Waldbau

Klimaangepasstes Saat- und Pflanzgut: Forschung für den Waldumbau

Bearbeitet von Jörg Fischer

Die Waldschäden der letzten Jahre haben eins deutlich gemacht: Nur mit einem Waldumbau hin zu klimastabilen Mischbeständen kann die Widerstandskraft unserer Wälder gegen den Klimawandel gestärkt werden. Doch woher soll das benötigte klimaangepasste Saat- und Pflanzgut für die Wiederbewaldung kommen? Auf diese Frage sollen die FNR-Forschungsprojekte „AdaptForClim“ und „FitForClim“ antworten geben.

Eine wachsende Nachfrage nach nachhaltigem Holz, die Stilllegung bislang bewirtschafteter Flächen und die Unsicherheiten der Umweltveränderungen durch den Klimawandel stellen Waldbesitz und Forstbetriebe in Deutschland derzeit vor große Herausforderungen. Die Holzbereitstellung auf gleichbleibender oder geringer werdender Fläche, ohne dabei die Auswirkungen des Klimawandels und die anthropogenen Ansprüche außer Acht zu lassen, ist eine Mammutaufgabe für die Forstwirtschaft.

Von den Schadereignissen der letzten Jahre sind besonders die Baumarten Fichte, Kiefer und Buche betroffen. Für den notwendigen Waldumbau stellt aber insbesondere das geeignete forstliche Vermehrungsgut einen der limitierenden Faktoren dar. Welche Baumarten können auch in Zukunft noch auf einem Waldstandort wachsen? Welche Herkünfte eignen sich hier? Woher kommt das benötigte Saat- und Pflanzgut? Diese Fragen treiben im Augenblick viele Waldbesitzende um. Nun will die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) mit den zwei durch die Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) über den Waldklimafonds geförderten Projekten „AdaptForClim“ und „FitForClim“ Antworten auf diese Fragen finden. Dabei setzen die Forschenden auf eine breite genetische Vielfalt und auch hochwertige Erbanlagen.

Lösungen für den Waldumbau – die Projektziele

Die beiden Forschungsprojekte werden gemeinsam von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA), dem Bayerischen Amt für Waldgenetik (AWG), dem Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS) und dem Thünen-Institut für Forstgenetik bearbeitet. Auf diese Weise soll die Grundlage für eine langfristig angelegte Züchtungsstrategie entwickelt werden, deren Ziel die Bereitstellung von hochwertigem und anpassungsfähigem Saat- und Pflanzgut der Baumarten Fichte, Kiefer, Lärche, Douglasie, Stieleiche, Traubeneiche und Bergahorn sein soll. Der Schwerpunkt der Projekte liege neben der Sicherung einer breiten genetischen Diversität auf den Erbanlagen des künftigen Saatguts. Das Erbgut solle ein überdurchschnittliches Wachstum, gute qualitative Eigenschaften und eine hohe Widerstandskraft der Bäume garantieren, heißt es in einer Pressemitteilung der FNR. Die gesteigerte Wuchsleistung trage zur erhöhten CO2-Bindung bei, während die Qualitätsverbesserung die Chancen auf mehrmalige stoffliche Nutzung des Holzes (Kaskadennutzung) erhöhe.

Lebendige Archive sollen Saat- und Pflanzgut liefern

Ausgetriebene Eichen-Pfropflinge
Foto: NW-FVA

Die Hauptaufgabe des Projektes „AdaptForClim“ liege laut FNR in der Errichtung sogenannter Klon-Archive für die im Projektverlauf gezogenen Pfropflinge der Plusbaumarten Douglasie, Fichte, Kiefer, Lärche, Eiche und Bergahorn. Der Projektverbund sichere den Großteil der 5.300 Plusbaumklone aus dem „FitForClim“-Projekt in Klon-Archiven in ganz Deutschland. Weiteren Züchtungs- und Forschungsaktivitäten stünden dadurch ein enormes genetisches Potenzial zur Verfügung.

Während Plusbäume zur Saatgutproduktion zuvor in örtlich begrenzten Regionen aufgrund ihres besonders geeigneten Phänotyps (Erscheinungsbildes) ausgewählt wurden, erfolgte durch die Forschenden im Verbundprojekt eine bundesweite Auswahl auf unterschiedlichen Standorten. Hierdurch könnten auf trockeneren Standorten Plusbäume mit einer besseren Trockenheitsanpassung selektiert werden. Eine gezielte Auswahl auf älteren Versuchsflächen ermögliche neben der Berücksichtigung phänotypischer Kriterien auch statistische Auswertungen anhand langjähriger Messreihen. Alle ausgewählten Plusbäume verfügen demnach über Standorts- und Klimadaten und wurden von den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Labor genetisch charakterisiert. Zusätzliche physiologische Untersuchungen dienten der Identifizierung unterschiedlicher Trockenstress-Reaktionen einzelner Genotypen.

Aus länderübergreifenden Auswertungen zahlreicher Versuchsserien leiteten die Forschenden sogenannte Verwendungszonen nach klimatischen Größen ab. Für diese Verwendungszonen mit ihrer klimatischen Charakterisierung sei es nun möglich, gezielt Plusbäume auszuwählen und spezifische Samenplantagen aufzubauen.

Durch Optimierung der Nachbarschaftsverhältnisse auf neu anzulegenden Samenplantagen lasse sich zudem die genetische Qualität des Saatgutes deutlich verbessern, heißt es in der Pressemitteilung der FNR weiter.

Mindestanforderung an künftige Erntebestände

Genetische Untersuchungen an Saatguterntebeständen der Douglasie lieferten den Forschenden Hinweise auf die Mindestanforderungen an die zukünftigen Erntebestände. Die gewonnenen Informationen fließen demnach in die Empfehlungen zur Zulassung und Bewirtschaftung von Saatguterntebeständen ein. Am Beispiel einer älteren Fichtenversuchsfläche sei zudem die Umwandlung in einen Saatguterntebestand erprobt worden. Dabei habe sich gezeigt, dass alte Versuchsflächen ein enormes Potenzial zum Umbau in Saatguterntebestände aufweisen.

Für die Stiel- und Trauben-Eiche wurde von den Projektpartnern ein Beerntungs- und Behandlungskonzept für Saatguterntebestände erarbeitet. Anhand der Ergebnisse könne belegt werden, dass die Einzelbaumbeerntung von phänotypisch gewünschten Zieltypen die genetische Qualität des Saatgutes deutlich verbessert.

Weitere Infos zu den Projekten finden sich auf der Webseite der Verbundvorhaben sowie in der AFZ-DerWald, Nr. 11/2021, auch nachzulesen in der digitalen Ausgabe der AFZ-DerWald.

Mit Material der FNR