Forstpolitik Naturschutz, Landschaftspflege

Kommentar: Greenpeace zeigt Zerrbild der Forstwirtschaft

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Naturschutz tut not, auch und gerade im Wald. Es ist im Sinne eines jeden Waldbesitzers und jeder Waldbesitzerin, egal ob privat, kommunal oder staatlich, die Vitalität der Wälder hoch zu halten und zu stärken, um sie an künftige Generationen weitergeben zu können. Dazu gehört logischerweise ein intaktes Ökosystem Wald. Das ist jedem klar, der im Wald tätig ist, und sei als Vorbemerkung zu diesem Kommentar vorweggeschickt.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat eine Petition mit dem Titel „Waldsterben stoppen“ gestartet und dazu einen ergänzenden Artikel mit dem Titel „Folgen der Forstwirtschaft“ veröffentlicht. Mit beidem unterstellt Greenpeace, dass gerade die Waldbewirtschaftung die Ursache für den schlechten Zustand der Wälder in Deutschland ist und nicht etwa der menschengemachte Klimawandel, der die Dürren der vergangenen Jahre erst hervorgerufen hat und dessen Ursachen viel mehr in der allgemeinen Turbo-Konsumgesellschaft zu suchen sind als in der Waldwirtschaft.

Mit anderen Worten: Greenpeace redet die Forstwirtschaft schlecht, um das Thema Wald für sich zu kapern. Die Grundlage dafür liefert eine Studie des Biologen und Professors für Naturschutz Pierre Ibisch mit dem Titel „Der Wald in Deutschland auf dem Weg in die Heißzeit“. Über Details dazu möge sich jeder selbst ein Bild machen, ihre Analyse würde den hier verfügbaren Rahmen sprengen.

Kernaussagen sind aber, dass sich aufgelichtete Bestände und Kahlflächen stärker erwärmen als geschlossene Wälder. Zudem werde auf den neu entstandenen Kahlflächen viel CO2 freigesetzt statt gespeichert. Generell stellt Ibisch Vitalitätsverluste im deutschen Wald fest. Daraus zieht er die Schlussfolgerung, dass bei der Bewirtschaftung das Kronendach so weit wie möglich geschlossen bleiben sollte. Soweit so nachvollziehbar. Jetzt schauen wir uns an, was Greenpeace daraus macht.

Die Forstwirtschaft ist schuld!

Der generelle Tenor bei Greenpeace ist: Die intensive Forstwirtschaft ist schuld am schlechten Zustand der Wälder, und das wird von der Politik verschwiegen. Aber wer sollte Interesse an der Zerstörung des deutschen Waldes haben? Die Waldbesitzer, die auf ihn als dauerhafte Einkommensquelle angewiesen sind? Die Holzindustrie, die ein verlässliches, nachhaltiges Rohstoffangebot benötigt? Für Greenpeace steht der Schuldige für den Zustand des deutschen Waldes jedenfalls fest. Eine ähnliche Argumentation kennt man von den Corona-Querdenkern: Geheime Kreise verschweigen euch die Wahrheit und verfolgen im Verborgenen ihre finsteren Pläne!

Um das darzulegen, hangelt sich Greenpeace an einigen Stichworten entlang, die wir hier auf Stichhaltigkeit prüfen wollen. Es beginnt mit dem Holzhammerschimpfwort „Monokultur“. Greenpeace führt alle Nachteile an, die so eine Monokultur mit sich bringt, hinsichtlich Lebensraum und Anfälligkeit der Bäume. In der Tat hat man lange Zeit auf Reinbestände gesetzt. Die Fichtenbestände die in den vergangenen Jahren der Dürre und dem Borkenkäfer zu Opfer fielen, sind zumeist deutlich über 50 Jahre alt. Seit mindestens 30 Jahren pflanzt kaum noch jemand Reinbestände in großem Stil und schon gar nicht reine Fichte. Ein Fakt, den Greenpeace lieber unter den Tisch fallen lassen hat. Passt auch nicht so gut zur Story.

Fremde Baumarten und schwere Forstmaschinen

Weiter geht es mit den „Standortfremden Baumarten“. Hier werden vor allem Fichte und Kiefer verteufelt und das hohe Lied auf die Buche gesungen. Nichts erfährt man allerdings von den Gründen, warum Fichte und Kiefer angebaut worden sind, außer natürlich die Mär vom schnellen Profit. Klar, schon nach 80 Jahren können die Waldeigentümer mit der Fichte richtig Kohle scheffeln. Dass man die Fichte früher als Grubenholz im Bergbau benötigte und noch früher als Energielieferant zur Eisenverhüttung oder zur Salzsiederei, und dass sie sich später als hervorragendes Bauholz erwiesen hat, diese historischen Gründe für den Fichtenanbau verschweigt Greenpeace wieder lieber, um die Waldeigentümer der eigenen Anhängerschaft als profitgierig verkaufen zu können.

