WaldÖkologie

Der Klimawandel schadet Regenwürmern

Bearbeitet von Carolin Föste

Die Böden europäischer Ökosysteme sind an zersetzende Bodenlebewesen wie Regenwürmer angepasst. Wirkt sich der Einfluss von starken Wetterereignissen, Hitzeperioden und daraus resultierenden Waldschäden auf Regenwürmer aus? Eine neue Studie sagt ja, und beschreibt die Folgen.

Die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) berichtet, dass nicht nur Bäume selbst, sondern auch die zersetzenden Bodenlebewesen, also ein aktives Edaphon, unter den Folgen des Klimawandel leiden. Ihrer neuen Studie nach, wirkt sich der Verlust von Regenwürmern im Waldboden auf die Speicherfunktion von Kohlenstoff aus.

Wechselwirkung: Boden – Regenwürmer – Klima

Warum der Bodenbewohner wichtig ist, ist bekannt: Die Laubzersetzung setzt Nährstoffe frei und speichert Kohlenstoff im Boden. Damit erfüllen besonders Regenwürmer eine wichtige Aufgabe, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Der Klimawandel wirkt aber auch ihrer Leistung entgegen: Denn bei Trockenheit ziehen sich Regenwürmer und andere Bodenlebewesen in tiefere Bodenschichten zurück, so die Forschenden. Dort fallen Regenwürmer sogar in einen „Dürreschlaf“ und sind weniger aktiv.

In der Studie verglichen die Forschenden hierzu die Menge an Bodentieren, den Abbau organischen Materials sowie den Kohlenstoffgehalt unterschiedlich trockener Waldböden. Eine Waldparzelle war natürlichen Bedingungen in einem Tal ausgesetzt, während die Referenzfläche seit 2003 im Sommer bewässert wurde. Das Ergebnis: Auf der bewässerten Fläche kamen deutlich mehr Regenwürmer, Springschwänze, Asseln und andere Bodenlebewesen vor. Auch wurde dort mehr organisches Material zersetzt.

Folgen von zu trockenen Waldböden

„Wenn Waldböden zu trocken werden, hemmt dies die Aktivität und Menge der Bodenlebewesen und die Wälder können langfristig weniger Kohlenstoff aufnehmen“, erklärt Studienleiter und Leiter der Gruppe Biogeochemie der WSL, Frank Hagedorn.

„Bodenhumus bildet sich über Hunderte bis Tausende von Jahren. Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir schon nach zehn Jahren Unterschiede beim gespeicherten Kohlenstoff nachweisen können“, zeigt sich Hagedorn überrascht über die schnellen Forschungsergebnisse. Die Studie verdeutliche den Wert der Bodentiere beim Kohlenstoffkreislauf in Wäldern. Denn mit weniger Regenwürmern, Asseln und anderen Destruenten, enthalten trockene Böden weniger Humus und seien weniger fruchtbar. Daher müsse den Regenwürmern bei langfristigen Forschungsprogrammen im Wald und zum Klimawandel künftig noch mehr Aufmerksamkeit zukommen. In Deutschland soll das Vorkommen des Regenwurms im Rahmen der Bodenzustandserhebung mit untersucht werden.

Quelle: WSL