ABO
Klimaschutz-Aufforstungsprojekte: Studie der Verbraucherzentrale interessengeleitet!

Klimaschutz-Aufforstungsprojekte: Studie der Verbraucherzentrale interessengeleitet!

In einer von dem Verbrauchzentrale Bundesverband in Auftrag gegebenen und veröffentlichten Studie ist die Qualität der Kompensationsangebote von PrimaKlima -weltweit- e.V. mit „mangelhaft“ bewertet. Die Studie ist allerdings nicht neutral, sondern interessegeleitet. Sie soll die Diskussion von Bewertungsmaßstäben für Klimaschutz-Aufforstungsprojekte auf der Linie eines Vorurteils beeinflussen.
 
PrimaKlima verlangt eine Neuauflage der Studie mit korrigierten Aussagen zur seiner Arbeit.

Hintergründe und Argumente
Im September 2010 veröffentlichte der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBZ) die von ihr in Auftrag gegebene Studie „Treibhausgas-Kompensationsanbieter in Deutschland“. Sie wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geförderten Projektes „Starke Verbraucher für ein gutes Klima“ erstellt. Die Autoren der Studie sind Prof. Dr. Wolfgang Strasdas von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH), Prof. Dr. Stefan Gössling und Dipl.-Biol. Heike Dickhut M.A. Die Studie kam PrimaKlima erstmals Anfang November 2010 zur Kenntnis. Gegen die dort zu findende Aussage, die Qualität der CO2-Kompensationsangebote von PrimaKlima sei „mangelhaft“, hat PrimaKlima umgehend mit sehr differenzierten Argumenten Einspruch am 4.11.2010 erhoben. PrimaKlima meint, die Note „gut“ oder „sehr gut“ wäre zutreffend gewesen. Leider wurde seitens der VZBV durch die zuständige Referentin unsere Argumentation, der spezielle Ansatz von PrimaKlima sei von den Gutachtern nicht gewürdigt worden, als nicht überzeugend am 26.11.2010 zurückgewiesen, ohne unseren Einspruch zu diskutieren. Daraufhin hat PrimaKlima sich über einen Rechtsanwalt an den Vorstand des VZBV gewendet und erneut dargelegt, dass die Bewertung von PrimaKlima durch die Studie dem Arbeitsansatz und den Arbeitserfolgen von PrimaKlima nicht gerecht wird. Aber wieder werden in dem Antwortschreiben des VZBV-Vorstands vom 24.1.2011 Änderungen am Text der Studie abgelehnt. Es ist zu befürchten, dass auch die derzeit letzte Reaktion von PrimaKlima vom 1.02.2011 von PrimaKlima keine Meinungsänderung bei der VZBV bewirken wird. Deshalb sehen wir uns genötigt, den gesamten Vorgang mit aller Deutlichkeit in die Öffentlichkeit zu tragen.

In seinem Antwortschreiben vom 24.01.2011 schreibt der Vorstandsvorsitzende des VZBV, Gerd Billen, in verblüffender Offenheit: In Abstimmung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer wurde entschieden, die wissenschaftliche Kritik an Senkenprojekten (z.B. Aufforstungsprojekte; Hinweis von PrimaKlima) … so aufzugreifen, dass …  Anbieter, die ausschließlich auf Senkenprojekte abstellen, …  nicht den maximalen Wert (drei Punkte) erhalten konnten.

Das belegt, dass die Studie das Neutralitätsgebot für einen Auftrag der Verbraucherzentrale verletzt. Sie ist auf der Basis eines Vorurteils interessegeleitet. Sie zementiert die Voreinstellung, dass Aufforstungsprojekte in jedem Fall schlechter zu bewerten seien als technische Kompensationsprojekte.

In der Tat gibt es neben geradezu ideologischen Einwänden gegen die biotische Kompensation wissenschaftlich fundierte Kritik an Aufforstungsprojekten, die insbesondere auf die mangelnde Sicherheit der Kohlenstoffeinbindung durch Photosynthese zielt. Diese Kritik richtet sich immer auf Einzelprojekte, die auf eine 100%-Kompensation ausgerichtet sind. Es ist aber möglich – PrimaKlima arbeitet so –, dieses Problem mit einem geeigneten Sicherheitskonzept zu lösen. Dieses Konzept verengt den Blick nicht auf Einzelprojekte, sondern ist wie ein Versicherungskonzept auf viele einander gegenseitig absichernde Maßnahmen ausgerichtet. Seine Stützpfeiler sind: bei allen Kompensationsmaßnahmen jeweils Mehrfachkompensation der fraglichen CO2-Emission, Risikoverteilung durch Streuung der Projektflächen (Deutschland und weltweit), vorsichtige Kalkulation der Absorptionskapazität der jeweils den CO2-Emittenten zugeordneten Einzelflächen und Aufbau eines alle Kompensationsprojekte zusätzlich absichernden Flächen- bzw. Kompensations-Sicherheitspools. Dieses Konzept macht es möglich, biotische Kompensations-projekte ebenso hochwertig umzusetzen wie technische und das – bei gleichem finanziellen Aufwand – für die Atmosphäre sogar noch entlastender.

