Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
Der Pilz Hericium coralloides (Ästiger Stachelbart) kommt als Urwald-Reliktart auch auf Totholz im nachhaltig bewirtschafteten Wald vor. Foto: B. Mordziol-Stelzer/Hessen-Forst

„Korallen“ in Hessens Wäldern entdeckt

Ein spektakulärer Pilz wuchert aktuell im hessischen Wald: Der sogenannte Ästige Stachelbart sieht aus wie das Great-Barrier-Reef in Miniatur – strahlend weiß auf dunklen Buchenstämmen. Hessen-Forst fördert gezielt die Lebensbedingungen für diesen Exoten, damit der als Urwald-Relikt geltende Pilz auch künftig in den naturnah bewirtschafteten Wäldern zu finden ist.
Der Stachelbart, in der Wissenschaft Hericium coralloides genannt, wächst auf den Stämmen morscher Laubbäume sowie auf Totholz. Der Fruchtkörper ist korallenähnlich verzweigt, anfangs weiß und später blass-ockerfarben gefärbt.
Hessens „Wald-Korallen“ sind sogar genießbar. Sie sollen einen angenehmen, intensiven Geschmack und bei Magen-Darm Beschwerden sogar lindernde Wirkung haben. Verspeisen sollte man ihn trotzdem nicht: Der Pilz kommt zwar in ganz Mitteleuropa vor, gilt aber überall als sehr selten.
Naturnahe Waldpflege sichert Lebensräume
Aktuelle Forschungen haben den auffälligen Pilz auch in Hessen, unter anderem im Forstamt Hofbieber/Rhön, nachgewiesen. Frank Scheler, verantwortlich für den Waldnaturschutz beim Landesbetrieb Hessen-Forst, freut sich über die Bestätigungen: „Der Ästige Stachelbart zeigt, dass sich auch ausgesprochen seltene Arten im naturnah gepflegten Wald wohl fühlen. Für uns Förster ist es selbstverständlich darauf zu achten, dass dies auch künftig so bleibt. Deshalb überlassen wir besonders geeignete Bäume dem natürlichen Zerfall, so dass ihr Holz seltenen Arten als Lebensgrundlage dienen kann.“
Die reizvolle Aufgabe der Förster besteht darin, dass sie bei der Waldpflege die Nutz-, Schutz-und Erholungsfunktionen gleichzeitig im Blick behalten. Dabei sind Fachkunde und Fingerspitzengefühl gefragt. Kein Wunder also, dass auch gefährdete Arten sich in bewirtschafteten Wäldern wohlfühlen, wie der aktuelle Fund zeigt.
Unabhängige Experten bestätigen Naturnähe
Die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur unterstreichen, dass der hessische Wald besonders naturnah ist – im Bundesvergleich nimmt er die Spitzenposition ein. Die Experten haben berechnet, dass fast drei Millionen Kubikmeter Totholz in Hessens Wald zu finden sind. „Weil Artenvielfalt jedes Waldökosystem stabilisiert, überlassen wir gezielt einzelne, absterbende Bäume und totes Holz der Natur als Lebensgrundlage für viele Tier-, Pilz-und Pflanzenarten. Der Stachelbart ist ein Beispiel dafür“, so Scheler.
Weitere Infos zum Waldnaturschutz finden sich unter www.hessen-forst.de
Hessen-Forst
Faszinierende Natur: Der Ästige Stachelbart fühlt sich als Pilz im naturnah gepflegten Wald wohl. Foto: B. Mordziol-Stelzer/Hessen-Forst Der Pilz Hericium coralloides (Ästiger Stachelbart) kommt als Urwald-Reliktart auch auf Totholz im nachhaltig bewirtschafteten Wald vor. Foto: B. Mordziol-Stelzer/Hessen-Forst

Auch interessant

von