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Klassifikation der Vegetation Europas

Botaniker aus zahlreichen Ländern haben mit Beteiligung von Wissenschaftlern der Universität Göttingen erstmals eine umfassende Klassifikation der Vegetation Europas vorgelegt.

Die Vegetation wird in Europa seit mehr als 100 Jahren hierarchisch klassifiziert, und seit fast 40 Jahren gelten verbindliche Regeln für die Benennung von Pflanzengesellschaften. Allerdings gab es bisher nur geografisch und inhaltlich beschränkte Übersichten – ein europaweites Kompendium fehlte.
Botaniker aus zahlreichen Ländern haben nun mit Beteiligung von Wissenschaftlern der Universität Göttingen erstmals eine umfassende Klassifikation der Vegetation Europas vorgelegt. Diese soll künftig einen Standard in verschiedenen Bereichen bieten, beispielsweise im Waldbau, der Agrarumwelt- und Klimawandelforschung, dem Naturschutz, der Landnutzung, der Umweltbildung und beim Umsetzen von umweltpolitischen Instrumenten.
Die Expertinnen und Experten werteten rund 10.000 Literaturquellen aus mehreren Jahrzehnten wissenschaftlicher Forschung aus und erstellten daraus ein schlüssiges und umfassendes System der Vegetation. Es basiert auf der Zusammensetzung der Pflanzenarten sowie ihrer Verbreitung und Ökologie und spiegelt so biogeografische, historische, ökologische und evolutionäre Sachverhalte und Prozesse wider. Pflanzengesellschaften der Gefäßpflanzen, Moose, Flechten und Algen werden berücksichtigt und hierarchisch in fast 1.300 grundlegende Einheiten bzw. knapp 150 übergeordnete Einheiten klassifiziert. Die Klassen werden durch beinahe 13.500 Pflanzenarten charakterisiert. Um das System leichter zugänglich zu machen, wurde eigens eine Software entwickelt, der EuroVegBrowser.
Der Leiter der Abteilung Vegetationsanalyse und Phytodiversität der Universität Göttingen, Prof. Dr. Erwin Bergmeier, hat an dem mehr als 15 Jahre dauernden Großprojekt mitgearbeitet und ist Mitherausgeber des entsprechenden Sonderheftes der Fachzeitschrift Applied Vegetation Science. „Europa ist der erste Kontinent, der solch ein umfassendes und einheitliches Klassifikationssystem seiner Vegetation hat“, erläutert er. „Es stellt einen Brückenschlag zu EUNIS dar, dem Umweltinformationssystem der Europäischen Union, und unterstützt damit die Umsetzung der EU-Naturschutzrichtlinien. Das Ergebnis war nur möglich durch die akribische Arbeit einzelner Forscherinnen und Forscher und die konstruktive und kompromissbereite Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.“
Originalveröffentlichung: Ladislav Mucina et al. 2016: Vegetation of Europe: Hierarchical floristic classification system of vascular plant, bryophyte, lichen, and algal communities. Applied Vegetation Science 19 (Suppl. 1): 3-264. Doi: 10.1111/avsc.12257.
Georg-August-Universität Göttingen

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