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Kommunalwald kontra Wildnis

Die Wildnis- und Stilllegungspläne des Bundesumweltministeriums (BMUB) und Bundesamtes für Naturschutz (BfN) richten sich gegen die Interessen der Menschen und der Landnutzer mit dramatischen Folgen für Gesellschaft, Forst- und Holzwirtschaft und ländliche Regionen. Die Bürgermeister fordern deshalb das BMUB auf, die im Rahmen seiner „Naturschutz-Offensive 2020“ angekündigte Initiative in der Umweltministerkonferenz zu stoppen.

„Bürgermeister waldbesitzender Städte und Gemeinden lehnen die vom Bundesumweltministerium und Bundesamt für Naturschutz in einer bislang ungeahnten Dimension geplanten Wildnisgebiete in Deutschland ab. In einer so dicht besiedelten Kulturlandschaft wie Deutschland schaffen Totalreservate gravierende Probleme, weil nach europäischen Standards in den Kernzonen der Tourismus, Forst-, Land-, Weidewirtschaft, Jagd und Brennholzsammeln generell verboten sind und permanente Infrastruktur wie Gebäude und Straßen entfernt werden müssen“, so der Vorsitzende des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald“, Verbandsdirektor Winfried Manns (Mainz), anlässlich der Bundestagung des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald“ am 23. November 2015 in Burbach (Siegerland).
Berechnung der volkswirtschaftlichen Gesamtkosten
Kritisch sehen die Kommunalwaldvertreter insbesondere, dass BMUB und BfN die Frage nach Kosten und Finanzierung von Wildnis und Waldstilllegung völlig ausblenden. Sie fordern zunächst eine Berechnung der volkswirtschaftlichen Gesamtkosten und des Nutzens zusätzlicher Naturschutzleistungen. Hierzu gehört die Bestimmung der Kosten durch den Verzicht auf die Rohholzproduktion einschließlich der Auswirkungen auf Holzindustrie, Arbeitsplätze im ländlichen Raum und die Strom- und Wärmeerzeugung im Bereich Erneuerbarer Energien, Mehraufwendungen und Mindererträge durch Bewirtschaftungssauflagen (z.B. laubholzorientierter Waldumbau auf rd. 227.000 Nadelforst in Wildnisentwicklungsgebieten und damit Verzicht auf ertragreiche Nadelholzbaumarten) und Ermittlung des Beitrags von Wildnis zu regionalen Wertschöpfungsketten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft soll das Thünen-Institut mit der Bestimmung der volkswirtschaftlichen Gesamtkosten beauftragen.
„Die Situation in Deutschland ist nicht vergleichbar mit Skandinavien, Kanada oder Nordrußland, wo es noch großflächige, intakte und natürliche Waldökosysteme gibt. Da die heimischen Wälder auch nicht die wirklichen Brennpunkte des Naturschutzes sind, geht es offensichtlich nicht um Sach-, sondern vielmehr um Machtpolitik. So wurden die Prozentvorgaben für Waldstilllegungen und Wildnis nicht auf Basis wissenschaftlicher Ergebnisse ermittelt, sondern entsprechen pauschalen Forderungen des Naturschutzes und der Umweltverbände. Damit betreibt das Umweltressort und seine Ressortforschungseinrichtung auf dem Rücken der örtlichen Bevölkerung, auf Kosten der Steuerzahler und zu Lasten der Haushalte von Ländern und Kommunen Klientelpolitik zugunsten der Umweltverbände und deren politischen Unterstützern“, so Manns.
Bestätigt fühlen sich die kommunalen Waldbesitzer in ihrer Kritik durch eine ak-tuelle Stellungnahme des Wissenschaftsrates zum BfN. Der Rat stellt fest, dass das BfN seine Arbeit in hohem Maße an der traditionellen Perspektive des bewahrenden Naturschutzes ausrichtet. Seine Empfehlung: Das BfN soll den Wandel des Naturschutzes durch die stärkere Berücksichtigung eines dynamischen Systemverständnisses vorantreiben und einen breiten gesellschaftlichen Diskurs für die Entwicklung eines Naturbegriffs und Naturschutzverständnisses der Zu-kunft anzustoßen.
Forstpolitik soll Konflikte regeln
„Wald ist mehr als Wildnis. Notwendig ist eine ganzheitliche Betrachtung. Wälder erfüllen nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Funktionen. Wir fordern daher das BfN zu einem Paradigmenwechsel auf. Mit seinem wissenschaftlich überholten konservierenden Naturschutzansatz schürt das BfN die Konflikte zwischen den verschiedenen Interessengruppen und verschärft die Probleme in Deutschland beim Klimaschutz, dem Klimawandel und der Energiewende. Hier ist jetzt die Forstpolitik gefragt, diese Konflikte zu regeln“, sagt Manns.
Geht es nach den Plänen vom BMUB und BfN, sollen die Visionen aus der von der Bundesregierung in 2007 beschlossenen Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) jetzt konkret umgesetzt werden. Bis 2020 sollen Länder und Kommunen 10 % ihrer Wälder stilllegen und große Waldgebiete für Wildnis zur Verfügung stellen. Im Fokus des BfN stehen derzeit 337 großflächige Waldgebiete (>1.000 ha) mit einer Gesamtfläche von rd. 700.000 Hektar. Um welche Waldgebiete es sich konkret handelt, wird vom BfN bislang geheim gehalten.
Von den 11,4 Mio. ha Wald in Deutschland sind 48 % Privatwald. 29 % des Waldes sind im Eigentum der Länder, 19 % im Eigentum von Körperschaften und 4 % im Eigentum des Bundes.
DStGB

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