Der Gipfel der Falschinformation folgt unter dem Stichwort „Einsatz schwerer Maschinen“. Angeblich fahren 40 bis 100 t schwere Maschinen durch Deutschlands Wälder. Das ist eine glatte Lüge, aber das muss man wohl für die notwendige Dramatik in Kauf nehmen. Ja, es fahren, teils auch schwere, Maschinen durch Deutschlands Wälder. Die allermeisten davon wiegen unter 20 t und minimieren den von ihnen verursachten Bodendruck durch Breitreifen und Bodenschutzbänder. Was Greenpeace hier auch noch verschweigt: Die Maschinen sind an festgelegte Rückegassen gebunden, so dass der allergrößte Teil der Waldfläche überhaupt nie befahren wird. Nicht zuletzt: Forstmaschinen schützen Menschenleben. Waldarbeit ist eine der gefährlichsten Tätigkeiten überhaupt. Durch den Einsatz von Forstmaschinen konnten die Unfallzahlen und Todesfälle drastisch gesenkt werden. Aber was ist schon ein Menschenleben wert gegen eine gute Naturschutz-Story? In den Augen von Greenpeace offenbar nicht viel.

Aufforstung und Pestizide

Beim Thema Aufforstung verheddert sich Greenpeace in seiner eigenen Argumentation. Aufforsten ist teuer und arbeitsintensiv, das haben die Umweltschützer richtig erkannt. Deshalb macht es auch niemand freiwillig. Wo immer möglich, wird auf Naturverjüngung gesetzt. Greenpeace verzerrt hier bewusst die Realität – wie so oft -zum Erzielen einer guten Story. Die Umweltschützer fordern eine stärkere Förderung der natürlichen Waldentwicklung. An dieser Stelle kann man locker entgegnen: Die Naturverjüngung wird bereits gefördert. Dann schwadroniert Greenpeace von den Eltern, ohne die junge Bäume einen schlechten Start hätten. Welche Eltern bitte? Auf Kahlflächen? In Treuenbrietzen sieht man auf den ehemaligen Waldbrandflächen, dass flächig Aspe aufkommt. Deren Eltern stehen Kilometer entfernt und sind kein bisschen an die dortigen Mikrostandorte angepasst. Diese Aspen lassen sich hervorragend als Vorwald nutzen. Um eine Aufforstung kommt man dennoch nicht herum. Dass eine natürliche Wiederbewaldung möglich ist, sieht man im Nationalpark Bayerischer Wald. Nur, mit diesem extrem langwierigen Sukzessionsprozess verabschieden wir uns vom Wirtschaftswald und von der nachhaltigen Holznutzung. Das kann sich das ansonsten rohstoffarme Deutschland nicht leisten.

Den Pestizideinsatz im Wald vergleicht Greenpeace allen Ernstes mit dem in der Landwirtschaft. An dieser Stelle wird der unbedarfte Leser komplett für dumm verkauft. Während in der Landwirtschaft der Chemieeinsatz zum Regelbetrieb gehört, stellt er in der Forstwirtschaft die absolute Ausnahme dar. Tatsächlich stellen viele Hersteller die Produktion forstspezifischer Pflanzenschutzmittel ein, weil es sich einfach nicht lohnt. Es wird zu wenig verbraucht.

Kahlschläge uns Schutzwälder

Durch Kahlschläge und Räumungen könnte eine der größten CO2– Emissionsquellen Deutschlands entstehen, warnt Greenpeace. In der Tat beschleunigen sich die Umsetzungsprozesse im Boden von Kahlflächen gegenüber bewaldeten Flächen gewaltig. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Was Greenpeace aber leider völlig vermissen lässt, ist ein brauchbarer Gegenvorschlag. Was soll denn bitte auf den vom Borkenkäfer zerstörten Flächen geschehen? Einfach alles stehen lassen? Das muss man sich als Waldeigentümer erst einmal leisten können. Und was passiert, wenn einem Waldbesucher in ein paar Jahren dann ein halber Baum auf den Kopf fällt? Bezahlt das dann Greenpeace? Wohl kaum. Dennoch werden hier und da Flächen, die waldhygienisch nicht mehr bedenklich sind, stehengelassen. Sie werden für Waldbesucher gesperrt werden müssen. Waldarbeiter müssen natürlich trotzdem hinein, um diese Flächen in Mischwälder umzubauen. Aber die waren Greenpeace ja nicht so wichtig, wie wir oben festgestellt haben.

Schließlich fordert Greenpeace den Schutz besonders schützenswerter Wälder.Mindestens 15 % der Waldfläche in Deutschland sollen es nach der Vorstellung der Naturschützer sein. Abermals verschweigt Greenpeace ein kleines aber entscheidendes Detail: Sehr viele dieser Wälder sind besonders schützenswert, obwohl, oder gerade weil sie bewirtschaftet wurden und werden.

Was Greenpeace will

Zum Schluss fragt sich der verwunderte Leser: Was will Greenpeace eigentlich? Den Wald schützen? Wohl kaum. Dann wäre es nämlich sinnvoll, mit Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern zusammenzuarbeiten. Tut Greenpeace aber nicht. Stattdessen stellt die Organisation Menschen, die ihren über viele Generationen gepflegten Wald verloren haben, und der Teil ihres Lebensunterhalts war, als Waldzerstörer dar. Das ist unredlich. Und es offenbart die wahre Intention der – man muss es sagen – sogenannten Umweltschützer. Denn das Geschäftsmodell von Greenpeace ist mitnichten der Umweltschutz. Das Geschäftsmodell ist, Menschen dazu zu bringen, für Greenpeace zu spenden. Und für diesen Zweck darf die Wahrheit offenbar gerne einmal auf der Strecke bleiben. Glaubwürdiger Umweltschutz sieht anders aus.

Marc Kubatta-Große