Herbstlicher Waldweg
Treffpunkt Waldweg. Hier kann es zwischen Forstleuten und Waldbesucherinnen und -besuchern schon mal zu Konflikten kommen. Warum, und welche Perspektiven es dabei gibt, zeigt ein neues Projekt zur konstruktiven Kommunikation im Wald auf.
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Konflikte im Wald – Warum sich ein Perspektivwechsel lohnt

02. November 2022
In aktuellen Diskussionen um den Wald treten Gemeinsamkeiten zwischen Naturschutz und Waldbewirtschaftung scheinbar in den Hintergrund. Doch haben nicht alle ein gemeinsames Interesse – einen gesunden Wald? Ein neues Projekt verweist auf die Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA BW) warf in ihrem zuletzt erschienenen Newsletter die Frage auf, wie eine gute Kommunikation im Wald gelingen und wie sie Konflikte reduzieren kann. Bereits vor zwei Jahren ist eine Broschüre zum Streit um den Wald erschienen. Darin hat die FVA BW mögliche Konfliktpotenziale genauer untersucht.

Nun ist ein neues Projekt gestartet, dass sich auf humorvolle Weise mit den Akteuren im Wald und ihren Bedürfnissen auseinandersetzt. Das Ziel? Den Austausch fördern und Akteure ermutigen, aufeinander zuzugehen.

Streit und Sorge um den Wald

Der Zustand des Waldes und die Fragen um seine Zukunft regen derzeit viele Debatten in der Bevölkerung und in den Medien an. Mit ihnen nehme aber auch das Konfliktpotenzial zu, so die FVA BW. Auf der einen Seite werden Forderungen nach einer Stilllegung der Wälder laut, auf der anderen Seite wird der nachwachsende Rohstoff Holz und seine Kohlenstoffspeicherfunktion und damit eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in Deutschland benötigt. Ende 2021 ist beispielsweise ein SWR-Bericht entstanden, der das „Feindbild Förster“ und den Konflikt dahinter in zwei Perspektiven erzählt.

Der FVA BW ist wichtig, dass festgefahrene Bilder aus der Welt geschaffen werden. Man solle vielmehr Kluften überwinden und in den Dialog treten, sagte Prof. Ulrich Schraml von der FVA BW im SWR-Interview. Die Broschüre aus 2020 zeigt bereits den Kern der Streitigkeiten: Alle Akteure im Wald haben eine emotionale Beziehung zum Wald. Forstleute haben sich nicht ohne Grund für ein Berufsleben in der Natur entschieden, heißt es u. a. darin.

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Karikatur zu Konflikten im Wald
Das Projekt „Waldeslust statt Waldesfrust!“ soll die konstruktive Kommunikation und einen Dialog auf Augenhöhe fördern - humorvolle Karikaturen stützen das Vorhaben.
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Die Folgen des Klimawandels haben den Wald leiden lassen und mit ihm leiden auch die Menschen. Um gemeinsame Lösungen zu finden, zeigt die FVA BW offene Fragen und Sorgen auf: „Wie sollen die Wälder geschützt und bewirtschaftet werden, um sie auch in Zukunft für Mensch und Natur zu erhalten? Welche Maßnahmen sind sinnvoll und welche nicht? Und wie lassen sich die vielen verschiedenen Interessen in Bezug auf den Wald miteinander vereinbaren?"

Perspektivwechsel mit Humor

„Waldeslust statt Waldesfrust!“ heißt das neue Projekt der FVA BW, in dessen Rahmen mehrere Karikaturen, Porträtfotos von Waldakteuren und ein Erklär-Film entstanden sind. Mitgewirkt haben dafür Forstleute sowie Engagierte aus Bürgerinitiativen, schreibt die FVA BW auf der Projektwebsite. Mit dem selbstkritischen Perspektivwechsel aller Waldakteure wolle man eine wertschätzende Kommunikation im Wald und damit Lösungswege für den Wald fördern.

Die Bedürfnisse der verschiedenen Interessengruppen seien teils für das Gegenüber nicht erkennbar und daher nicht nachvollziehbar. „Das wäre aber wichtig, um einander zu verstehen und so gemeinsam die besten Lösungen für Wald und Mensch zu finden“, heißt es im Erklär-Video. Eine nachhaltige Entwicklung gelänge nur, wenn verschiedene Sichtweisen auf Konflikte berücksichtigt werden. Toleranz und Transparenz seien daher der Schlüssel zu einem Wald ohne Streitigkeiten. Denn eines zeige das Konfliktpotenzial rund um den Wald: „Im Grunde wollen alle nur das Beste für den Wald.“

Mit Material der FVA BW

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