WaldÖkologie

Klimawandel: Sinken Deutschlands Grundwasserspiegel weiter?

Bearbeitet von Carolin Föste

Bereits im letzten Frühjahr war die Sorge um sinkende Grundwasserspiegel groß – auch unter Forstleuten. Ein regenreicher Sommer reicht bekanntlich nicht, um die Reserven nach mehreren Dürrejahren wieder aufzufüllen. Nun gibt es neue Forschungsergebnisse, die verschiedene Szenarien beleuchten. Sacken die Grundwasserreservoirs weiter ab?

Der Klimawandel führt zu wärmerem Wetter und hat damit große Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel in allen Ökosystemen Deutschlands. Mögliche Risiken, die daraus entstehen, hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bereits 2018 analysieren lassen. Schließlich ist auch die Trinkwasserversorgung an die Grundwasservorräte in den Wäldern geknüpft.

Der letzte Sommer, der wieder etwas mehr Niederschläge brachte, sorgte zwar für Erleichterung, dennoch drohen in den nächsten Jahrzehnten weiter abnehmende Grundwasserspiegel. So berichten das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) von ihren aktuellen Studienergebnissen.

Untersuchungen des Grundwasserspiegels mit drei Szenarien

Die BGR und KIT untersuchten anhand verschiedener Prognosemodelle für das 21. Jahrhundert, wie sich der Klimawandel auf die Entwicklung des Grundwasserspiegels an verschiedenen Standorten auswirken könnte. In unterschiedlicher Klimaszenarien, die aus dem fünften Sachstandsbericht des IPCC stammen, folgten die Bewertungen.

Diese reichten von einer angenommenen Erderwärmung von unter zwei Grad Celsius, wie sie das Pariser Klimaabkommen als Zielmarke definiert, über ein mittleres Prognosemodell mit plus 2,6 Grad Celsius bis zum „Business as usual“-Szenario, das ohne Klimaschutzmaßnahmen von einer Erwärmung um bis zu fünf Grad Celsius (im Vergleich zum vorindustriellen Zustand) ausgeht.

„In die wissenschaftliche Untersuchung flossen ausschließlich direkte klimatische Einflüsse und Veränderungen ein, während wir anthropogene Faktoren wie zum Beispiel Grundwasserentnahmen nicht miteinbezogen haben“, sagt Erstautor der Studie, Andreas Wunsch, vom Institut für Angewandte Geowissenschaften (AGW) des KIT.

Prognosen eindeutig: Grundwasser sinkt ab

Alle drei Klimaszenarien führen den Forschenden nach zu mehr oder weniger sinkenden Grundwasserspiegeln und einer veränderten Wasserverfügbarkeit. Während die beiden optimistischeren Szenarien weniger deutliche Tendenzen aufweisen, stellten die Fachleute im Fall des stärksten Erwärmungsszenarios für die meisten Standorte einen Trend zu signifikant abnehmenden Grundwasserspiegeln fest. Dieses Szenario komme der heutigen Situation am nächsten, hebt auch Dr. Tanja Liesch vom AGW hervor.

Drohen langfristige Perioden mit zu niedrigen Grundwasserständen?

„Besonders sichtbar sind die zukünftigen negativen Auswirkungen in Nord- und Ostdeutschland, wo es bereits heute entsprechende Entwicklungen gibt. Hier drohen vor allem gegen Ende des Jahrhunderts längere Perioden mit niedrigen Grundwasserständen“, sagt Dr. Stefan Broda von der BGR. Diese Situation komme in den beiden schwächeren Erwärmungsszenarien nicht in diesem Ausmaß vor. Für die Fachleute von KIT und BGR ist dies ein Indikator dafür, dass eine Minderung der Treibhausgasemissionen einen positiven Effekt auf die künftigen Grundwasserstände habe.

Quelle: KIT, BBK