Die vorgenannte Abstimmung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer lässt allerdings der Studie keinen Raum, diesen Ansatz angemessen einzubeziehen, zu würdigen und zu bewerten. Aufforstungsprojekte müssen laut Vorgabe schlechter bewertet werden als die besten technischen Kompensationsprojekte.

Zwar heißt es im Schreiben des VZBV vom 24.01.2011, PrimaKlima seien ja „2 Punkte, … die in diesem Fall maximale Punktzahl“ (max. = 3 Punkte) zuerkannt worden. Diese Aussage ist jedoch insofern falsch, als PrimaKlima nur für den Aspekt „Permanenz der Kohlenstoffeinbindung“ zwei Punkte zugesprochen wurden. Die Aspekte (a) „Baseline-Berechnung“ und(b) „Carbon Leakage“ wurden mit jeweils 1 Punkt bewertet; für die Wertungsbereiche (c) „Zeitraum zwischen Emission und Kompensation“, (d) „Registrierung/Stilllegung von Zertifikaten“ und (e) „Transparenz, unabhängiger Verifizierungs- und Zertifizierungsprozess“ gab es jeweils 0 Punkte. PrimaKlima besteht darauf, zumindest für (a) und (b) je 3 Punkte zu bekommen, da durch die in der Regel fünffache Zielerfüllung bei PrimaKlima-Projekten die bei (a) und (b) möglicherweise anzurechnenden Fehler weit mehr als ausgebügelt sein dürften. Hinsichtlich der Punkte (c) bis (e) ist nicht berücksichtigt worden, dass PrimaKlima eine 100prozentige Kompensation mit von unabhängigen Dritten (generierten und) geprüften Ex-Post-Zertifikaten (VERs) incl. registrierter Stilllegung anbietet – und (aus Gründen des in der Auseinandersetzung mit einigen Umweltverbänden entwickelten Prinzips der systematischen Übererfüllung eines CO2-Kompensationsauftrags) diese Sofort-Kompensation zusätzlich durch neue eigene Aufforstungen ergänzt, die zu einer zusätzlichen zweimaligen Kompensation der fraglichen Emissionsmenge binnen 50 Jahren führt; insgesamt bei diesem Kompensationspaket also dreifache Zielerfüllung!

Der Ansatz von PrimaKlima muss als eine Form der Best Practice eingestuft werden.

Dass die Studie nicht zu diesem Ergebnis kam, ist einzig darin begründet, dass eine solche Aussage nicht gewünscht war (was uns hinsichtlich bisheriger Verlautbarungen sowohl der Verbraucherzentrale als auch des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit / Umweltbundesamt [hier z.B. „Leitfaden zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasen“, Oktober 2008] zur Sache nicht überrascht). An mangelnder Kenntnis des PrimaKlima-Sicherheitskonzepts bei den Verfassern der Studie kann es nicht gelegen haben: Im PrimaKlima-Netzauftritt, Bereich Projektarbeit, waren und sind ausführliche Erläuterungen zum Thema zu finden; außerdem wurden Fragen von Autorin Dickhut zu unserem Konzept schriftlich beantwortet.

Wenn es im erwähnten Antwortschreiben der VZBV anfangs heißt, es sei zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer in bestimmtem Maß eine Ergebnisfestlegung getroffen worden, heißt es an späterer Stelle, die primäre Zielgruppe der Studie seien Fachexperten, die an der Diskussion um Bewertungsmaßstäbe interessiert sind. Mit anderen Worten: die Studie soll der Meinungsbildung im Sinne der Vorgaben des VZBV (sicherlich in Abstimmung mit dem beteilgten Bundesministerium) dienen.

PrimaKlima wird diesen Sachverhalt unter keinen Umständen akzeptieren und mit allen rechtlichen Mitteln weiter dagegen vorgehen.

Aus gegebenem Anlass wird auf der Internetseite von PrimaKlima mit einem Vergleich noch einmal erläutert, was zur angemessenen Bewertung der Kompensationsqualität der PrimaKlima-Angebote verstanden sein muss und was bei den Verfassern der Studie – wahrscheinlich aufgrund der erwähnten Weichenstellung – nicht in gebührendem Maße berücksichtigt wurde: www.prima-klima-weltweit.de

PrimaKlima/fp

Auch interessant

von