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Klimaschutzplan 2050: DBFZ fordert in Stellungnahme mehr Integration von Biomasse

Der nationale Klimaschutzaktionsplan der Bundesregierung stellt ein ambitioniertes Leitbild zur Erreichung der Klimaschutzziele von Paris dar und zeigt auf, dass die definierten Ziele nur durch Ausnutzung aller Optionen zu erreichen sind. In einer vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) vorgelegten Stellungnahme haben Wissenschaftler des DBFZ den vorliegenden Entwurf des nationalen Energie- und Klimaschutzplans um wesentliche Aspekte im Bereich der energetischen Biomassenutzung ergänzt und eine bessere Integration von Biomasse gefordert.

Biomasse ist der aktuell am meisten genutzte erneuerbare Energieträger. Er wird zur Strom-, Wärme- und Kraftstoffbereitstellung eingesetzt und sparte durch die Substitution fossiler Energieträger im Jahr 2015 etwa 60 Mio. t CO2-Äquivalent ein (AGEE Stat 2016). Die Chancen einer umfassenden Klimagasreduktion werden im Klimaschutzaktionsprogramm der Bundesregierung im aktuellen Entwurf jedoch nur unzureichend dargestellt.
Vor allem im Bereich der Einsparung von Treibhausgasen habe Biomasse große Potenziale, welche bei gezielter Optimierung noch höher ausfallen können, so das DBFZ im nun vorgelegten Papier. Nach Ansicht der Leipziger Wissenschaftler kann und sollte eine wirksame Klimagaseinsparung einerseits durch die energetische Nutzung bisher unerschlossener Biomassepotenziale und andererseits durch die effiziente, emissionsarme und integrierte Weiterentwicklung der gegenwärtigen Biomassenutzung erfolgen.
Dazu die Mitautorin, Prof. Dr. Daniela Thrän vom Deutschen Biomasseforschungszentrum sowie dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung: „Mit den im Papier vorgestellten Maßnahmenoptionen und Berechnungen (Nutzung des Reststoffpotenzials, Einsatz von Biogas im Bereich der KWK, Bereitstellung von CO2 aus Bioenergieanlagen, nachhaltige Brennholznutzung in zunehmend effizienteren Anlagen), haben wir für Bioenergie ein kurz- bis mittelfristig zusätzlich erschließbares Treibhausgas-Einsparpotenzial von mindestens 30 Mio. Tonnen CO2–Äquivalent pro Jahr aufgezeigt, ohne dass zusätzliche Landwirtschaftsflächen für Bioenergie genutzt werden, Naturräume degradiert, Importe forciert oder Konkurrenzen mit der Nahrungsmittelproduktion verschärft werden. Entsprechend sehen wir es für dringend geboten, den Klimaschutzaktionsplan an den genannten Stellen zu vervollständigen.“
Hintergrund zum Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung
Im Zuge des internationalen Pariser Klimaschutzabkommens vom Dezember 2015 hat die Regierungskoalition beschlossen, in der laufenden Legislaturperiode einen nationalen Klimaschutzplan 2050 zu verabschieden. Hierfür wurde das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit der Erarbeitung sowie der Abstimmung mit den entsprechenden Ressorts beauftragt. Übergeordnetes Ziel der nationalen Klimaschutzpolitik ist die international vereinbarte „Zwei-Grad-Obergrenze“ für die globale Erwärmung, welche durch eine signifikante Reduktion der Treibhausgasemssionen (THG) erreicht werden soll. Ziel des nun angestoßenen Dialogprozesses mit Ressorts und Verbänden ist es, konkrete Maßnahmenvorschläge entlang der fünf Handlungsfelder Energiewirtschaft, Gebäude, Industrie und Gewerbe/Handel/Dienstleistungen, Verkehr sowie Landwirtschaft/Landnutzung zu entwickeln, welche in einen verbindlichen Energie- und Klimaschutzplan einfließen sollen.
 

Stellungnahme des Deutschen Biomasseforschungszentrums

 

Hausentwurf des BMUB vom 6.9.2016

 
DBFZ

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