Baum und Natur

Klimawandel: Wissen wir zu wenig über bevorstehende Klimaszenarien?

Bearbeitet von Carolin Föste

Die Cambridge Universität veröffentlichte zuletzt eine Studie, in der internationale Forschende eindringlich warnen: Alle, auch die schlimmsten Klimaszenarien würden bisher zu wenig durchdacht werden. Das müsse sich ändern. Denn der Klimawandel bedrohe längst nicht mehr nur die Natur, und besonders die Wälder, sondern auch die Menschheit im Ganzen.

Zu selten werden Risiken für die Gesellschaft, entstanden durch den menschengemachten Klimawandel, zu Ende gedacht. Forschende drängen daher darauf, dass sich die Staaten auf ein mögliches „Klima-Endgame“ einstellen sollten. Die Forschenden fordern die IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) auf, dem Klimawandel einen entsprechenden Bericht zu widmen, um auch die Öffentlichkeit zu informieren.

Bewertung verschiedener Klimaszenarien notwendig

„Unumkehrbare und potenziell katastrophale Risiken, die durch den vom Menschen verursachten Klimawandel verursacht werden, müssen in unsere Planung und unser Handeln einfließen. Wenn es einen roten Faden in der Wissenschaft der letzten 30 Jahre gibt, dann ist es dieser: Je mehr wir darüber lernen, wie unser Planet funktioniert, desto mehr Grund zur Sorge gibt es“, erklärt Johan Rockström. Er ist Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und einer der Autoren der neuen Studie.

„Kipppunkte rücken näher. Nicht nur, weil wir immer mehr klimaschädliche Treibhausgase ausstoßen, sondern auch, weil wir zunehmend verstehen, dass unser Planet anfälliger ist. Er ist ein hochkomplexer Organismus mit Rückkopplungen und Wechselwirkungen, die seine Funktionen ganz plötzlich von Dämpfung und Abkühlung auf Verstärkung und Erwärmung umstellen können“, erläutert Rockström. „Das Absterben des Amazonas und das beschleunigte Abschmelzen des Grönlandeises sind Beispiele für Systeme, die schnell von kühlenden Kohlenstoffsenken zu Quellen weiterer Erwärmung werden können. Das bedeutet, dass wir uns nicht damit begnügen können, nur Mittelwerte zu betrachten, sondern, dass wir nichtlineare extreme Risiken einkalkulieren müssen. Die Mathematik der Katastrophe durchzurechnen, könnte der Schlüssel dazu sein, sie zu vermeiden.“

Klimaszenarien gefährlich unerforscht

Eine Katastrophe sei nicht auszuschließen, da noch nicht bekannt ist, wie sehr sich die Temperaturen tatsächlich ändern könnten. Dass sich in weiten Teilen der Erde Jahresdurchschnittstemperaturen von um die 29 °C etablieren und damit Bedingungen wie in der Sahara schaffen, sei ein mögliches Szenario – und das bereits bis 2070. Weiterhin sei die CO2-Konzentration für diese Temperaturänderungen ausschlaggebend.

Der Hauptautor der Studie, Dr. Luke Kemp, erforscht an der Cambridge Universität das Risiko des menschlichen Aussterbens. Er warnt davor, dass selbst moderate Klimaszenarien „katastrophale“ Auswirkungen haben könnten. Das Risiko sei da, man müsse aber noch ein klareres Bild davon gewinnen. Die sogenannten Kipppunkte und Worstcase-Szenarien des Klimawandels sollten daher bestmöglich identifiziert werden.

Quellen: Cambridge Universität, PIK