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Klaus von Wilpert in den Ruhestand verabschiedet

Klaus von Wilpert in den Ruhestand verabschiedet

Im Rahmen eines ganztägigen FVA-Kolloquiums am 14. April wurde Privatdozent Dr. Klaus von Wilpert, langjähriger Leiter der Abteilung Boden und Umwelt der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in den Ruhestand verabschiedet.

In einem regelrechten Vortragsmarathon präsentierten zahlreiche Kolleginnen und Kollegen Forschungsergebnisse zu Themen, die mit der Forschung v. Wilperts Berührungspunkte hatten. In einem musikalisch umrahmten Stehempfang wurden anschließend seine vielseitigen wissenschaftlichen Leistungen weiter gewürdigt.
Klaus v. Wilpert wurde am 30. März 1953 in Ulm geboren. Nach dem bei den Gebirgsjägern absolvierten Bundeswehrdienst und dem Studium der Forstwissenschaften in Freiburg trat er als Referendar in die Landesforstverwaltung Baden-Württemberg ein. Seine erste Tätigkeit führte ihn wunschgemäß in die Standortskartierung nach Biberach und Bad Schussenried. Während dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit Fragen des Bodenwasserhaushaltes und dessen Auswirkungen auf das Wurzel- und Baumwachstum. Damit legte er den Grundstein für seine Dissertation zum Thema „Die Jahrringstruktur von Fichten in Abhängigkeit vom Bodenwasserhaushalt auf Pseudogley und Parabraunerde“. Sie gibt noch heute wegweisende Erkenntnisse für die aktuelle Klimafolgenforschung. Klaus v. Wilpert schloss seine Dissertation im Juni 1990 ab und wurde als wissenschaftlicher Referent an die FVA in die Abteilung Bodenkunde und Waldernährung – heute Boden und Umwelt – versetzt. 1997 übernahm er die Abteilungsleitung. Insgesamt blieb er 26 Jahre der FVA treu.
In seiner Anfangszeit an der FVA initiierte v. Wilpert den Aufbau der Ökosystemfallstudie „Conventwald“ und weiterer Versuchsflächen, die sich mit dem Stoffhaushalt von Waldökosystemen und deren Steuerungsmöglichkeiten durch forstbetriebliche Maßnahmen beschäftigten. Der Aufbau und die inhaltliche Weiterentwicklung des forstlichen Umweltmonitorings war Klaus v. Wilperts größtes Anliegen. Er sah es als die entscheidende Basis für seine Forschungsarbeit. Es war ihm bewusst, dass der große Fundus an Zahlen und Daten nicht im stillen Kämmerlein ruhen darf, sondern aktiv und breit genutzt werden muss, um seine dauerhafte Finanzierung zu gewährleisten. In seiner 2008 erschienenen Habilitationsschrift mit dem Thema „Waldbauliche Steuerungsmöglichkeiten des Stoffhaushalts von Waldökosystemen: am Beispiel von Buchen- und Fichtenvarianten der Conventwald-Fallstudie“ hat er die Ergebnisse der Beobachtungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch der jährliche Waldzustandsbericht ist sein „Werk“. Er nutzte ihn, um breitere Inhalte der Waldbewirtschaftung und der Umweltbeobachtung, die weit über die reine Ergebnisdarstellung der Untersuchungen zum Nadel- und Blattverlust hinausgehen, an die Öffentlichkeit und an die Politik heranzutragen.
 
In einer überaus produktiven Atmosphäre in der Abteilung Boden und Umwelt, getragen von Fürsorge, persönlicher Zuwendung aber auch Einfordern von fachlicher Leistung durch den Abteilungsleiter, entstanden eine Vielzahl von Veröffentlichungen zur Verteilung von Mykhorrhiza-Pilzen in versauerten Waldböden, zum Stoffhaushalt von Wäldern, zur Wirkung von Befahrungsschäden auf Bodenstruktur und Bodenbelüftung und deren Regeneration, zur Wirkung von Bodenschutzkalkungen und zur Nachhaltigkeit der Biomassenutzung. Klaus v. Wilperts Interesse reichte dabei weit über rein bodenkundliche Fragestellungen hinaus. Mit dem Aufbau des Arbeitsbereiches „Wald und Wasser“ konnte die Expertise der Abteilung in hydrologischen Fragestellungen gestärkt werden.
 
