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Wald ist Klimaschützer Kampagnenfoto

Kommt die CO2-Prämie?

Die Agrarministerkonferenz in Weiskirchen hat sich dafür ausgesprochen, den Waldbesitzern eine Prämie für die CO₂-Speicherung zu gewähren. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagte am 25. September: „Wenn wir CO₂-Emissionen einen Preis geben, dann müssen wir umgekehrt auch diejenigen honorieren, die unseren Wald als maßgeblichen Klimaschützer erhalten.“

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzer (AGDW) und der Deutsche Forstwirtschaftsrat fordern genau das seit langem. Der deutsche Wald speichert den Informationen der AGDW zufolge pro Jahr 58 Mio. t CO₂, dazu kommen durch Holzverwendung und Substitution weitere 69 Mio. t CO₂. In der Summe sind das 127 Mio. t, die rund 14 % des CO₂-Ausstoßes in Deutschland entsprechen.

Vorschlag der AGDW

Die AGDW hat bereits ein Modell vorgeschlagen, wie man diese Leistung honorieren könnte: Basis ist die CO₂-Steuer, die ab 2021 erhoben wird. Sie beträgt zunächst 25 €/t und steigt 2025 auf 55 €/t. Die AGDW multipliziert diesen Preis mit dem Faktor 4,5 und kommt damit auf eine Prämie von 112,50 € pro Hektar und Jahr; 2025 steigt sie auf 250 € an.

In der Politik gibt es für diese CO₂-Prämie, die auch Baumprämie genannt wird, einige Sympathie. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe sucht im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums seit Anfang des Jahres eine Lösung. Es wäre die erste Flächenprämie in der Forstwirtschaft überhaupt. Sie soll einerseits nicht so hoch sein, dass die Waldbesitzer auf die Holznutzung verzichten. Andererseits soll sie keineswegs nur deshalb fließen, weil man Waldbesitzer ist.

Der Brandenburgische Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) sagte zum Beispiel, dass die Zahlungen keine zusätzliche Einnahmequelle für Großgrundbesitzer werden soll. Sein saarländischer Kollege Reinhold Jost (SPD) erklärte, dass sie nur sinnvoll sei, wo es um den klimaverträglichen Waldumbau und die Steigerung von Umweltleistungen geht.

Forderungen der Naturschützer

Die Naturschutzverbände fordern ohnehin ökologische Auflagen. Eine Prämie ausschließlich auf der Basis des Holzzuwachses lehnt beispielsweise der NABU ab. Er schlägt Auflagen vor wie „Förderung heimischer Laubbaumarten, Erhöhung des Totholzanteils, reduzierte Befahrung, Förderung alter Wälder, dauerhaften Verzicht auf die Waldbewirtschaftung oder auch die Zertifizierung nach anspruchsvollen Siegeln wie FSC oder Naturland.“

Grundsätzliche Zweifel

Es gibt sogar grundsätzliche Zweifel. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte der Westfalenpost: „Ich kenne noch kein Modell einer Baumprämie, das ausgereift ist.“ Die Einnahmen aus der CO₂-Steuer seien als Grundstock für die Baumprämie nicht geeignet. „Mit dem Geld werden wir zunächst die EEG-Umlage senken, damit Verbraucher und Industrie weniger für Strom bezahlen müssen.“

Nicht zuletzt gibt es ungeklärte Fragen: Was ist, wenn Stürme oder Feuer die Wälder vernichten? Oder wenn ein Waldbesitzer in seinem Wald kräftig Holz einschlägt? Muss die Prämie dann zurückgezahlt werden? Es gibt außerdem die Sorge, dass der Wald in Zukunft nicht mehr soviel CO₂ speichern wird wie heute und seine Senkenfunktion abnehmen könnte. Je nach Alter des Waldes und ob Trockenheit und Schädlinge das Wachstum beeinflussen, könnte er dann sogar mehr CO₂ freisetzen als er aufnimmt.

Grüne bremsen Klöckner aus

Der hessische Waldbesitzerverband sieht mittlerweile eine Verhinderungstaktik bei der Einführung der CO2-Prämie. Der geschäftsführende Direktor Christian Raupach sagte am 6. November, dass die grünen Forst- und UmweltministerInnen der Länder Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ausbremsen. „Dabei geht es nicht um eine Flächenförderung aus Steuermitteln, wie in der Landwirtschaft. Es geht um die Abgeltung einer Leistung der Waldeigentümer, die sich die Bundesregierung von der Industrie bezahlen lässt, die Mittel aber den Waldeigentümern vorenthält.“

Oliver Gabriel

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