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Immer mehr Nachweise des Goldschakals belegen, dass der scheue Wildhund aus südlichen Gefilden Deutschland durchquert.

Klimakrise begünstigt Ausbreitung des Goldschakals

Größer als ein Fuchs, aber deutlich kleiner als ein Wolf: Der Goldschakal kann mit seinem gelb-grauen Fell und mit seiner weißlichen Farbe an Schnauze und Kehle schnell mit seinen Verwandten verwechselt werden. Nun hat sich der Schakal in den letzten Jahrzehnten deutlich über sein bisheriges europäisches Verbreitungsgebiet auf dem Balkan nach Norden und Westen ausgedehnt.

Der Goldschakal (Canis aureus ) kann mit seinem gelb-grauen Fell und mit seiner weißlichen Farbe an Schnauze und Kehle schnell mit seinen Verwandten verwechselt werden. Und doch steht der scheue Hundeartige für sich. Als Allesfresser ist der Goldschakal nicht wählerisch und frisst neben Beeren und Mais, Insekten, Amphibien oder Fischen gern auch kleine Säugetiere wie etwa Mäuse. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Schakal deutlich über sein bisheriges Verbreitungsgebiet auf dem Balkan nach Norden und Westen ausgedehnt.

Klimawandel fördert Ausbreitung

Seit 1997 gibt es 25 gesicherte Nachweise des Goldschakals in Deutschland – mit deutlich steigender Tendenz, so Dr. Jörg Tillmann, stellvertretender Leiter im DBU Naturerbe. Das gemeinnützige Tochterunternehmen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ist verantwortlich für bundesweit 71 Flächen mit etwa 70.000 ha in zehn Bundesländern. „Der Klimawandel ist ein Grund für die Ausbreitung des Goldschakals“, so Tillmann. Die schneearmen Winter der vergangenen Jahre, dazu die trockenen, heißen Sommer – für den Vierbeiner sind das gute Bedingungen, um inzwischen bis nach Nordeuropa vorzudringen. Tillmann: „Experten gehen von einer Gesamtpopulation zwischen 70.000 und 117.000 Exemplaren in mittlerweile 19 Ländern Europas aus.“

Tillmann empfiehlt Sensibilisierung durch Fachinformationen

Bei den bisher bestätigten Nachweisen von Goldschakalen in Deutschland handelt es sich laut Tillmann aller Wahrscheinlichkeit nach lediglich um einen Bruchteil der eingewanderten Tiere. Es könne nicht ausgeschlossen werden, „dass sich der Goldschakal auch in den nördlichen Ländern Europas etabliert“. Im Vergleich zum Wolf sei das nachtaktive und scheue Tier hierzulande allerdings kaum bekannt. Bei Sichtungen würden Laien Goldschakale schnell mit Füchsen, Hunden oder Wölfen verwechseln. „Wenn sich der Goldschakal hier etabliert, verändert dies das Ökosystem in seinem Verbreitungsgebiet“, betonte Tillmann. Sein Appell: Damit potenzielle künftige Konflikte erst gar nicht entstehen, sei „von Anfang an eine wissenschaftlich belastbare Datenbasis wichtig. Bereits jetzt sollten flankierend relevante Interessensgruppen wie Naturschützer und Landnutzer über Fachinformationen und Bestimmungshilfen für das mögliche Auftreten der Art sensibilisiert werden. Tillmann selbst wurde auf den Goldschakal aufmerksam, als 2015 auf einer der von ihm betreuten Naturerbeflächen in den Cuxhavener Küstenheiden nahe der Nordseeküste der Wildhund gesichtet und per DNA-Nachweis bestätigt wurde. Trotz einer der höchsten Infrastrukturdichten in Europa sind damit Goldschakale bis in den Norden Deutschlands vorgedrungen.

Wolfsmonitoring für Erfassung der Goldschakalpopulation nutzen

Sobald dokumentiert werden könne, dass der Goldschakal hierzulande heimisch geworden sei und Nachkommen aufziehe, sollte er nach Tillmanns Ansicht aktiv über ein Monitoring erfasst werden. „Auf dieser Grundlage kann dann ein exakter Managementplan erarbeitet werden“, so der Experte. Da einige Goldschakale im Zuge des intensiven und großflächigen Wolfsmonitorings in Deutschland nachgewiesen worden seien, biete es sich an, die Ausbreitung der Tiere auf diese Art mit zu dokumentieren.

Quelle: DBU

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