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AG Kirchenwald – Ein Forum für Förster, Waldbeauftragte, interessierte Kirchenälteste, Pfarrer, Synodale sowie für alle am Kirchenwald interessierte .

Kirchenwald-Tagung 2019

Die Jahrestagung 2019 der Arbeitsgemeinschaft Kirchenwald fand vom 6. bis 8. Mai in Zinnowitz (Mecklenburg-Vorpommern) statt. Das Thema der Vortrags- und Exkursionsveranstaltung lautete: „(Kirchen-)Wald als Dienstleister“ verknüpft mit der Frage: Sind alle Ökosystemdienstleistungen ein Wirtschaftsgut?

Michael Schicketanz begrüßte als Hauptorganisator die aus ganz Deutschland angereisten Tagungsteilnehmer im Haus Kranich im Norden der Insel Usedom. Den Auftakt der Referenten machte Kirchenforstoberinspektor Christof Klaiber von der Kirchlichen Forstbetriebsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern und Gastgeber des diesjährigen Treffens. Er verdeutlichte zunächst Situation, Zusammensetzung und Stand des Kirchenwaldes in Mecklenburg-Vorpommern. Die Folgen aus dem Klimawandel für den Wald und die Waldbewirtschaftung tauchten dann wiederholt auch in den weiteren Vorträgen bzw. Diskussionen auf.

Ökosystemdienstleistungen des Waldes in Wert setzen

Den in das Tagungsthema einführenden Vortrag hielt Dr. Ursula Rüping von der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern. Sie erläuterte in ihrem Vortrag, dass sich der Wert eines Waldes nicht nur über Festmeter und Holzqualität berechnen lässt. Solche Ökosystemdienstleistungen wie Fotosynthese als Basisleistung, aber auch Sturm- oder Erosionsschutz zeigen, wie unbezahlbar der Wald als Ökosystem eigentlich ist. Ökosystemdienstleistungen des Waldes lassen sich in Wert setzen, wenn der Gesellschaft diese wichtig sind. Möglichkeiten ergeben sich durch Vergütung von Unterlassungen bzw. Handlungen, aber auch durch Zertifizierungen, Ökokonten und Sponsoring. Ein Beispiel ist der Klimawald auf Usedom. Felix Adolphi, Leiter des Forstamtes Neu Pudagla, verdeutlichte in seinem Vortrag die Erholungsfunktion des Waldes: bei Heringsdorf wurde 2017 der erste Kur- und Heilwald Europas eröffnet.

Steffen Wolf, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Forsteinrichtung der TU Dresden in Tharandt, überschrieb seinen Vortrag mit den drei größten Albträumen eines jeden Försters: „Trockenheit – Sturm – Borkenkäfer“. Wolf erklärte die zerstörerischen Auswirkungen von Trockenheit, Sturm und Borkenkäfer auf die Waldbestände und ging danach auf Hilfen für die Waldeigentümer durch Fördermaßnahmen am Beispiel des Landes Sachsen ein. Die sehr rege Diskussion unter den Tagungsteilnehmern zeigte, dass sich mit der dargestellten finanziellen Unterstützung die Folgen aus dem Rekordsommer 2018 wohl nicht ausgleichen lassen.

Beim gemeinsamen Abendessen ließ sich der Austausch fortsetzten. Das allgemeine Credo: Nachhaltiges wirtschaften im Wald und ein steter Erfahrungsaustausch sind in Zeiten des Klimawandels und der Kalamitäten unerlässlich.

Exkursionspunkte

Am zweiten Veranstaltungstag stand zunächst die Exkursion in den Kirchenwald Katzow auf dem Programm. Christoph Klaiber als zuständiger Kirchenforstoberinspektor führte entlang eines mit Eichen aufgeforsteten Ackers, wie auch durch einen über hundertjährigen Kiefernbestand mit Buchen-Naturverjüngung. Insbesondere letzterer regte die Teilnehmer zu Nachfragen an. Außerdem zeigte Christoph Klaiber das Werk des Bibers: Ein schützenswerter Erlenbruchwald dient mittlerweile als neues Biber-Habitat, ein Bach wird angestaut und auch in einem benachbarten Buchenbestand finden sich massive Fraßschäden. Über eine angemessene finanzielle Entschädigung der Waldeigentümer wurde verschieden diskutiert. Lohnt es sich überhaupt einen Antrag zu stellen?

Ein weiterer Exkursionspunkt war der Kur- und Heilwald Heringsdorf. Die ausgewiesene 187 ha große Fläche soll insbesondere Patienten von Physio- und Psychotherapeuten im Zusammenspiel von Waldklima und maritimer Küstenluft zuträglich sein. Die drei Wandelwege, die durch den Wald gelegt wurden, sind außerdem mit einer Leitlinie für Blinde ausgestattet und barrierefrei. Von Therapieanbietern falsch beschilderte Baumarten sowie vermeintliche Therapie-Einrichtungen und Parcours verstärken jedoch den Eindruck, dass ein Kurwald schwierig zu etablieren ist, allein schon weil die Grenze zwischen Forst und Park verschwimmen.

Zum Abschluss des Tages wurde im nahe gelegenen Benz der diesjährige Kirchenwald-Tagungsbaum im Pfarrgarten gepflanzt.

Mehr Erkenntnisse als anfangs vermutet

Am dritten Tag wurde unter anderem über die von der AG Kirchenwald im vergangenen Jahr organisierte Studienreise zur Land- und Waldbewirtschaftung in Israel berichtet. Die Studienreise brachte deutlich mehr Erkenntnisse als anfangs vermutet, so das Resümee von Michael Schicketanz: Zum einen sind Wasser- und Waldwirtschaft dort noch enger verbunden als bei uns. Zum anderen wird der Wert des Waldes dort fast ausschließlich über Ökosystemdienstleistungen definiert. Holzertrag spielt keine Rolle.

Bei der nächsten Tagung 2020 wird die Arbeitsgemeinschaft Kirchenwald im Wald der Pflege Stiftung Schönau in Baden-Würtemberg zu Gast sein. Der genaue Termin wird bekanntgegeben auf der Internetseite der AG Kirchenwald.

Red./AG Kirchenwald

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