Förster und Waldarbeiter regelmäßig auf Käferbäume, fällen und entfernen diese und stellen Fallen mit Lockstoffen auf, um die auf Fichten spezialisierten Buchdrucker und Kupferstecher zu überwachen.Befürworter des Nationalparks freuen sich über eine positive Käferbilanz 2016 mit dem geringsten Käferbefall seit drei Jahren: Gerade 496 befallene Bäume mit 757 Fm Holz mussten aus der rund 4.500 ha großen Pufferzone entfernt werden. Man ist sich allerdings durch alle Lager einig, dass nicht das Monitoring, sondern die feuchtkalte Witterung im Frühjahr den Käfer im Zaum gehalten hat.Der FDP-Landtagsabgeordnete und Forstexperte Dr. Friedrich Bullinger hat das Umweltministerium nach den Kosten für diesen Aufwand befragt. Wie die Antwort zeigt, kosten die Sach- und Dienstleistungen im Rahmen des Käfermonitorings fast 578.000 €. Hier schlagen allein die wetterfesten Outdoor-Tablets mit 20.000 € und die Ferngläser mit 3 600 € zu Buche. Das größte Ärgernis für Bullinger sind allerdings die Personalkosten: „Obwohl die Nationalparkverwaltung über 89 Mitarbeiter verfügt, werden beim Käfer-Monitoring zusätzlich externe Dienstleister beauftragt, 600.000 € Gesamtkosten sind für mich nicht nachvollziehbar!“Der CDU-Landtagsabgeordnete Patrick Rapp, zu Oppositionszeiten noch scharfer Gegner des Nationalparks, bezeichnet die 600.000 € als üppig, aber noch durchaus im Rahmen. „Wir bekennen uns – wie im Koalitionsvertrag festgelegt – zum Nationalpark, doch für mich liegt der volkswirtschaftliche Vorteil nicht auf der Hand“, kritisiert er. Insbesondere die positiven Folgen für den Tourismus seien hochgejubelt worden.Eine noch dramatischere Dimension nehmen die Kosten für das geplante Besucherzentrum auf dem Ruhestein ein: Die Kalkulation stieg innerhalb von gut zwei Jahren von 23 auf 32 Mio. €. Offenbar sei zu Beginn des Projekts der Umfang der nötigen Kompletterschließung nicht bekannt gewesen, so die Begründung des Umweltministeriums. Inklusive 3,4 Mio. € Risikovorsorge belaufen sich die Gesamtbaukosten auf exakt 31,93 Mio. €. Dazu kommen noch 3 Mio. € für die Inneneinrichtung und Dauerausstellung sowie 2,2 Mio. € für Parkplätze: alles in allem 37,13 Mio. €.Die Kosten für Käfermonitoring und Besucherzentrum hat auch die Bürger verärgert, die nun in der örtlichen Presse ihren Unmut in Leserbriefen äußern. Es wird vor allem vermutet, dass die Mehrkosten bewusst unterschlagen wurden, um das Projekt überhaupt realisieren zu können.

Daniel Haupt

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