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Das Kärntnermesser

Den Offiziersmessern der Schweizer Armee sagt man nach, dass es für jedes Problem im Feld ein Werkzeug parat hat. So ähnlich schaut es auch beim Highlander, dem Harvester der Firma Konrad Forsttechnik, aus. Warum die Maschine so vielseitig ist, soll dieser Bericht erläutern.

Die Reise führt nach Vorarlberg, in die bewaldeten Hügel oberhalb Dornbirns. Dort arbeitet Werner Niederacher. Das Eschensterben ist auch in den Stadtwald vorgedrungen. Die vielen Wanderwege müssen sicher gemacht werden. Also heißt es, alle Eschen zu entnehmen. Daneben soll der Wald so aufgelichtet werden, dass sich Verjüngung einstellt. Da braucht es eine flexible Maschine und einen versierten Fahrer.

Werner Niederacher hat die Entwicklung des Highlander seit Langem begleitet Foto: A. Friedrich

Der Unternehmer erfüllt mit dem Highlander diese Anforderungen. Seit mehr als 20 Jahren hat er Harvestererfahrung. Er war der erste, der 1996 einen Woody-Kopf mit einem Menzi Muck verband. Das geschah vor allem, um die teure Maschine auch im Winter am Laufen zu halten. Die Sommerauslastung hatte er im Tiefbau sicher. Die Zusammenarbeit mit Konrad intensivierte sich, weil Werner Niederacher viel technisches Wissen einbrachte. Er ist ausgebildeter Maschinenschlosser und damit ein kongenialer Kunde für den Kärntner Hersteller. Bald fuhr Niederacher auch Vorführungen und war über Grenzen hinweg unterwegs, um das Konzept des Steilhangharvesters bekannt zu machen. Das tat auch seinem eigenen Ruf gut: Zwei Mounty 4000 liefen in Österreich und Deutschland, zehn Mann standen bei ihm in Lohn und Brot.

Neuorientierung

 

Heute sind die beiden Seilkräne verkauft, das Unternehmen auf drei Mann reduziert. Ein schwerer Arbeitsunfall 2010 war der eine Grund, Personalprobleme der andere. Während er entgegen der ärztlichen Prognose: „Sie werden nie wieder richtig gehen können“ schon seit einigen Jahre wieder auf Skiern steht, blieb nur eine Neuorientierung der Firma, um dem Fachkräftemangel auszuweichen. Der Highlander und ein Gremo 1050F sind nun seine Hauptmaschinen. Ein Woodliner und eine T-Winch ergänzen den Maschinenpark. Für ihn lag nahe, den Harvester von Konrad zu kaufen, nicht nur wegen der langen Verbundenheit mit dem Unternehmen: „Mit dem Harvester kann ich alleine genug für einen ausreichenden Lebensunterhalt verdienen“, erklärt er. Zudem sah er auch weiterhin im Steilhang seine berufliche Nische. „Da bietet der Highlander das beste Paket, weil für solche Einsätze konstruiert wurde. Der Highlander hat Steilhang-Eigenschaften, für die bei anderen Maschinen zu viele Firmen zusammenarbeiten müssten.“

Schwachstellen ausgemerzt

2012 wurde der Harvester umfangreich überarbeitet. In Österreich und im Ausland testete man, was der Highlander so aushält und merzte Schwachstellen aus. Parallel dazu entwickelte Konrad auch ein neues Aggregat, das eigentlich den Woody ersetzen sollte und als „Woody H61“ bekannt ist. Die grundlegende Konstruktion des Highlanders mit Plattform, um 2 m veränderlichem Radstand, lenkbaren Hinterrädern und Knicklenkung blieb erhalten. Das ist noch immer einzigartig. Das Konzept des hinter der Kabine angelenkten Kranes hat schon Nachahmer gefunden, endlos drehen kann aber nur der Highlander. Der Kran hat die gleiche Konstruktion wie beim Mounty. Er hat ein Hubmoment von 24 mt und gehört damit zu den stärksten am Markt. Die angegebenen 10,5 m Reichweite sind realistisch und können mit einem Trick auf fast 11 m verlängert werden. Der Unternehmer schätzt dabei sehr, dass alle Schläuche bis zum Aggregat im Kranprofil verlegt sind. Für ihn bedeutet das eine Sorge weniger und einen freien Kopf für die Arbeit. Mit der guten Rundumsicht und der Sichtachse direkt in der Flucht des Kranes befindet sich das Arbeitsfeld immer zentral im Blick des Fahrers. Vor allem seit der Überarbeitung 2012 ist es in der Kabine wohnlich geworden, wie Niederacher anmerkt. Der Highlander ist noch immer der einzige Harvester, bei dem die Traktionswinde von Beginn an mitgedacht wurde. 350 m Seil mit 13 mm Durchmesser (oder 300 m mit 14 mm) passen drauf. Nach über 3 500 Betriebsstunden hat Niederacher noch immer die Erstbestückung aufgelegt. Das spricht auch für die Wickelqualität. Doch mit dem Sich-am-Berg-halten ist es nicht getan. „Im Windwurf habe ich mehrmals Maschinen anderer Unternehmer aus dem Dreck oder aus Gräben herausgezogen oder andere Maschinen bei schwierigen Situationen gesichert. Das geht auch dank der guten Steuerung der Winde hervorragend. Bei 40 m Gassenabständen ist die Winde ideal für den Zuzug aus den Mittelblöcken geeignet. Da könnten andere Unternehmer eben nicht mit“, ist er froh über seinen Vorteil.

