Beratung einer Kleinprivatwaldbesitzerin
Mit an den Klimawandel angepassten Standortdaten lässt sich die Beratung im Kleinprivatwald durch die zuständigen Försterinnen und Förster effizient gestalten. Auch die Waldbesitzenden sollen künftig mithilfe einer App Einblick in die Standortinformationen ihrer Wälder erhalten.
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Kleinprivatwald: Waldbewirtschaftung nach Fibel

10. Februar 2022

Um die Bewirtschaftung des Kleinprivatwalds zu verbessern, fördert das Bundeslandwirtschaftsministerium die Entwicklung eines neuen Standortinformationssystems. Das Vorhaben ist Teil eines Forschungsaufrufs, der Kleinprivatwaldbesitzende besser informieren soll.

Es ist wie ein riesiges Puzzle: Ein Viertel der Waldfläche in Deutschland splittet sich in Kleinprivatwald auf, wie Waldbesitz bezeichnet wird, der kleiner als 20 ha ist. In Summe sind das unzählige Eigentümer und 2,6 Mio. ha Wald, eine Fläche größer als ganz Mecklenburg-Vorpommern.

Für manch einen ist es ein Traum, im eigenen Wald zu spazieren und zu arbeiten – andere kümmern sich wiederum kaum darum. Für sie ist eine forstfachliche Beratung und Betreuung essenziell, um ihren Wald nachhaltig bewirtschaften zu können.

Standortgerechtes Waldmanagement für den Kleinprivatwald

Bis Ende 2018 lief der Förderaufruf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) „Kleinprivatwald – Innovationen zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung“. Mittlerweile unterstütze das BMEL über das Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ 28 Projekte mit dem Fokus Kleinprivatwald, berichtet die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR).

Eins davon ist das Verbundvorhaben „Standortgerechtes Waldmanagement im Kleinprivatwald: Klima – Nährstoffe – Wasserhaushalt“. Dieses habe das Ziel, den aktuellen Stand der forstlichen Standortinformationen nutzbar zu machen. Es diene dazu, ein standortgerechtes Waldmanagement als Grundlage für eine langfristig erfolgreiche und ressourcenschonende Forstwirtschaft sicherzustellen. Das Vorhaben wird von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft koordiniert.

Waldbesitzende müssen erst zustimmen

Für das länderspezifische Standortinformationssystem liegen die Daten bereits vor – etwa zu Klima, Bodenchemie und Bodenphysik. Zur Einschätzung von Standortfaktoren müssen sie jedoch erst für die kleinflächigen Wälder aufbereitet werden, sodass sie die klassischen Standortkarten ergänzen.

Um die notwendigen Daten einzuholen und zusammenzuführen, bedarf es der Zustimmung aller Eigentümer. Den Kleinwaldeigentümern solle das entgegenkommen, ihnen werde das neue Instrument die Bewirtschaftung erleichtern. Dennoch stehe das Projekt hierbei vor einigen Hürden.

Bewirtschaftungstipps per Standortfibel

Als Endprodukt dieses Forschungsvorhabens, das noch bis September 2024 läuft, sind leicht verständliche Standortinformationssysteme vorgesehen. Sie sollen den Waldbesitzenden direkt oder indirekt über die Beratungsförsterinnen und -förster zur Verfügung stehen und sie bei Fragen der Baumartenwahl, der ressourcenschonenden Waldbewirtschaftung und Risikoabschätzung unterstützen.

Das könne eine App fürs Handy sein, mit der dann der Waldbesitzer auf ein GIS (Geoinformationssystem) gestütztes Standortinformationssystem zugreifen kann, oder eine digitale Variante für Försterinnen und Förster, die jeden konkreten Beratungsfall per robustem Klapprechner im Gelände ermöglicht – eine Art kleine forstliche Standortfibel.

Quelle: FNR

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