Holztransport

Kommentar: Ist die Länge entscheidend?

Bearbeitet von Heinrich Höllerl

In jüngster Zeit treibt die Genehmigungspraxis für Langholztransporte in den verschiedenen Bundesländern die tollsten Blüten. Da ist von kommenden Bundesregelungen die Rede, in deren Erwartung beispielsweise Bayern und Baden-Württemberg schon mal vorsorglich die maximalen Stammholzlängen von 21 m auf 19 m einkürzen. Von solchen nachgerade paradiesischen Verhältnissen können die angrenzenden Thüringer nur mehr träumen: Hier sind de facto nur mehr 16 m transportfähig. Den Vogel schießen derzeit jedoch die Hessen ab, die mit einem Genehmigungswirrwarr auf Landkreisebene (!) den Langholztransport im eigenen Land quasi völlig zum Erliegen bringen. Das gilt jedoch nur für die einheimischen Fahrer – Transporteure aus den Nachbarländern dürfen weiterhin nach den Regeln ihres Heimatbundeslandes unterwegs sein.

Die Diskussion über eine vernünftige Transportlängenbegrenzung ist voll entbrannt. Aus der Sicht des Transportunternehmers ist lässt sich relativ schnell sagen: Hauptsache, es gibt möglichst schnell eine bundeseinheitliche Regelung und unbürokratische Dauerfahrgenehmigungen. Schließlich wäre der Lkw auch mit 16-m-Stämmen problemlos auszuladen und im Zeitalter der grassierenden Kreiselitis lenkt es sich kürzer sogar einfacher durch die Lande.

Großes Wehgeschrei kommt jedoch wieder einmal vom Sägerverband und auch die Waldbesitzer befürchten Mindereinnahmen, wenn sie Ihre Stämme künftig nur noch 19 m lang aushalten dürfen. Eine umfangreiche Simulation an der Forstuniversität in Göttingen hat die unterschiedlichen Deckungsbeiträge für typische Fichtenstämme im Alter von 60, 80, 100 und 120 Jahren bei Transportgrenzen von 16, 17, 18, 19, 20 und 21 m berechnet. Dabei kam heraus, dass sich die Erlössituation für den Waldbesitzer erst unterhalb von 19 m signifikant verschlechtert. Der Kunde bekommt bei einem 19-m-Stamm im Durchschnitt eine etwas bessere Qualität, weil der Anteil an astigem Oberholz sinkt. Dass der Vorteil der flexiblen Längeneinteilung drastisch geschmälert wird, wenn der Baum zwei Meter kürzer ist als bisher, erscheint doch mächtig übertrieben. In vielen Fällen wird es sich lohnen eine zweite Stammholzlänge auszuhalten.

Für die Transportwirtschaft wäre es wichtiger, das 44-t-Ziel durchzusetzen, um die Wettbewerbsnachteile in der Tonnage gegenüber den Nachbarländern etwas auszugleichen. Dafür hat die AGR-Studie ja auch gute Argumente zusammengetragen. Wenn die Fahrzeuge sich im Gegenzug längenmäßig künftig mit 25 m bei den „normalen“ Lang-Lkw einreihen müssen, wäre das für die Branche kein großer Verlust.

Heinrich Höllerl