Aus dieser Perspektive wirkt der Highlander extrem schlank, fast wie ein Insekt Foto: A. Friedrich

Der Highlander dringt in Bereiche vor, die bislang für Seilbahnen reserviert scheinen. „Bis 70 % Hangneigung kann ich normal arbeiten. Ab dann wird es interessant.“ Niederacher will aber nicht übertreiben, die Grenzen der Physik kann auch er nicht ignorieren. Ein bissl mithelfen, sie hinauszuschieben, das tut er aber doch. Er besitzt allerhand Ketten und Bänder, für Fels und den Einsatz im Nassen. Denn obwohl der Highlander über 20 t wiegt, ist er gut auf Moorflächen. „Ganz schlüssig erklären kann ich das nicht, aber ich vermute, dass die gute Gewichtsverteilung und der zentrale, niedrige Schwerpunkt etwas damit zu tun haben.“ Auch im Steilhang hilft das. Wenn man dem Highlander so zusieht, dann rührt der sich kaum, auch wenn es deutlich über 50 % steil ist und der Baum mehr als 2 Fm hat. Der steht im Hang wie der berühmte Bock. Niederachers Highlander ist mit sechs Rädern ausgerüstet und hat damit auch Knicklenkung. Diese Version erscheint ihm für den Wald besser geeignet als die Vierradmaschine. Die extremen Einsätze im Fels sieht man vor allem den Rädern an den Bogieachsen an. Nach 3 500 Stunden haben sie schon viel Profil eingebüßt.

Eingebauter Steilhang

Wer mal die Motorhaube eines Highlanders offen sah, wird bemerkt haben, dass der Iveco-Diesel mit deutlicher Neigung nach vorne eingebaut ist. Der Motor hat also schon von Beginn an Schräglagenkompensation mitbekommen. Das hilft bei großen Neigungen. Mit 285 PS ist er nicht mehr der stärkste im Feld der Mitbewerber. Doch die Leistung reicht gut aus, um alle energieintensiven Funktionen mit ausreichend Öl zu versorgen. Niederacher: „Berichte von Motorschäden bei konventionellen Harvestern in Steillagen werden häufiger. Erste Hersteller schränken den Betrieb ihrer Maschinen ab bestimmten Neigungen ein. Das passiert dir beim Highlander nie. Der fährt immer.“ Er empfindet es nicht als Einschränkung, dass die kleineren Räder immer bergauf schauen müssen. „Der Highlander hat kein vorne oder hinten. Mit der Endlosdrehung arbeite ich in beide Richtungen gleich gut.“ Da fällt ihm natürlich wieder Deutschland ein, wo er bei Stammkunden wie den BaySF, in Thüringen oder Baden-Württemberg den Sommer verbringt. Beim Hinfahren in der Gasse arbeitet er die erreichbaren Bäume auf, bei der Rückfahrt mit nach hinten gerichteter Kabine die zugefällten Bäume. Dabei ist er auch nicht auf Kurzholz beschränkt. Wenn er im Schwarzwald tätig ist, wollen die Waldbesitzer oft Langholz sehen. Und das liefert er. Schneiden im Bestand, entasten, vermessen und die Stämme gleich auf der Klemmbank rausfahren. Das geht auch nur mit dem Highlander. „Für mich als weit angereister Unternehmer ist es unwirtschaftlich, neben dem Harvester einen Rückezug und einen Schlepper zu transportieren. Da ist der Highlander das richtige Werkzeug zum Langholz machen.“ Auch beim Abarbeiten von „Zufälligen Ergebnissen“ ist der Highlander im Vorteil. Das erledigt er alleine, wobei die hohe Fahrgeschwindigkeit auf Straßen manche Überstellung erübrigt. Im Flachland vermag der Highlander der Konkurrenz nicht ganz das Wasser zu reichen: „Aber 16-Euro-Durchforstungen in Deutschland kann ich auch mit Gewinn schneiden“, betont der Unternehmer. In den bunten deutschen Wäldern, wo auf einer Gasse gleich fünf unterschiedliche Bestände anzutreffen sind, sieht er die Maschine ohnehin unschlagbar, auch wegen des Kopfes.

