Waldbau

Klimawandel: Wieviel Kohlenstoff speichern Wälder?

Bearbeitet von Carolin Föste

Wieviel Biomasse enthalten die Wälder und wieviel Kohlenstoff speichern sie? Ein Team der Eidg. Forschungsanstalt WSL entwickelt eine Methode, um dies einfach und genau zu berechnen. Ergebnisse über die Untersuchung in der Schweiz erwarten die Forschenden bis 2024. Wie genau gehen sie vor?

Marina Beck und Esther Thürig stapfen im Schneegestöber durch den Wald. „Diese Bäume nehmen wir heute“, sagt Thürig und zeigt auf eine Gruppe mit rotem Spray gekennzeichneter Buchen und Föhren. Mit der Kluppe erfasst Beck den Durchmesser des ersten Baums. „41,7 Zentimeter“, ruft sie Thürig zu. Die Prozedur wiederholt sich mit der Finnenkluppe auf 7 m Höhe, danach erfolgt die Höhenmessung mit einem Laserinstrument. Im Vorhinein hat der Wissenschaftliche Dienst LFI mittels terrestrischen Laserscan die Kronendurchmesser aufgenommen.

Gefälltes Holz für Kohlenstoff- und Biomasse-Messungen

„Wir wollen herausfinden, ob und wie es möglich ist, mit diesen wenigen Messungen am stehenden Baum ein genaues Bild von der Biomasse eines Waldes zu bekommen, und dann auch aller Wälder der Schweiz. In unserem Projekt verfeinern wir die schon bekannten Mess- und Schätzmethoden. Dafür brauchen wir genaue Daten aus einer Anzahl gefällter Bäume“, sagt Thürig.

Urs Schaub und sein Team vom Forstrevier Violental ernten dazu ausgewählte Buchen, Föhren und Eschen in einem Waldstück bei Arisdorf. Den Greifarm des Tragschleppers haben die Forscherinnen mit einer Waage ausgerüstet. Zu jedem angeschleppten Baum oder Baumteil lässt sich Beck das Gewicht durchgeben. Danach sägen ihre Arbeitskollegen Stammscheiben ab und wiegen diese vor dem Transport in die WSL-Schreinerei. Dort schneiden weitere Projektmitarbeitende Holzkeile aus, deren Masse sie erst frisch und dann trocken messen. Am Schluss werden die Holzstücke zu Pulver gemahlen, damit eine Labormitarbeiterin den Kohlenstoff- und Stickstoffgehalt ermitteln kann.

Projekt „Swiss Biomass“ für die Forstpraxis

Das Projekt nennt sich „Swiss Biomass“. Zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt BAFU entwickelt die WSL darin eine möglichst exakte Umrechnungsmethode, um Forstpraktiker über zwei wichtige Größen im Schweizer Wald zu informieren:

Kluppe misst Durchmesser eines Baumes
Marina Beck misst den Durchmesser auf Brusthöhe mit der Kluppe.
Foto: Simon Speich
  • Wieviel Biomasse ist vorhanden? Daraus entnimmt man zum Beispiel, in welchen Ausmaß Holz und Bioenergie nachhaltig genutzt werden können.
  • Wieviel Kohlenstoff bindet der Wald? Dies ist im Zusammenhang mit dem Klimawandel wichtig.

Nach den ersten Erhebungen in Zürich und Arisdorf und deren Auswertung plant das Projektteam in den Jahren 2022 bis 2023 Einsätze an sechs weiteren Standorten.

Wissen über Kohlenstoff-Speicherfuntion des Waldes

Neben den oben beschriebenen Erhebungen seien weitere Analysen vorgesehen. Alle Baumteile inklusive Blätter und Nadeln werden auf ihre Inhaltsstoffe analysiert, die Baumscheiben dienen der Analyse des Zuwachses. Auch GPS-Koordinaten der Bäume und Drohnenaufnahmen werden dokumentiert.

Das Ziel ist, die in der Pilotphase erprobte Methodik an weiteren Standorten anzuwenden und in Folge eine für größere Regionen aussagekräftige und einfache Berechnungsart der Biomasse und des Kohlenstoffgehalts von Bäumen und Waldbeständen bereit zu stellen.

Quelle: WSL