Ein neuer Schwerpunkt in seiner Arbeit in den letzten Jahren war die Entwicklung von statistischen Verfahren zur Übertragung von Punktdaten in den Landschaftsmaßstab, die sogenannte Regionalisierung. Auch hier zielte er darauf ab, Ergebnisse aus den Umweltmessnetzen auf der Planungsebene konkret verfügbar zu machen.
 
Ebenfalls in die letzten Jahre fiel Klaus v. Wilperts Interesse für die Waldernährung im Kontext der Nutzung des Waldes und dem damit einhergehenden Nährstoffexport. Seine Idee war ein Kreislaufkonzept zu etablieren, d.h. dem Wald die über die Nutzung entzogenen Nährstoffe wieder zur Verfügung zu stellen, vorzugsweise in Form von Holzasche. Wenn auch teilweise kontrovers diskutiert, so wird v. Wilperts Holzasche-Kreislauf-Konzept auch außerhalb der Forstverwaltung als echtes Kreislaufkonzept wahrgenommen und anerkannt. Es wird im derzeit laufenden Praxiskalkungsversuch und in einem bundesweiten Projekt der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe evaluiert und weiterentwickelt. Ein besonderes Erfolgserlebnis für Klaus v. Wilpert war, als er im Jahr 2013 die wissenschaftlichen Weihen eines DFG-Projektes zur Phosphorernährung von Waldbeständen erhielt. Antrieb hierfür war neben dem wissenschaftlichen Interesse an der Fragestellung aber auch immer, Projektmitarbeitenden Beschäftigungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten zu bieten. Derzeit steht die ebenfalls durch ihn vorangetriebene zweite Phase des Projektes an.
 
Im Jahr 2010 nahm v. Wilpert die Arbeit für den Senior Expert Service (SES) auf, ein von der Robert Bosch Stiftung gefördertes Kooperationsprojekt, mit dem Ziel der Sicherung der Wasserspende aus den Qilian Mountains im Nordwesten Chinas. Mit der Verleihung der Goldenen Tanne durch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) 2012 an Klaus von Wilpert wurde sein Einsatz für die Sicherung der Funktionalität von Waldökosystemen und deren stofflich nachhaltige Bewirtschaftung gewürdigt.
 
Durch sein breites Betätigungsfeld, sein profundes Wissen und seine Kreativität ist Klaus v. Wilpert ein geschätzter bodenkundlicher Experte und Ratgeber in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien und Arbeitsgruppen. Über 20 Jahre leitete er die Sektion „Wald und Wasser“ im Deutschen Verband Forstlicher Forschungsanstalten. Die im zweijährigen Rhythmus durchgeführten Tagungen in Freiburg sind Diskussionsplattformen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und für etablierte Bodenkundlerinnen und Bodenkundler.
 
Wer denkt, dass Klaus v. Wilpert das Ende seiner beruflichen Tätigkeit im Blick etwas langsamer treten wird, Projekte vorwiegend auslaufen lassen wird und einen gleitenden Übergang in den neuen Lebensabschnitt angehen wird, sieht sich durch ihn gänzlich getäuscht: In den letzten Monaten beantragte er noch eine ganze Reihe von Projekten, die erst kürzlich bewilligt wurden oder nach seiner Ruhesetzung bewilligt werden. Damit wird zum einen eine gewisse Kontinuität in der wissenschaftlichen Arbeit der Abteilung gewährleistet. Es zeigt aber auch, dass er durchaus noch, von der Last des Amtes befreit, weiter aktiv wissenschaftlich tätig sein wird.
Konstantin von Teuffel

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