Kopfsache

Seit Beginn läuft der Highlander mit Bio-Hydrauliköl: „Ist die Maschine so ausgeliefert worden, gibt es keine Dichtungsprobleme. Nur umgeölte Fahrzeuge bekommt man nicht dicht.“ Nach eigenen Angaben verliert Niederacher pro Jahr rund 400 l Öl im Wald. „Wenn ein Hauptschlauch flöten geht, dann sind schnell mal 200 l futsch. Da soll es besser Bioöl sein, das sich über den Waldboden verteilt“, erklärt er. Niederacher ist einer der wenigen österreichischen Unternehmer, die sowohl nach PEFC- als auch nach FSC-Kriterien zertifiziert sind. Von wegen der Ausschreibungen und so … Der Vorarlberger sieht einen weiteren Vorteil: „Bei Vergaben nach PEFC und FSC fallen die Ramsch-Unternehmer weg. Die zugelassenen Mitbewerber können alle kalkulieren. Der Wettbewerb ist da viel fairer.“

Der Woody H 61 funktioniert als Erntekopf genauso wie zum Einschneiden und Manipulieren von Holz. Innenliegende Schläuche am Kran sind bei Harvestern bisher die absolute Ausnahme. Foto: A. Friedrich

Ganz entscheidend bei der Arbeit ist das richtige Aggregat. Der Woody 60 war für die Ernte nicht optimal, weil man ihn am Baum nicht ganz senkrechte stellen kann. Konrad hat daraufhin mit dem Kopf Woody 61 H eine neue Linie gestartet. Geblieben ist die zentrale Versorgung über den Rotator, es hängen also keine Schläuche frei zwischen Kran und Aggregat. Das ermöglicht in diesem Falle auch die endlose Drehung des Kopfes – etwas, das auch nur Konrad schafft. Der Kopf ist ziemlich groß, er ist aufgestellt 1,55 m hoch. Er kann bis 75 cm abstocken und bis 65 cm asten. 4 t Vorschubkraft und bis zu 5 m/s Durchzug reihen ihn in den Starkholzbereich ein. Mit 1 220 kg Eigenmasse bleibt er gewichtsmäßig in dieser Klasse im Mittelfeld. Drei Merkmale unterscheiden das Aggregat ganz eindeutig von der Konkurrenz: Vier Rollen, Zopfsäge und Klappfunktion. Gut, vier Rollen hatten auch schon andere Hersteller verwendet, aber da meistens bei Schwachholzköpfen. Hier läuft starkes Holz durch und die zwei Walzen im Chassis ermöglichen es, die Räder der beweglichen Walzen schmaler zu halten. Damit ist eine andere Geometrie möglich. Der Baum wird besser gehalten und läuft leichter durch die Messer, weil die Rollen mehr von unten ansetzen als seitlich wie beim alten Woody.

Die Zopfsäge ist noch immer eine Konrad-Besonderheit. Laut Verkaufsberater Manfred Schmerlaib wird jeder Kopf mit diesem Extra ausgerüstet. Schon beim Zuschauen ist der Vorteil der Zopfsäge deutlich zu merken. Das gilt besonders im Laubholz, wenn ein grober Steilast abzutrennen ist. Da braucht es keine Stoppuhr, um zu erkennen, dass die Ausformung besser ist und die Aufarbeitungszeit sinkt. Mit einem herkömmlichen Aggregat wäre im Ernstfall die Motorsäge hervorzuholen, hier genügt ein Knopfdruck und der Ast ist Geschichte.

Der Klappmechanismus der ersten Aggregatserie blieb erhalten und schwenkt den unteren Teil des Kopfes mit Antriebsrollen und Sägekasten aus der Greiferebene. Damit kann der Fahrer schon im Bestand sortieren, wenn er zu seinem Forwarderkollegen nett sein will oder eben das Langholz beim Einsatz der Klemmbank manipulieren. „Beim Auflegen der Traktionsbänder ist es auch besser, wenn die empfindlichen Teile des Aggregates aus dem Weg sind“, bemerkt Niederacher beiläufig.

Die Maschine passt gut zum Unternehmer. Der ist nämlich auch universell im Einsatz. Er ist Sprecher der Forstunternehmer Vorarlbergs in der Wirtschaftskammer und verhandelt so die Kollektivverträge mit. Dazu kommt, dass er im Vorstand des Forstunternehmerverbandes ÖFUV sitzt und die Interessen der westlichen und kleineren Betriebe vertritt.

Seine Passion für den Werkstoff Metall hat ihn aber nicht verlassen. Auch für den Gremo-Forwarder hat Niederacher Pläne: Er soll eine Highlander-Winde bekommen. Den Stahlbau wird er selbst anfertigen, für den Regelteil wird Konrad sorgen. Und es gibt noch einiges andere, was der sympathische Unternehmer auf Lager hat.

Anton Friedrich

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