Forstpolitik

Kommen jetzt entwaldungsfreie Lieferketten?

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Der Rat der EU Umweltministerinnen und -minister hat Ende Juni seine gemeinsame Position zu einer Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten verabschiedet. Gleichzeitig kündigen Nestlé und Unilever an, ihre Lieferketten entwaldungsfrei machen zu wollen.

Die neuen Regeln sollen künftig verhindern, dass Holz, Kaffee, Kakao, Palmöl, Rindfleisch und Soja sowie daraus gewonnene Produkte auf den EU-Binnenmarkt kommen, sofern ihre Herstellung Entwaldung verursacht hat.

Außerdem hat die Europäische Kommission den Rat über die Veröffentlichung des lang erwarteten Verordnungsvorschlags zur Wiederherstellung der Natur informiert. Damit kann der Legislativprozess zu diesem wichtigen Rechtsinstrument beginnen. Beide Maßnahmen sind wichtige Bausteine zur Umsetzung der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030.

Sorgfaltspflichten in Lieferketten sollen Wälder schützen

Der Verordnungsvorschlag für entwaldungsfreie Lieferketten sieht Sorgfaltspflichten für Unternehmen vor, wonach diese die Entwaldungsfreiheit ihrer Lieferketten sicherstellen müssen. Gleichzeitig sind Kontrollpflichten für Mitgliedstaaten vorgesehen. Die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen sei für rund 90 % der globalen Entwaldung verantwortlich. Von den dabei angebauten Agrarrohstoffen werden ungefähr 16 % in der EU konsumiert, womit die EU der weltweit zweitgrößte Entwaldungstreiber sei.

Passend dazu haben die CEOs der beiden Lebensmittelriesen Nestlé und Unilever, Mark Schneider und Alan Jope, in der Financial Times erklärt, ihre Lieferketten künftig entwaldungsfrei aufstellen zu wollen. Hintergrund ist das Ziel der beiden Konzerne CO2-neutral zu werden. Der Lebensmittelsektor sei für weltweit 22 % der CO2-Emissionen verantwortlich, die Hälfte davon durch Entwaldung. Ohne die Entwaldung zu stoppen, werde man also das Ziel CO2-neutral zu werden nicht erreichen.

Wie weit man vom Ziel der Emissionsfreiheit noch entfernt ist, machen die beiden CEOs jedoch gleich an zwei Kennzahlen deutlich: Zwar habe sich die Zahl der Unternehmen aus dem Forst-, Land- und Landwirtschaftssektor, die sich zum Netto-Null-Ziel verpflichtet haben, verfünffacht, die Mehrheit der Unternehmen, die für die Bekämpfung der tropischen Entwaldung von entscheidender Bedeutung sind, habe sich bislang jedoch noch kein Netto-Null-Ziel gesetzt.

Bisher fast nichts erreicht

Und von den 148 Unternehmen, die solche Klimaverpflichtungen eingegangen sind, haben nur 6 % bisher nennenswerte Fortschritte bei der Bekämpfung der Entwaldung gemacht. Näher an ‚nichts erreicht‘ geht kaum.

Nestlé und Unilever arbeiten nach eigenem Bekunden daran, ihre Rohstofflieferketten, von denen man annimmt, dass sie die größten Auswirkungen auf die Entwaldung und die Umwandlung natürlicher Ökosysteme haben, bis Ende 2025 entwaldungsfrei zu machen. Man darf gespannt sein, ob das angesichts dessen, dass bisher praktisch nichts erreicht wurde, gelingt.

Wiederherstellung der Natur

Der Verordnungsvorschlag der EU-Kommission zur Wiederherstellung der Natur verfolgt einen breiten Ansatz und nimmt die gesamte Landschaft in den Blick. So soll Flüssen mehr Raum gegeben, Forste in naturnahe Wälder umgebaut, Moore wiedervernässt und Lebensräume für Insekten wie z.B. Bestäuber wiederhergestellt werden. Zur Wiederherstellung gehöre auch, Meeresökosysteme wie Seegraswiesen, Algenwälder und Salzwiesen zu stärken und in der Stadt neue Bäume zu pflanzen und urbane Grünflächen anzulegen.

Die Wiederherstellung der Natur ist neben den Schutzgebietszielen eines der Kernanliegen der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030. In den kommenden Monaten wollen der Rat der Europäischen Union und das Europäische Parlament über den Legislativvorschlag der EU-Kommission verhandeln. In Deutschland soll das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz der Bundesregierung einen Beitrag zur Erreichung der EU-Ziele zur Wiederherstellung der Natur leisten.

Quellen: BMUV/Nestlé/Unilever