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Sturmholz, Käferholz, ÖBf

Klima, Schadholz und Corona drücken ÖBf-Ergebnis

Rekordtemperaturen, Schneemassen und extreme Trockenperioden haben das Waldjahr 2019 bestimmt und erneut zu zahlreichen Schadereignissen geführt. Aufgrund dessen ging die Betriebsleistung der Österreichischen Bundesforste AG (ÖBf AG) auf 222,4 Mio. € zurück (2018: 238,0 Mio.).

ÖBf-Gewinn halbiert

Der Gewinn vor Steuern (EBT) halbierte sich etwa auf 13,4 Mio. € (2018: 26,4 Mio.), das EBITDA sank auf 24,4 Mio. € (2018: 39,7 Mio.). Die nachhaltige Holzerntemenge wurde mit 1,46 Mio. Efm trotz starker Marktverwerfungen und des erhöhten Schadholzanteils eingehalten. Das Waldjahr 2019 sei für die Bundesforste so stark wie nie zuvor von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels geprägt gewesen, resümiert Rudolf Freidhager, Vorstandssprecher und Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Klimawandelkosten von 23,6 Mio. auf fast das Doppelte, nämlich 42,1 Mio. €. Innerhalb der letzten drei Jahre haben sich die Kosten, die indirekt oder direkt mit dem Klimawandel zusammenhängen, sogar verdreifacht. Die aktuelle Corona-Krise verschärfe die Situation weiter.

Nichtforstlicher Bereich legt zu

Der Anteil der nichtforstlichen Bereiche an der Gesamtbetriebsleistung wächst stetig und liegt aktuell bei 45 %, 2018 waren es noch 42 %“, erzählt Georg Schöppl, Vorstand für Finanzen und Immobilien. Rund 17,5 Mio. Euro wurden 2019 in die Entwicklung von Immobilien und Liegenschaften sowie den Ausbau erneuerbarer Energien, v. a. Wind- und Wasserkraft, investiert. Für 2020 sind weitere 26,0 Mio. Euro an Investitionen geplant. 2019 wuchs der Bereich Immobilien um 5 % und trug 48,7 Mio. € (2018: 46,4 Mio.) Umsatz. Im Bereich Erneuerbare Energie waren es über 6 Mio. €. Seit den letzten zwei Jahren liefert der Bereich wieder positive Beiträge. Damit stabilisieren die nicht-forstlichen Bereiche den Rückgang im Kerngeschäft Forst/Holz, dessen Ergebnisentwicklung 2019 aufgrund der schwierigen Marktsituation erstmals negativ ist.

Rückgang im Bereich Forst/Holz

Mit 116 Mio. € lag die Betriebsleistung im Kernbereich Forst/Holz unter dem Vorjahr (2018: 132,9 Mio.), was im Wesentlichen auf den hohen Schadholzanteil und niedrigen Holzpreise zurückzuführen ist. Ein beispielloser Schadholzanfall dominierte 2019 den mitteleuropäischen Markt. In der DACH-Region, Tschechien und Italien fielen in den Jahren 2018 und 2019 in Summe rund 200 Mio. Festmeter Schadholz an. Das ist in etwa das Doppelte der üblichen Holzerntemenge. Durch das Überangebot an Rundholz am europäischen Markt bewegten sich die Preise kontinuierlich nach unten. Der ÖBf-Durchschnittspreis ist seit 2014 um 25 % von 78,99 Euro/Efm auf 59,31 Euro/Efm (2019) gesunken. Deshalb haben die ÖBf die Holzerntemenge 2019 leicht zurückgenommen und dafür mehr Vorrat im Wald aufgebaut. Mit 1,461 Mio. EFm wurden letztes Jahr 4 % weniger geerntet als im Vorjahr. Damit habe man zum neunten Mal in Folge das jährliche Holzernteziel eingehalten und nicht mehr geerntet als nachwächst.

Hoher Schadholzanteil, Käferholz rückläufig

Mit 79 % oder rund 1,1 Mio. Efm ist der Schadholzanteil nach Rückgängen in den Vorjahren (2018: 66 %) wieder angestiegen. „Man könnte auch sagen: Schadholz ist das neue Normalholz“, bringt es Freidhager auf den Punkt. Hauptursache waren vor allem Stürme, die großen Schneemengen zu Jahresbeginn und die überdurchschnittlich trockenen Monate in der ersten Jahreshälfte, die die Entwicklung des Borkenkäfers begünstigten. Langfristig werde sich das Schadholzniveau im Mittel bei 60 bis 80 % einpendeln. Eine anhaltend rückläufige Tendenz zeichnet sich beim Käferholz ab. Entgegen dem österreichweiten Trend, der einen deutlichen Anstieg von Käferholz brachte, ist der Käferholzanteil in den ÖBf-Wäldern zum vierten Mal in Folge zurückgegangen auf rund 210.000 Efm. Rund die Hälfte des Käferholzes entfiel auf das Waldviertel. Der Anteil des Käferholzes am gesamten Schadholz betrug letztes Jahr nur 19 %. Der Aufwand für die Käferbekämpfung 2019 ist um ein Viertel gestiegen von 4,6 Mio. auf 5,8 Mio. Euro.

Corona-Krise verschärft Situation

2020 hat die Corona-Krise die Situation am Holzmarkt weiter verschärft. Die Absatz- und Exportmärkte sind stark eingebrochen. „Binnen weniger Tage ist der Holzmarkt aus den Fugen geraten, der Absatz hat sich halbiert und der Holzpreis ist noch stärker unter Druck geraten“, erklärt Freidhager. Der unterbrochene Holzfluss, vor allem nach Italien, stellt die Forstbetriebe vor massive Herausforderungen, da rund 40 % des in Österreich erzeugten Schnittholzes nach Italien exportiert werden. Die ÖBf haben die Holzproduktion stark gedrosselt. „Die Folgen der Corona-Krise sind derzeit noch nicht absehbar. Auf Kurzarbeit und staatliche Unterstützung haben wir verzichtet. Vielmehr versuchen wir, die Krise aus eigener Kraft zu stemmen und auf Kurs zu bleiben“, so Freidhager.

Ausblick 2020

„2020 wird voraussichtlich das schwierigste Jahr in der Geschichte werden, nicht zuletzt, weil zusätzlich zur Covid19-Krise auch die Situation am Holzmarkt unverändert angespannt bleiben wird“, erklärt der ÖBf-Vorstand. „Durch das warme und trockene Frühjahr ist mit weiterem Käfer- und Schadholz zu rechnen. Aufgrund des Überangebots trifft der Schadholzstrom heute jedoch auf einen „toten Markt“. Das bedeute, dass man in den nächsten, mitunter schwieriger werdenden Jahren den Ausbau der nicht-forstlichen Geschäftsbereiche – allen voran Immobilien und Erneuerbare Energie – und das Investitionsprogramm fortsetzen werde. Im Wald werde man verstärkt auf Vorrats- und Wertaufbau setzen, die Wälder pflegen, dem Klimawandel anpassen und den Waldumbau vorantreiben. So haben haben die ÖBf 2019 rund 12,3 Mio. Euro in Waldpflege und Waldumbau investiert. Bis 2025 sollen es rund 100 Mio. € sein.

ÖBf/Red.

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