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Stadt Boppard: Wald für den Klimawandel

Seit 23 Jahren ist Dr. Walter Bersch Bügermeister der Stadt Boppard am Mittelrhein. Die Stadt ist mit über 3.000 ha Wald zweitgrößter kommunaler Waldbesitzer in Rheinland-Pfalz.

Boppard hat bereits seit 1998 eine Naturland- und FSC-Zertifizierung und sich damit zu einer besonders ökologischen Wirtschaftsweise verpflichtet. Auch aus wirtschaftlicher Sicht hat das immer gut funktioniert. Bis auf das letzte Jahr.

Glücklicherweise ist die Stadt nicht existenziell vom Wald abhängig wie viele andere Kommunen. Es wird trotzdem darauf geachtet, mit dem Forstbetrieb schwarze Zahlen zu schreiben. Für die Bewirtschaftung zuständig sind zwei Revierförster und sechs Forstwirte. Der Forstbetrieb erwirtschaftet mit einem Holzeinschlag von durchschnittlich 12.000 Fm einen Umsatz von rund 600.000 €. Qualitativ hochwertige Erdstämme werden der Holzindustrie konzentriert auf dem Wertholzplatz angeboten.

Seilkrantechnik im Niederwald

Auf rund 500 ha stocken Niederwälder im Steilhang, die mit der Gebirgsseilkrantechnik bearbeitet werden und die Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz sicherstellen.

In den vergangenen 20 Jahren hat die Stadt den Nadelholzanteil in ihren Wäldern in etwa halbiert. Aktuell liegt der Nadelholzanteil bei 15 %. Daher ist Boppard glücklicherweise nicht so stark von der Borkenkäferkalamität betroffen.

Weitere Einnahmen der Kommune ergeben sich aus der Jagdpacht der 15 Jagdbezirke und einem 2013 eröffenten Ruhewald.

Biotp- und Artenschutz

Der Stadtwald liegt im Landschaftsschutzgebiet Mittelrhein und ist überwiegend Natura-2000-Gebiet. Zusätzlich wird der Aufbau stabiler und leistungsfähiger Mischwälder angestrebt, die strukturreich und gegenüber Umweltveränderungen anpassungsfähig sind und einer Vielzahl von Arten als Lebensraum dienen. Im Zuge der künstlichen Verjüngung und unter Mitwirkung vieler Bürgergruppen wie Kleinkindern, Sportlern, Nachbarschaften und Hochzeitspaaren setzt die Stadt auf heimische, wärme und klimaangepasste Baumarten wie Elsbeere, Speierling, Wildobst und Nuss, die den Strukturreichtum befördern und als Edelhölzer einen hohen Marktwert erwarten lassen. Sie nehmen inzwischen eine Fläche von etwa 40 ha ein und sind ebenso Beispiel für die Integration des Naturschutzes in die Bewirtschaftung wie die Ausweisung von Biotop-, Alt- und Totholzgruppen.

Tourismus und Naherholung

Die Stadt weiß um die hohe Qualität der Naherholung, der Gesundheit und des sich Wohlfühlens. Der Stadtwald trägt im besonderen Maße zur Attraktivität der Tourismusstadt Boppard bei.

Rund 200 km Wanderwege führen zwischen Tal und Hunsrückhöhen durch dichte Wälder, aber auch zu schönen Taleinschnitten und Aussichtspunkten. Einige Fernwanderwege, Traumschleifen und sogar Klettersteige locken jährlich tausende Erholungssuchende an.

Veranstaltungen wie die Köhlertage, Mountainbike-Rennen und Wanderevents bieten Kulturinteressierten und Sportlern ein attraktives Angebot.

Ein professionell angelegter Bikepark, eine Downhillstrecke für Mountainbiker und ein Paragliding-Startplatz sind die Highlights für Extremsportler. Dagegen fördert das Waldbaden Entspannung und Wohlbefinden. Bersch hat den Eindruck, das diese Vorgehensweise der Stadt auch Anerkennung bei den vielen Besuchern findet, die nach Boppard kommen. Knapp 1 Mio. Tagesbesucher und 350.000 Übernachtungen zählt der Tourismusverband. Dabei schätzen die Besucher nicht nur, gut zu essen und zu trinken, sondern auch das besondere Naturerlebnis, wenn man in dem großen Stadtwald unterwegs ist.

Der Wald der Bürger

Im Rahmen zahlreicher Pflanzaktionen übernehmen Paten die Wiedereinbringung klimaangepasster Baumarten in den Wald. Die Bürger pflanzen unter fachlicher Leitung der Förster Setzlinge und erfahren die komplexen und langwierigen Zusammenhänge im Wald. Hochzeitspaare, junge Eltern, Kindergarten- und Schulgruppen, Kultur-, Nachbarschafts- und Sportvereine: allen ist gemein, sich für einen klimastabilen und vielfältigen Stadtwald einzusetzen und etwas für die Zukunft zu schaffen. „Boppard setzt nicht auf den schnellen Euro sondern darauf, dass auch die Nachkommen etwas von ihrem Wald haben“, bringt es Bürgermeister Bersch auf den Punkt.

Onlinevoting

Stimmen Sie online mit ab: Ab dem 1. Juni können Sie unter www.deutscher-waldpreis.de einem der drei Finalisten des DEUTSCHEN Waldpreises in allen Kategorien Ihre Stimme geben.

 

Projektpartner und Sponsoren des DEUTSCHEN Waldpreises 2020

Das sind die Sponsoren des Deutschen Waldpreises 2020
Das sind die Sponsoren des Deutschen Waldpreises 2020 Grafik: dlv

 

Rainer Soppa

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