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Kommunale Waldbesitzer kritisieren Forderung nach Einschlagsstopp in alten Buchenwäldern

Die Forderung der Umweltverbände nach einem Einschlagsstopp für alte Buchenwälder und deren pauschale Behauptung, die Forstwirtschaft zerstöre das Waldnaturerbe Deutschlands, stößt auf massive Kritik kommunaler Waldbesitzer. „Im Bewusstsein, dass die Deutschen ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Wald haben, sollen hier allzu offensichtlich Ängste und Sorgen geschürt werden, um daraus verbandspolitisches Kapital zu schlagen, indem sich NABU, BUND und Greenpeace als Retter des vermeintlich bedrohten heimischen Waldes generieren“, so der Vorsitzende des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald“, Verbandsdirektor Winfried Manns.

Manns fordert die Umweltverbände auf, sich in der politischen Diskussion um die Zukunft des Waldes an den Fakten zu orientieren anstatt die Bürgerinnen und Bürger mit „Schwarz-weiß Ideologie“ zu verunsichern. Immerhin habe sogar das Bundesamt für Naturschutz der deutschen Forstwirtschaft eine hervorragende Leistungsbilanz bescheinigt, wonach die Entwicklung der Biodiversität im Wald schon heute einen Zielerreichungsgrad von 81 % aufweise und damit an der Spitze aller Flächennutzungen liege. Dies belege, dass Naturschutz und Holznutzung in unseren heimischen Wäldern keine Gegensätze seien. Vielmehr habe die Forstwirtschaft über Jahrzehnte hinweg genau erst die wertvollen Waldbiotope geschaffen, die heute die Begehrlichkeiten der Umweltverbände auf den Plan rufen und aus denen sie nun die Forstwirtschaft verbannen wollten. Deutschland brauche wie Europa den nachwachsenden Rohstoff Holz. Dabei sei Deutschland das waldreichste Land in Europa, aber außer in Deutschland sei kein wesentlicher Anstieg des Holzeinschlages zu erwarten. Wissenschaftler prognostizierten bereits bis zum Jahre 2020 eine Unterversorgung von bis zu 400 Mio. m3 in Europa.

Allerdings reiche bereits heute die Waldfläche Deutschlands nicht aus, um den inländischen Bedarf an Rohholz für die stoffliche und energetische Holzverwertung zu decken. Um die ambitionierten klimapolitischen Ziele erreichen zu können, prognostizierten Experten einen jährlichen Anstieg des Holzverbrauches um 40 Mio. Fm bis zum Jahre 2020. Dazu müsste der Holzeinschlag um 50 % gesteigert werden. Bereits im Jahr 2010 hatte Deutschland deutlich mehr Rohholz ein- als ausgeführt. Laut dem Statistischen Bundesamt standen Exporten von 3,3 Mio. m3 Rohholz. Einfuhren von 6,8 Mio. m3 gegenüber. Dabei belief sich der Holzeinschlag in Deutschland auf rund 54,4 Mio. m3. Das waren 6,3 Mio. m3 mehr als 2009, jedoch 4,6 Mio. m3 weniger als im Mittel der Jahre 2004 bis 2009.

Die von den Umweltverbänden geforderte Stilllegung von 10 % des öffentlichen Waldes bzw. alter Buchenwälder schade nicht nur der Energiewende, sondern gefährde auch die gesamte deutsche Laubsägeindustrie. Der daraus entstehende volkswirtschaftliche Schaden wird von Experten auf jährlich bis zu 2 Mrd. Euro geschätzt. Dies entspräche etwa 42.000 Arbeitsplätzen im Cluster Forst und Holz. Zudem müsse das fehlende Holz dann aus Ländern wie Indonesien, Malaysia oder Sibirien importiert werden, in denen sich die Umweltverbände für den Erhalt der letzten Urwälder engagieren.

Manns: „Die Tatsache, dass Holz bei anhaltend starker Nachfrage zum knappen Gut wird und die Forderung nach Stilllegung der Wälder passen nicht zusammen. Um die Herausforderungen der Energiewende zu meistern, müssen die Umweltverbände mit den Waldbesitzer und Forst- und Holzbranche an einem Strang ziehen“. Manns appelliert daher an die Umweltverbände, die Probleme anzugehen, die dem Wald wirklich helfen würden und das sei eine gerechtere Förderung des Waldes und der Forstwirtschaft. So gebe es in Deutschland immer noch erstaunliche und nicht zu rechtfertigende Unterschiede zwischen der Förderung der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft. Während Privatwald im Durchschnitt mit ca. 14 Euro je ha gefördert werde, erhielten landwirtschaftliche Haupterwerbsbetriebe rund 424 Euro je ha einschließlich Agrarumweltmaßnahmen (BMELV 2008). Bemerkenswert seien auch die immensen Unterschiede zwischen Land- und Forstwirtschaft beim Einsatz vom Vertragsnaturschutz. So betrug beispielsweise die Gesamtförderung im Rahmen von Agrarumweltprogrammen 2005 in Deutschland ca. 750 Mio. Euro, für Vertragsnaturschutz im Wald wurden lediglich ca. 4 Mio. Euro aufgewendet (- 0,5 %).

Deutscher Städte- und Gemeindebund

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